Eishockey-Schach in Perfektion

EISHOCKEY ⋅ Die Zuger beenden ihre Niederlagenserie mit einem geradezu perfekten Spiel. Die zutiefst frustrierten Bieler werden 4:1 (2:0, 1:0, 1:1) besiegt.
Aktualisiert: 
14.11.2017, 23:00
14. November 2017, 21:53

Klaus Zaugg, Biel

sport@luzernerzeitung.ch

Zwei Szenen, die eindrücklich, ja spektakulär zeigen, wie weh diese Niederlage gegen Zug den Bielern tut. Die erste: In der 45 Minuten verlieren die Bieler beim Stande von 0:4 wieder einmal die Scheibe in der eigenen Zone. Nachdem die Situation geklärt ist, rastet Biels Torhüter Jonas Hiller aus. Er zertrümmert seinen Stock mit mehreren kräftigen Hieben gegen das Torgestänge.
 Die zweite: Nach dem Spiel eilt Biels zorniger Sportchef Martin Steinegger zu seiner Kabine. Der ehemalige Verteidiger-Titan ist ein stämmiger, kräftiger Mann (187 cm/92 kg). Die umstehenden Funktionäre halten den Atem an. Wird er die Türe so heftig zuknallen, dass das ganze Stadion erzittert? Nein. «Es ist ja unser Mobiliar. Da muss ich mich zusammennehmen» sagt er hinterher. «Ich bin so böse, dass ich jetzt besser nichts zu den Spielern sage. Zug sollte sich bei uns bedanken.» Und nimmt seinen temperamentvollen Torhüter in Schutz: «Ich kann ihn verstehen. Unsere Vorderleute haben ihn kläglich im Stich gelassen. Ohne ihn hätten wir acht Tore kassiert. Und am Ende wird er trotzdem kritisiert.»

Bieler waren chancenlos – trotz Dominanz

Jonas Hiller hatte sich nach dem Spiel immer noch nicht ganz beruhigt: «Es ist schon extrem frustrierend, wenn wir uns in der Kabine vornehmen, einfach und defensiv sorgfältig zu spielen und kaum sind wir auf dem Eis ist wieder alles vergessen.»

Zug hat seinen Gegner nicht nur besiegt, sondern ihn darüber hinaus auch zutiefst frustriert. Die Bieler haben nämlich die Partie dominiert (36:24 Torschüsse). Und doch waren sie chancenlos. Weil dem EV Zug das perfekte Eishockey-Schachspiel gelungen ist. In einer Perfektion, die es vielleicht einmal in 50 Partien gibt. Aus dem Schachspiel wissen wir, dass es wichtig ist, einen überraschenden ersten Zug zu tun und dann das Zentrum zu stärken. Genau das haben die Zuger getan. Mit dem ersten Zug das (Schach)-Spiels schlägt Viktor Stalbergs Geschoss nach 44 Sekunden zum 1:0 ein. Und von nun an wird das Zentrum stark gemacht. Die gegnerischen Stürmer brausen zwar immer wieder über die Aussenbahnen Richtung Tor – aber die Mitte, das Zentrum kontrollieren die Zuger. Manchmal werfen sich drei, vier Spieler tapfer in die Schüsse. Tobias Stephans famose Fangquote von 97,22 Prozent ist auch das Produkt einer Vorderleute. Und Jonas Hillers Quote (83,32 Prozent) zum allergrössten Teil die Schuld seiner Mitarbeiter.
Wer meisterhaft Schach spielt, wird mit dem lebenslänglichen Titel «Grossmeister» geadelt. Harold Kreis würde, wenn die Schachregeln auch im Eishockey gültig wären, nun zum Grossmeister ernannt. Was natürlich nicht der Fall ist. Aber bis zum nächsten Spiel am Donnerstag in Genf darf er den Titel «Grossmeister» führen. Seinem Team hat sehr geholfen, dass sie zwei neue Verteidiger bekommen hat. Am Dienstagabend spielten Santeri Alatalo (bisher verletzt) und Larry Leeger (von Gottéron geholt) die beiden ersten Saisonpartien. Da freute sich auch EVZ-Sportchef Reto Kläy. Leeger trifft zum bereits vorentscheidenden 2:0 (11. Minute). Der Sportchef als «Grossmeister» des Transfer-Schachspiels. Solches Lob mag er nicht hören. Bescheiden sagt er: «Ich bin erleichtert. Der Sieg tut uns gut.» Wo er recht hat, hat er recht. Es ist Zugs erster Sieg nach sieben Meisterschaftsniederlagen in Serie.

EHC-Biel - EV Zug: Das war der Liveticker »

Biel - Zug 1:4 (0:2, 0:1, 1:1)

4837 Zuschauer- - SR Massy/Wiegand, Borga/Küng. - Tore: 1. (0:44) Stalberg (Martschini, Roe) 0:1. 11. Leeger (Roe, Martschini) 0:2. 24. Zehnder (Diaz, Senteler) 0:3. 44. Martschini (Diaz, Roe/Ausschluss Forster) 0:4. 48. Dufner (Fuchs) 1:4. - Strafen: 3mal 2 Minuten gegen Biel, 4mal 2 Minuten gegen Zug.

Biel: Hiller; Jecker, Forster; Kreis, Fey; Maurer, Steiner; Dufner; Pouliot, Earl, Rajala; Micflikier, Fuchs, Pedretti; Schmutz, Neuenschwander, Fabian Lüthi; Tschantré, Joggi, Wetzel.

Zug: Stephan; Schlumpf, Alatalo; Diaz, Geisser; Morant, Leeger; Thiry. Martschini, Roe, Stalberg; Klingberg, McIntyre, Suri; Haberstich, Kast, Lammer; Schnyder, Zehnder, Senteler; Forrer.

Bemerkungen: Biel ohne Lofquist (überzähliger Ausländer) und Dominik Diem (verletzt), Zug  ohne Nolan Diem, Helbling und Grossmann (alle verletzt) sowie Holden (überzähliger Ausländer).


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