EVZ Academy gibt die Antwort auf dem Eis

EISHOCKEY ⋅ Zum Saisonstart in der Swiss League empfängt die EVZ Academy heute (20 Uhr) Ajoie. Der Einstieg des EVZ-Farmteams wurde letzte Saison hart kritisiert, nun sind die Kritiker leiser geworden.
15. September 2017, 08:16

Die Verantwortlichen des EHC Olten gingen letzte Saison hart ins Gericht mit der EVZ Academy. In einem geharnischten und von anderen Klubs (EHC Visp, SC Rapperswil-Jona Lakers und HC Thurgau) unterzeichneten Brief kritisierten die Solothurner den Einstieg von gleich zwei Mannschaften – neben der Academy stiegen auch die Ticino Rockets in die NLB (heute Swiss League).

«Grundsätzlich äusserten sich alle NLB-Teams etwas kritisch über die Farmteams», sagt Olten-Geschäftsführer Peter Rötheli heute. «Weil wenig Tradition vorhanden ist und auch der Publikumsaufmarsch gering ist.»

Sportlich aber überraschte die Academy. Ende Qualifikation hatten den Zugern nur vier Punkte zur Playoff-Teilnahme gefehlt. «Wir erwischten letztes Jahr einen guten Start, wir überraschten, doch zuletzt fehlte die Konstanz, und wir verpassten die Playoffs knapp», erinnert sich EVZ-Sportchef Reto Kläy. Er sagt, man wolle nun in dieser Saison diese Phase erreichen.

Übrigens: Nach dem Konkurs von Martigny würde die Swiss League heute ohne diese beiden Farmteams nur noch aus neun Equipen bestehen.

Der SC Langenthal hatte den Protestbrief damals nicht unterzeichnet. SCL-Geschäftsführer Gian Kämpf heute: «Jetzt wartet das Jahr zwei. Momentan ist die Herausforderung durch den Martigny-Wegfall eine andere. Und die Farmteams sind zumindest konkurrenzfähig, das war eine der Ängste im letzten Jahr.»

Die Aufstockung mit zwei Farmteams sei etwas viel auf einmal gewesen. «Die Mannschaften, die hier sind, gehören nun dazu, die Akzeptanz ist gestiegen, auch wenn ihre Fangemeinden nicht für atemberaubende Stimmung sorgen.»

Der SCL war überdies das einzige Team in der Liga, das nie gegen eines der drei Farmteams verloren hat (neben der Academy und den Rockets sind die GCK Lions das dritte Farmteam).

Steigt Olten wegen der Academy auf?

Ein Kritikpunkt der vergangenen Saison entfällt. «Sportlich war die Academy gut, und sie wird auch in dieser Saison die eine oder andere Mannschaft überraschen», blickt Peter Rötheli nach vorne. Vor Jahresfrist wurde befürchtet, dass die Farmteams, deren Augenmerk stärker auf der Ausbildung als auf den Resultaten liegt, die Liga sportlich verwässern und das Niveau etlicher Matches mittelfristig sinken lassen. Dadurch würde die Kluft zwischen der National League und der Swiss League grösser, lautete eine gängige Meinung.

Olten, in dieser Saison Transfersieger, strebte den ohnehin anvisierten Aufstieg noch etwas konkreter an. Die Gleichung, dass die Academy die Solothurner nun in die Flucht nach vorn und damit in die National League treibt, wäre aber (mittlerweile) zu dramatisch.

Die Schwierigkeit bestehe laut Gian Kämpf in der Gesamtstruktur der Liga, «sie ist sehr heterogen, indem sie reine Ausbildungsteams bis hin zu sehr ambitionierten Teams umfasst, die um den Aufstieg in die National League spielen.» Insgesamt sei aber gut, dass junge Spieler aus den Elite-Teams die Chance haben, auf einem hohen Level zu spielen.

Academy-Spieler können bei EVZ-Ausfällen helfen

Ihre Spieler seien einen Schritt weiter, analysiert Reto Kläy. «Sie sind noch nicht fertige Spieler, aber bei Ausfällen können wir sie nachziehen.» Bis die Academy ihre volle Wirkung entfaltet, dürften fünf bis sechs Jahre verstreichen. «Schön wäre, wenn wir mit der Zeit ein bis zwei Spieler pro Saison in die 1. Mannschaft integrieren könnten.»

Der herbe Gegenwind sei schon letzte Saison sanfter geworden: «Jene, die am lautesten kritisierten, waren die ersten, die Spieler von uns wollten. Ohne Klubbrille sieht man, dass die Farmteams berechtigt sind.»

Schon letzte Saison äusserten sich auch ausgewogene Stimmen. Gleich von Beginn weg befürwortete der heutige Servette Co-Trainer und letztjährige Langnauer Meistercoach Jason O’Leary die beiden neuen Teams. «Das ist gut für die Entwicklung der jungen Spieler», betonte er bereits damals.

Die EVZ Academy hat, wie man im Fachjargon zu sagen pflegt, die Antwort auf dem Eis gegeben – und ab heute dürfte sie dies wieder tun.

Daniel Gerber

sport@luzernerzeitung.ch


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