Ex-EVZler Leo Schumacher startet mit den ZSC Lions in den Playoff-Final

EISHOCKEY ⋅ Ein Rentner aus Zug hat unerwartet die grosse Hockey-Bühne betreten: Leo Schumacher (65) steht im Playoff-Final an der Bande der ZSC Lions. Heute (20.15/SRF 2) geht’s in Lugano los.
12. April 2018, 04:40

Klaus Zaugg

sport@luzernerzeitung.ch

Leo Schumacher? Er war in Zug bereits zu Beginn der 1980er-Jahre in der 1. Liga Assistent des Cheftrainers. Der «Feuerkopf» hat schon mehr über Eishockey wieder vergessen, als andere während einer ganzen Karriere in diesem Sport erlebt haben. Zug, Chur, Arosa, Bülach, SC Bern und von 2000 bis 2017 Elite-Juniorentrainer mit Kultstatus beim EV Zug.

Im letzten Sommer hat er die GCK Lions, das Farmteam der ZSC Lions, in der zweithöchsten Liga als Cheftrainer übernommen. Eine letzte, aber unspektakuläre Herausforderung. «Und jetzt stehe ich alter Löli im Playoff-Final.» Leo Schumacher ist als Assistent sozusagen der «Leibgardist» von ZSC-Bandengeneral Hans Kossmann (56). Schumacher erzählt, wie er zu diesem ehrenvollen Job gekommen ist. «Es waren nicht die ZSC Lions, die mich auf diesen Posten berufen haben. Es war Hans Kossmanns ganz persönlicher Wunsch. Er hat mich angerufen und gesagt, er könnte den Job als Cheftrainer beim ZSC haben. Aber er mache es nur, wenn ich als Assistent zusage. Ich dachte zuerst an einen Scherz und sagte: Na klar, mache ich das. Dann war es aber kein Scherz.» Aus dem Scherz ist längst Wirklichkeit geworden. Und so gilt für Leo Schumacher: Hier stehe ich an der Bande und kann nicht anders. Die GCK Lions wurden für den Rest der Saison vorübergehend von Assistent Michael Liniger übernommen. Nächste Saison wird Leo Schumacher wieder an die Bande des Farmteams zurückkehren.

Wie aber kommt Hans Kossmann auf die Idee, den Zuger zu seinem Freund und Helfer zu machen? Schumacher erzählt: «Wir kennen uns, seit er Anfang der 1980er-Jahre bei Küssnacht in der 1. Liga spielte. Ich war damals in Zug Andy Murrays Assistent, und wir waren überzeugt, dass Hans Kossmann eigentlich das Talent für die Nationalliga hätte. Wir haben ihn zwar letztlich nie in die Mannschaft geholt, aber seit dieser Zeit sind wir regelmässig im Kontakt geblieben.»

Die Temperamentsaus­brüche haben Kultstatus

Hans Kossmann hat dann zwischen 1990 und 1995 tatsächlich eine respektable NLB-Karriere bei Bülach, Rapperswil-Jona und Lausanne gemacht und in 231 NLB-Partien 209 Punkte erreicht. Wahrscheinlich war es so, dass damals der junge Leo und der wilde Hans im Ausgang durch die Innerschweizer Lokale rockten und rollten und ihre Freundschaft festigten? «Nein, nein, so war es nicht» sagt Schumacher. «Hans war nie ein Partylöwe. Er war eher introvertiert und zurückhaltend.»

Leo Schumacher hat für seine Temperamentsausbrüche Kultstatus erlangt. Tobt er jetzt auch in der ZSC-Kabine? «Nein, nein, ich sage gar nichts. Was soll ich alter Löli noch toben? Meine Aufgabe ist es, die Verteidiger zu coachen. Damit habe ich genug zu tun.»

Jalonen: «Es kann auf beide Seiten kippen»

Und so zieht Hans Kossmann mit seinem alten Kumpel Leo Schumacher ins grösste Abenteuer seiner Karriere. In eine Finalserie gegen den HC Lugano, die hitzig und ausgeglichen sein wird. Die weiseste Prognose kommt von SCB-Trainer Kari Jalonen. Er sagt, der Halbfinal gegen die Zürcher habe sehr gutes Hockey gebracht. Er sei zwar noch immer enttäuscht. Aber es sei grosses Hockey gewesen. Er werde nun den Final daheim in Finnland am Fernsehen verfolgen. «Meine Frau hat eine Lösung gefunden, wie wir in Finnland die Schweizer Spiele mit deutschem Kommentar sehen können.» Für den Final gelte das Gleiche wie schon für den Halbfinal zwischen Bern und den ZSC Lions. «Ich habe meinen Spielern schon oft gesagt: Wenn wir ein Butterbrot in die Luft werfen, dann können wir alles richtig machen und haben doch keinen Einfluss darauf, auf welcher Seite es am Boden landen wird. Mit der Butter nach unten oder nach oben. So ist es in derart ausgeglichenen Playoff-Serien. Es kann auf beide Seiten kippen.»

So banal. Und doch so weise. Eishockey ist eben ein unberechenbares Spiel auf einer rutschigen Unterlage. Erst recht in den Playoffs.

National League. Playoff-Final (best of 7). Spieldaten (Anspielzeit 20.15): Heute. – Samstag, 14. April. – Montag, 16. April. – Mittwoch, 18. April. – Eventuell Samstag, 21. April, Mittwoch, 25. April, und Freitag, 27. April.

Lugano (4.) – ZSC Lions (7.). Spiele in der Qualifikation: 6:1 (in Lugano), 1:4, 1:6 (in Zürich), 3:1 (in Lugano).

Weg der Finalisten. Lugano: 4:1 im Viertelfinal gegen Fribourg-Gottéron. 4:2 im Halbfinal gegen Biel. – ZSC Lions: 4:1 im Viertelfinal gegen Zug. 4:2 im Halbfinal gegen Bern.


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