Reto Kläy: «Jede Partie ist ein Kampf»

EISHOCKEY ⋅ Der EV Zug ist Gruppensieger in der Champions League und führt auch in der Meisterschaft die Tabelle an. Sportchef Reto Kläy sagt, was ihm am Saisonstart gefallen hat – und wo er Verbesserungspotenzial sieht.
13. Oktober 2017, 08:06

Interview: Sven Aregger

sven.aregger@luzernerzeitung.ch

Reto Kläy, Zug hat sich in der Champions League gegen die Vienna Capitals mit Ach und Krach für die Achtelfinals qualifiziert. Wie stark haben Sie auf der Tribüne gezittert?

Wir brauchten einen Punkt. Und da wir bis zehn Minuten vor Schluss in Rückstand lagen, war ich natürlich angespannt. Auch für die Spieler war es eine schwierige Situation. Sie erarbeiteten sich Chancen, aber das Tor wollte nicht fallen. Symptomatisch war der Ablenker zum 1:1. Durch den Ausgleich fiel eine Last vom Team ab. Ich bin froh, dass wir schliesslich noch 3:1 gewannen. So sind wir – dank des besseren Torverhältnisses – Gruppensieger und können das zweite Achtel­finalspiel am 7. November zu Hause austragen. Für unsere Spieler ist das ein Vorteil, weil sie am 8. November in die Nationalmannschaft einrücken müssen.

Auch in der Meisterschaft steht Zug an der Spitze. Wie fällt Ihre Zwischenbilanz aus?

Ich schaue nicht so stark auf die Tabelle, die Saison ist ja noch lang. Aber der Spitzenplatz gibt uns Selbstvertrauen und Ruhe im Umfeld. Positiv ist, dass wir auch punkten können, wenn wir nicht so überzeugend spielen. Denn nicht alle Spiele verliefen nach unserem Gusto.

Das heisst?

Jede Partie ist ein Kampf. Wenn wir nicht hart arbeiten, bekommen wir Probleme. Erledigen wir dagegen unseren Job zu 100 Prozent, müssen wir uns vor niemandem verstecken. Voraussetzung dafür ist eine hohe Intensität über das ganze Spiel. Das kostet natürlich viel Substanz. Aber wenn wir nicht Vollgas geben, wird es in dieser ausgeglichenen Liga gegen jeden Gegner schwierig. Ich glaube, dass die Qualität der National League nochmals gestiegen ist.

Auffällig ist: Zug beweist Effizienz im Abschluss und zeigt in wichtigen Momenten seine individuelle Klasse. Das spricht für ein Spitzenteam.

Ja, im Endeffekt zeichnen diese Eigenschaften eine Spitzenmannschaft aus. Dabei darf man nicht vergessen, dass wir einen Ba­lanceakt bewältigen: Einerseits haben wir den Anspruch, vorne mitzuspielen. Andererseits wollen wir junge Spieler integrieren. Das ist eine grosse Herausforderung. Aber ich glaube fest an den Erfolg. Das Team hat eine Winner-Mentalität entwickelt, es gibt nie auf. Das zeugt von Charakter. Wir sind in der glücklichen Lage, dass bei uns jederzeit ein Spieler für den Unterschied sorgen kann – auch wenn wir einmal nicht unsere beste Leistung abrufen.

Diesen Unterschied machen häufig die neuen Ausländer Garrett Roe und Viktor Stalberg. Mit ihrer Verpflichtung haben Sie ein glückliches Händchen bewiesen.

Wichtig ist, dass neue Spieler ins Mannschaftsgefüge passen. Beide haben sich gut integriert und sind umgängliche Typen, die gern in Zug spielen. Sie haben momentan grossen Anteil an unserem Erfolg. Aber auch alle anderen verdienen ein Stück vom Kuchen. Eine Mannschaft lebt nicht nur von einzelnen Spielern.

Dennoch ist der EVZ von der Produktivität der ersten Linie abhängig. Weitere Leistungsträger wie Lino Martschini sind noch nicht in der Topform der letzten Saison. Bereitet das Ihnen Sorgen?

Nein. Es wird immer Phasen geben, in denen ein Spieler eine Durststrecke durchlebt. Einmal konzentriert sich die Torproduktion auf die eine, einmal auf die andere Linie. Aber der EVZ hat in der Vergangenheit gezeigt: Wir haben diverse Kandidaten, die Tore schiessen können. Es braucht oft nur ein Erfolgserlebnis, um den Knopf zu lösen.

Im Unterzahlspiel und im Powerplay gehört der EV Zug zu den stärksten Teams. Bei Gleichbestand auf dem Eis verzeichnet er aber nur durchschnittliche Werte. Worauf ist dieses Ungleich­gewicht zurückzuführen?

Solche Werte sind manchmal schwierig zu erklären. Gerade das Boxplay hat uns schon immer stark gemacht, in diesem Bereich sind wir sogar noch besser geworden. Bei fünf gegen fünf können wir uns noch steigern, schliesslich wollen wir in allen Spielsituationen gute Werte aufweisen. Doch wie letztlich die Tore fallen, ist zweitrangig. Am Ende des Tages ist die Anzahl Punkte ausschlaggebend. Einfach ausgedrückt: Wir stehen auf dem ersten Platz, also machen wir vieles richtig.

In der Verteidigung sind drei Nachwuchsspieler integriert worden. Und auch im Sturm gelangen kontinuierlich Junge zum Einsatz. Wie sehen Sie ihre Entwicklung?

Positiv. Das Potenzial und die Bereitschaft sind vorhanden. Wie Sie sagen: Es ist ein Prozess. Die Talente brauchen Zeit. Sie werden jeden Tag routinierter. Dass sie auf dem Eis auch mal schwierige Situationen überstehen müssen, ist Teil des Lernprozesses.


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