EVZ-CEO kritisiert Schiedsrichter: «Viele Strafen sind kleinlich»

EISHOCKEY ⋅ Der EVZ ist eines der meistbestraften Teams. CEO Patrick Lengwiler fordert nicht nur mehr Disziplin von den Spielern, er kritisiert auch die Schiedsrichter. Bisweilen werde Zug unfair behandelt.
13. Januar 2018, 10:33

Interview: Sven Aregger

sven.aregger@luzernerzeitung.ch

Die vielen Strafen beschäftigen den EV Zug seit Beginn der ­Saison. Mit 179 Zweiminutenstrafen gehört er zu den meist­bestraften Mannschaften der ­National League. Das EVZ-Farmteam steht mit insgesamt 518 Strafminuten sogar an der Spitze der Swiss League. Die ­Zuger Verantwortlichen haben deshalb Massnahmen im Training ergriffen. «Für jede kassierte Strafzeit wird länger gelaufen», sagte kürzlich EVZ-Headcoach Harold Kreis.

Geschäftsführer Patrick Lengwiler bemängelt aber nicht nur die Disziplin der Zuger ­Spieler, er nimmt auch die Schiedsrichter in die Pflicht. Der 39-Jährige erwartet von den ­Unparteiischen und dem Referee-Management mehr Fingerspitzengefühl und Respekt gegenüber seiner Organisation.

Patrick Lengwiler, der EV Zug fällt in der National League und in der Swiss League mit vielen Strafen auf. Fühlt sich die Organisation von den Unparteiischen ungerecht behandelt?

Ich kann das nicht einfach pauschal über alle Schiedsrichter ­sagen, über einzelne aber ganz bestimmt. Relevant ist für mich die Gesamtbetrachtung der Strafen, insbesondere der Zweiminutenstrafen. Dort gehören wir in dieser und in der letzten Saison – ja praktisch in all den vergangenen Jahren – zu den meistbestraften Mannschaften. Viele Strafen gegen uns sind kleinlich gepfiffen. Ich vermisse das Augenmass, die Gleichbehandlung mit vielen gegnerischen Teams an diesen Abenden.

Haben Sie den Eindruck, der EVZ ist ein rotes Tuch für die Schiedsrichter?

Auf unsere gesamte Organisation bezogen denke ich das nicht. Meines Erachtens sind jedoch gewisse Spieler für die Schiedsrichter bisweilen ein rotes Tuch, sie werden für jede Kleinigkeit bestraft. Dann gibt es andere Spieler, die sich praktisch alles erlauben können. Diesen Eindruck kann man teilen oder auch nicht.

Was sollte sich im Schiedsrichterwesen ändern?

Es braucht auch bei den Schiedsrichtern eine unbedingte Leistungskultur. Hierfür sind Kritik, Selbstkritik und auch die Führung durch das Referee-Management unabdingbar. Vom Referee-Management erwarte ich mehr Fingerspitzengefühl bei der Einteilung der Unparteiischen. Wenn ein Schiedsrichter-Duo einen Spitzenkampf zu unserer klaren Benachteiligung verpfeift, kann man doch nicht das gleiche Duo praktisch beim nächsten Spitzenkampf uns wieder zuteilen. Das ist auch eine Frage des Respekts gegenüber unserer ­Organisation.

Haben Sie Ihren Unmut schon gegenüber Unparteiischen und Verbandsfunktionären geäussert?

Meine Kritik und meinen Unmut habe ich den zuständigen Verbandsfunktionären klar und ­direkt mitgeteilt. Wir erwarten unparteiische Schiedsrichter­leistungen gegenüber unserer Organisation.

Gerade in den Playoffs könnten sich zu viele Strafen rächen. Die Spieler tragen auch eine Eigenverantwortung. Wie bewerten Sie ihre Disziplin?

Wir sind selbstkritisch und auch kritisch mit unseren Spielern. Wir holen zu viele unnötige Strafen, insbesondere in der Offensivzone. Die Disziplin muss besser werden, denn diese ist letztlich mitentscheidend, ob wir gewinnen oder verlieren. Während wir in den letzten beiden Saisons in der Statistik der Zweiminutenstrafen an der Spitze zu finden sind, steht der Meister SC Bern am Ende dieser Statistik. Die Disziplin unserer Mannschaft wie auch unparteiische Schiedsrichterleistungen sind daher für mich von grosser Bedeutung.

Hinweis

Das Interview wurde schriftlich geführt.


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