Niederlagenserie beim EV Zug: «Jetzt stehen die Schlüsselspieler in der Pflicht»

EISHOCKEY ⋅ Der EV Zug hat sportlich schwierige Wochen hinter sich. CEO Patrick Lengwiler (39) will keine Unruhe aufkommen lassen und ist vom eingeschlagenen Weg mit den jungen Spielern überzeugt. Zudem stellt er sich hinter Trainer Harold Kreis.
09. November 2017, 05:00

Interview: Sven Aregger

sven.aregger@luzernerzeitung.ch

Patrick Lengwiler, der EVZ ist aus der Champions League ausgeschieden und hat in der Meisterschaft die letzten sieben Spiele verloren. Aber in Zug spricht niemand von einer Krise. Auch Sie nicht?

Klar sind wir nicht zufrieden mit dieser Situation. Das waren zu viele Nieder­lagen hintereinander. Und auch das Ausscheiden in der Champions League wurmt mich. Mein Fazit zur bisherigen Saison fällt durchzogen aus. Wir hatten einen sehr guten Saisonstart, zuletzt sind wir aber ins Stocken geraten. Wir glauben aber daran, dass wir den Weg zurück auf die Erfolgsspur finden.

Was sind die Gründe für die Baisse?

Ich sehe drei Hauptgründe. Erstens machen wir zu viele individuelle Fehler und leisten uns zu viele Strafen, die vermeidbar wären. Zweitens agieren einige Spieler unter ihrem Leistungsvermögen. Und drittens haben wir sechs verletzte Stammspieler – Ausfälle, die auch für andere Mannschaften nur schwer zu kompensieren wären.

Unruhe kommt beim EVZ trotzdem nicht auf. Woher nimmt man die Gelassenheit?

Panik bringt nichts. Dadurch könnten wir die Fehler nicht abstellen, und die Verletzten kämen deswegen auch nicht zurück. Die Leute in unserer Führung sind nicht bekannt für Kurzschlusshandlungen, nur um ein paar Wochen Ruhe zu haben. Wir müssen stattdessen hart und konsequent weiterarbeiten. Die Mannschaft kämpft. Das ist ein Indiz dafür, dass vieles intakt ist. Wir haben zu Saisonbeginn gezeigt, welches Potenzial wir haben. Aber momentan machen wir vorne die Tore nicht und werden hinten für Fehler bestraft.

Weil das Selbstvertrauen fehlt?

Das hat sicher damit zu tun. Auch das Wettkampfglück spielt eine Rolle. Momentan landen die Scheiben am Pfosten oder an einem Bein des Gegenspielers. Aber das ist Sport. Anfang Saison haben wir phasenweise schlechter gespielt und die Spiele trotzdem mit einem Tor Differenz gewonnen. Jetzt verlieren wir die Spiele knapp.

Sportchef Reto Kläy sagt, der Kriechgang liege nicht an der Arbeit von Trainer Harold Kreis. Wie stehen Sie zu diesem Thema?

In solchen Niederlagenserien ist es der übliche Reflex, den Trainer zu entlassen. Bei uns steht das nicht zur Debatte. Ich glaube nicht, dass ein Wechsel einen grossen Einfluss hätte. Aber natürlich sind die Trainer mit dem Team gefordert, aus dem Tief herauszukommen.

Der EV Zug will ein Spitzenteam sein. Gleichzeitig verfolgt er das Ziel, junge Spieler aus der klubeigenen Hockey Academy in der National League zu integrieren. Ist dieser Balanceakt anspruchsvoller, als Sie es sich vor der Saison vorgestellt haben?

Anspruchsvoll ist der Balanceakt tatsächlich. Ich glaube aber nicht, dass wir diese Herausforderung unterschätzt haben. Und ich glaube auch nicht, dass wir viele Partien wegen der jungen Spieler verloren haben. Aber bei der von uns gewählten Strategie ist es essenziell, dass die Mehrheit der Leistungsträger ihre Leistung für die Mannschaft bringen kann. Das war bis dato nicht der Fall. Die Leader stehen in der Verantwortung.

Die jungen Spieler brauchen Führungspersonen. Doch die Team­leader haben derzeit genug mit sich selber zu kämpfen. Hat der EVZ ein Anführer-Problem?

Wenn ein Spieler mit eigenen Problemen beschäftigt ist, wird es schwierig, noch eine Leaderfunktion wahrzunehmen. Die Saison ist lang, wie jede Mannschaft durchlebt auch jeder Spieler Hochs und Tiefs. Die jungen Verteidiger Tobias Geisser, Victor Oejdemark und Thomas Thiry haben in den letzten drei Spielen 12 bis 15 Minuten Eiszeit neben den Routiniers Raphael Diaz, Dominik Schlumpf und Johann Morant erhalten. Das sind sehr gute Werte. Es bedeutet: Die gestandenen Spieler haben auch vieles richtig gemacht, damit die Jungen überhaupt zu diesen Einsätzen kommen.

Raphael Diaz hinterlässt den Eindruck, dass ihn die Captainrolle eher hemmt als beflügelt.

Raphi ist mit enorm viel Herzblut und Engagement für unsere Organisation tätig. Vielleicht will er seine Sache manchmal zu gut machen und verkrampft sich. Wenn man in Form ist, wächst man automatisch einige Zentimeter und kommt mit geschwellter Brust aufs Eis. Wer mit gutem Beispiel vorangehen kann, ist auch ein besserer Leader. Es ist aber schwierig, ein erfolgreicher Anführer zu sein, wenn die persönliche Leistung nicht den eigenen Erwartungen entspricht. Raphi ist ein sehr wichtiger Spieler für uns. Wir erwarten Leistung von ihm, dessen ist er sich auch bewusst.

Leistungsträger wie Garrett Roe und Viktor Stalberg werden stark forciert. Zuletzt wirkten sie etwas platt. Ist das die richtige Entwicklung?

Meines Erachtens können und müssen die Eiszeiten mittel- und langfristig besser verteilt werden, gerade weil wir eine intensive Saison mit Olympia haben. Aber das ganze Thema wird überkocht. Wenn ich die Eiszeiten von Schlüsselspielern beim SC Bern anschaue, sind sie mit unseren Werten absolut vergleichbar. Bern steht auf dem ersten Platz. Wenn es läuft, sagt niemand etwas.

Das Team kann nun einige Tage durchatmen, bevor es am Dienstag gegen Biel weitergeht. Wie nutzt der EVZ diese Zeit?

Die Spieler und Coaches können den Kopf lüften, das tut sicher gut. Einige Spieler haben ein paar Tage frei. Andere sind bei der Nationalmannschaft, auch dieser Tapetenwechsel kann hilfreich sein. Dann müssen wir uns gut auf die nächste Woche vorbereiten ...

... eine wegweisende Woche mit den Meisterschaftsspielen gegen Biel, Genf und Ambri-Piotta. Verliert der EV Zug weiterhin, rutscht er in den Strichkampf.

Das ist richtig. In den Stichkampf wollen wir unter keinen Umständen involviert werden. Wir brauchen endlich wieder ein Erfolgserlebnis, und das hat sich die Mannschaft mit ihrer kämpferischen Art auch verdient. Wenn wir unsere Qualitäten abrufen, gehören wir zum vorderen Mittelfeld der Tabelle. Den Weg dorthin müssen wir nun wieder finden.

Was passiert, wenn der EVZ die Wende nicht schafft? Wir der Trainer dann zum Thema?

Wir schaffen die Wende!

Was erwarten Sie nun vom Team?

Wir müssen die Fehler abstellen, diszipliniert und konzentriert spielen. Die Schlüsselspieler stehen in der Plicht. Die ganze Organisation ist gefordert. Punkt, Amen, Aus.

Nach dem Ausscheiden aus der Champions League wurden zwei National-League-Spiele des EV Zug neu angesetzt. Das Heimspiel gegen Fribourg-Gottéron wurde vom 2. Dezember auf Dienstag, 16. Januar 2018, verschoben. Die Partie Genève-Servette gegen Zug wird um zwei Tage auf Donnerstag, 14. Dezember, vorgezogen.


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