Ist Josi besser als Crosby?

EISHOCKEY ⋅ Roman Josi ist der erste Schweizer, der in einem Stanley-Cup-Final eine zentrale Rolle spielt. Er führte Nashville zu zwei Siegen in Folge. Die Serie gegen Pittsburgh mit Superstar Sidney Crosby ist wieder völlig offen.
07. Juni 2017, 09:39

Klaus Zaugg

sport@luzernerzeitung.ch

Sidney Crosby (29) ist Pittsburghs Leitwolf. Er gilt in Kanada als bester Spieler seit Wayne Gretzky. Roman Josi (27) ist Nashvilles Leitwolf. Er gilt als bester Schweizer Spieler aller Zeiten. Die Reduktion auf einen Namen wird eigentlich dem Mannschaftssport nicht gerecht. Aber dieser Stanley-Cup-Final ist auch das Duell zwischen Roman Josi und Sidney Crosby.

Verteidiger als Spielgestalter mit grossem offensivem Einfluss gibt es in der NHL eigentlich erst seit den 1970er-Jahren. Seit Bobb Orr als erster Verteidiger die Skorerwertung gewonnen hat. Inzwischen prägen Verteidiger längst Stanley-Cup-Siegerteams. Von den letzten zehn Gewinnern der «Conn Smythe Trophy» für den Playoff-MVP sind immerhin zwei (Duncan Keith und Scott Niedermayer) Verteidiger. Gewinnt Nashville den Stanley-Cup, hat Roman Josi gewisse MVP-Chancen. Er wäre der erste Schweizer überhaupt, der eine der insgesamt 17 NHL-Auszeichnungen gewinnt.

Produktivster Verteidiger der zwei Finalteams

Pittsburgh Penguins gegen Nashville Predators ist so gesehen auch ein «Kampf der Kulturen». Pittsburgh hat mit Sidney Crosby und Ewgeni Malkin zwei dominierende Center. Sie gehören zu den absolut Besten der Welt, und Pittsburghs grandiose «Mittelachse» prägt das Spiel.

Nashvilles Spiel wird mit Roman Josi, P. K. Subban und Ryan Ellis eher von der besser besetzten blauen Linie gesteuert. Josi ist mit 14 Punkten (6 Tore/8 Assists) der produktivste Verteidiger der beiden Finalteams. Deshalb gilt: Roman Josi (Salär 4,25 Millionen Dollar) gegen Sidney Crosby (10,9 Millionen). Wenn Nashville triumphiert, dann dürfen wir sagen: Der sanfte Titan aus dem Bernbiet (187 cm/­91 kg), der im Final mehr Eiszeit hat als jeder andere Spieler (25:50 Min.), ist besser als Kanadas «Golden Boy».

Der ehemalige SCB-Junior und MVP der Silber-Weltmeisterschaft von 2013 spielt als erster Schweizer in einem Stanley-Cup-Final eine zentrale Rolle. Die Torhüter David Aebischer (2001/Colorado) und Martin Gerber (2006/Carolina) waren «nur» die Nummer zwei bei Stanley-Cup-Siegerteams. Rafael Diaz kam 2014 beim Finalverlierer New York Rangers im Final nicht zum Einsatz. Roman Josi steht nach zwei gewonnenen Spielen hintereinander noch zwei Siege vor dem Triumph, in der Serie steht es nun 2:2. Josi spielte dabei überragend.

Jeder Spieler des Siegerteams darf den Stanley-Cup nach Hause nehmen. NHL-Funktionäre bringen den Pokal an jeden gewünschten Ort auf der Welt. Josi weiss noch nicht, was er im Falle des Falles tun würde. Gefragt, wo die Party über die Bühne ginge, sagt er: «Ich darf darauf leider nicht antworten. Das würde schlechtes Karma bringen. Und ehrlich gesagt, wüsste ich tatsächlich nicht, was ich mit dem Stanley-Cup machen würde.» Er dürfte die Party wohl mit Yannick Weber (28) feiern, dem zweiten Final-Schweizer bei den Nashville Predators. Er war schon bei den SCB-Junioren Josis Teamkollege. Bei Nashville ist er in diesen Playoffs ein fleissiger defensiver Hilfsarbeiter (20 Spiele/1 Assist/11:02 Min. Eiszeit).

Mark Streit weiterhin nur Zuschauer

Noch keine Gedanken an eine Party muss sich Mark Streit (39) machen: Nur wenn er im Final mindestens einmal eingesetzt wird, kommt sein Name bei einem Triumph von Pittsburgh auf den Pokal. Bisher war er im Final lediglich Zuschauer. Er ist nicht gut genug für den Stanley-Cup-Final, Yannick Weber (575 000 Dollar Salär) aber schon: Das hätte sich Mark Streit (4,0 Millionen) nicht träumen lassen.

Stanley-Cup-Final

NHL-Eishockey. Playoffs (best of 7). 4. Runde: Nashville (mit Josi und Weber, ohne Fiala/verletzt) - Pittsburgh (ohne Streit/überzählig) 4:1; Stand 2:2. – Die fünfte Partie findet in der Nacht auf Freitag in Pittsburgh statt.


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