Tobias Geisser: «Eine weitere Saison in Zug wäre gut»

EISHOCKEY ⋅ Der Zuger Verteidiger Tobias Geisser (18) hat mit der Schweiz die U20-WM bestritten. Er gehört zu den Leistungsträgern im jungen Team. Ein Wechsel in die NHL käme für ihn nächste Saison wohl aber noch zu früh.
12. Januar 2018, 04:39

Sven Aregger

sven.aregger@luzernerzeitung.ch

Beim Zuger 2:0-Sieg am Dienstag gegen Lugano stand Tobias Geisser wieder auf dem Eis. Gemeinsam mit Routinier Timo Helbling verteidigte er im vierten Block. Langsam soll er sich wieder an die National League gewöhnen. Sein letzter Einsatz für den EVZ lag ja schon eine Weile zurück, am 25. November war das. Danach fiel der Verteidiger verletzt aus, und als er Ende Dezember wieder fit war, reiste er um­gehend mit der U20-Nationalmannschaft an die WM in Buffalo (USA). Erst am Sonntag kehrte er zurück aus Nordamerika. Er sagt: «Es war eine coole Erfahrung, sich mit den besten Junioren der Welt zu messen und zu erfahren, wo man international steht.»

Die Standortbestimmung fällt zwiespältig aus. Nach dem Startsieg gegen Weissrussland verloren die Schweizer nacheinander gegen Russland, Schweden und Tschechien. Im Viertelfinal gegen den späteren Turniersieger Kanada setzte es eine 2:8-Klatsche ab. «Wir kamen immer einen Schritt zu spät», bilanziert Geisser. «Noch besteht eine Lücke zwischen uns und den Top­nationen.» Bei der Beurteilung muss allerdings berücksichtigt werden, dass die Schweiz das klar jüngste WM-Team stellte. Viele Akteure werden nächste Saison an der WM in Vancouver noch spielberechtigt sein – und auch einen Schritt weiter. Trainer Christian Wohlwend sagte denn auch, dass künftig der Viertel­final nicht mehr genügen werde.

Mit Washington im Mail-Austausch

Auch der 18-jährige Engelberger Geisser kann in Vancouver noch antreten. Er gehört zu den Leistungsträgern im Team. Letzten Sommer ist er in der vierten Runde von den Washington Capitals gedraftet worden. Seither steht er mit der NHL-Franchise in regem Mail-Austausch. Wöchentlich füllt er Fragebögen aus. Er rapportiert zum Beispiel, wie es um seine Gesundheit steht, wie viel er geschlafen hat und wo er sich in seinem Spiel verbessern kann. Ein grosses Juniorenturnier wie die WM bietet immer die Chance, sich den Scouts zu präsentieren. Auch Vertreter der Capitals waren in Buffalo. Feedbacks hat Geisser nicht erhalten, er sagt aber: «Grundsätzlich bin ich zufrieden mit meiner Leistung, auch wenn es immer noch besser geht.»

Im EV Zug hat Geisser an der Seite von Captain Raphael Diaz grosse Fortschritte gemacht. Trainer Harold Kreis belohnt ihn für die stabilen Leistungen mit über 14 Minuten Eiszeit pro Spiel. EVZ-Sportchef Reto Kläy lobt: «Tobias hat sich bei uns zu einem zuverlässigen Spieler entwickelt und ist auf einem guten Weg.» Die Frage lautet daher, ob ein Wechsel nach Nordamerika schon nächste Saison realistisch ist. Kläy glaubt, dass die NHL für Geisser noch zu früh käme. «Ich denke nicht, dass er für diesen Schritt schon bereit ist.» Geisser selber meint dazu: «Ich lasse es auf mich zukommen. Doch eine weitere Saison in Zug wäre sicher gut. Hier kann ich noch viel profitieren.»

Neben Geisser verteidigte Nico Gross an der WM. Auch er ist ein Zuger Eigengewächs. Der EVZ hat den 17-Jährigen für ein Jahr an die Oshawa Generals ausgeliehen, ein Juniorenteam in der Ontario Hockey League. Der Start verlief schwierig, Gross erkrankte an Pfeiffer’schem Drüsenfieber. Doch inzwischen hat er in Kanada den Tritt gefunden. Macht es möglicherweise Sinn, dass er ein weiteres Jahr in Übersee bleibt? Kläy sagt: «Der EVZ wird beurteilen, was das Beste für ihn ist. Der Plan ist, dass wir ihn nach der Saison zurückholen.»

Unwahrscheinlich ist, dass Calvin Thürkauf (20) in Zug parkiert wird. Der Center, der die Nachwuchsabteilung des EVZ durchlaufen hat, besitzt einen Vertrag bei den Columbus Blue Jackets. Derzeit verdient er sich seine Sporen im Farmteam Cleveland Monsters in der AHL.


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