EVZ-Verteidiger Timo Helbling relativiert: «Wir haben erst zwei Spiele gewonnen»

NLA-PLAYOFF-FINAL ⋅ Nach dem zweiten Overtime-Sieg gegen Bern in Folge und dem Ausgleich zum 2:2 in der Finalserie zeigen sich die Zuger Spieler weniger euphorisiert als die Fans.
14. April 2017, 15:47

"Will Grigg's on fire!" Als der Zuger Animator die wilde EM-Hymne der Nordiren einlegte, breitete sich das akustische Feuer bis in den hintersten Stadionwinkel aus. In der ausverkauften Arena spielten sich Szenen ab, die zu einer Meistersause gepasst hätten.

Nach dem zweiten Overtime-Erfolg gegen Bern (3:2) relativierte der Ex-SCB-Verteidiger Timo Helbling im Interview mit der Nachrichtenagentur sda die Champagner-Laune der eigenen Fans allerdings: "Wir haben erst zwei Spiele gewonnen."

Timo Helbling, vom krassen Fehlstart zur Euphorie, vom 0:2 in der Serie zum umjubelten Ausgleich gegen den hoch dotierten Meister. Wie ist ein solcher Aufschwung innerhalb von 48 Stunden möglich?

Timo Helbling: "Ich denke, wir haben einen richtiggehenden Steigerungslauf hinter uns. Der Start in Bern ging gründlich daneben. Wir liefen Bern auf naive Weise voll ins Messer, dann kam das ärgerliche und unglückliche 2:4 zu Hause, obwohl wir ebenbürtig auftraten. Und jetzt die beiden Overtime-Siege innerhalb von 48 Stunden."

Wie erklären Sie sich die Startprobleme? Hat der EVZ für die spektakuläre Halbfinalserie gegen Davos zu viele Komplimente erhalten?

"Es gibt verschiedene Gründe. Klar, das Duell mit dem HCD war sehr emotional verlaufen, ein Auf und Ab, viel Spektakel. Aber beim missratenen Auftakt spielte sicherlich eine Rolle, dass wir einige Final-Neulinge im Team haben, die sich mit der mächtigen und lauten Kulisse in Bern etwas schwertaten. "

Beim zweiten Auftritt im Stadion des Titelhalters hielt Zug dem Druck stand, und zu Hause legten Sie nach, obschon Ihnen eine 2:0-Führung entglitten war. Zwei starke Signale, oder?

"Die Art und Weise, wie wir reagiert haben und uns nicht verunsichern liessen, werte ich als extrem positiv. Überhöhen würde ich nichts, wir haben erst zwei Spiele gewonnen. Uns ist schon bewusst, dass auf der anderen Seite nach wie vor ein grosser Brocken steht."

Das Comeback ist auch vom imposanten Auffassungsvermögen Ihres Teams begünstigt. Die Fraktion der Final-Neulinge hat offenbar sehr schnell begriffen, woher der Wind weht.

"Im Team steckt viel Leadership. Wir wissen schon, was nötig ist, um Erfolg zu haben. Während der gesamten Meisterschaft räumten uns die meisten wenig Kredit ein. Uns wurden Probleme gegen Genf prophezeit, nach dem 2:2 der Davoser hiess es, wir würden untergehen. Einige meinten, wir seien gegen Bern chancenlos. Solche Dinge perlen ab. Wir kennen unser Potenzial, intern lässt sich keiner verrückt machen."

Welche Qualität kommt Ihnen im Zusammenhang mit dem EV Zug zuerst in den Sinn?

"Wir leben ganz klar vom Kollektiv. Unsere Ausgeglichenheit zeichnet uns seit dem ersten Saisonspiel aus, unsere Breite im Kader ist der Schlüssel zum Erfolg. Wir sind nicht auf eine einzige Formation angewiesen, sondern leben von vier Linien. Es ist nicht nötig, gewisse Spieler bis zur Erschöpfung zu forcieren. Uns geht die Energie nicht aus."

Der SCB stand zeitweilig dicht vor einem 3:0-Vorteil in der Serie. Halten Sie es für möglich, dass der Meister angezählt ist?

"Bern hat schon zu viel erlebt in den letzten Jahren. Für mich ist aber auch als Ex-Spieler schwierig zu beurteilen, wie es um sie steht. Das Team ist vom System und der Philosophie her kaum mehr mit unserer letztjährigen Ausgabe zu vergleichen. Ich gehe davon aus, dass noch einiges auf uns zurollen wird. Wir müssen weiterhin im Moment leben und dürfen dabei unter keinen Umständen unseren Fokus verlieren."

Fokussiert ist im Übrigen auch ihr Keeper - ein Wort zu Tobias Stephan?

"Wahnsinn, was er alles hält. Die Kritik an ihm war bei uns nie ein Thema. Er spielt eine Top-Saison und garantiert die Stabilität, ohne welche wir nie da wären, wo wir jetzt stehen."

(sda)

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Zugs Rückmeldung im NLA-Playoff-Final fällt eindrücklich aus.

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