Ist das neue Ambri-Stadion unnötig?

EISHOCKEY ⋅ Wann steht das neue Ambri-Stadion? Das spielt keine Rolle. Die Drohung der Liga, Ambri wegen der Stadionfrage die Lizenz zu entziehen, ist ein Bluff. Ambri kann notfalls noch jahrelang in der alten Valascia spielen.
11. August 2017, 08:10

Klaus Zaugg

Ambris grosser Vorsitzender ­Filippo Lombardi sagte im Rahmen der traditionellen Präsentation der Mannschaft am 30. Juli: «Es ist mein Herzenswunsch, noch diese Saison mit dem Bau zu beginnen.» Nun, Ambris Präsident hatte schon viele Herzenswünsche rund um Ambri und seine politische Karriere. Nicht alle sind in Erfüllung gegangen.

Die Geschichte um die kul­tige Arena «Valascia» und einen Stadionneubau ist eine unendliche. Sie hat vor mehr als zehn ­Jahren begonnen. Während der Saison 2004/05 gibt es das erste konkrete Projekt. Die «Valascia» sollte bis 2008 für 9 Millionen ­renoviert werden. Das Projekt scheiterte jedoch am Geld. Ambri ist Besitzer der Arena und hat zu viele Bankschulden.

Im Rahmen der Generalversammlung 2005 wurde dann zum ersten Mal ein Neubau durch eine Immobilien-AG thematisiert. Der damalige Präsident Gian Paolo Grassi skizzierte die Idee eines neuen Stadions auf dem ehemaligen Militärflugplatz. Kostenrahmen: etwas mehr als 20 Millionen. Dann kehrte für vier Jahre Ruhe ein.

Eine Arena mit 7000 Plätzen für 50 Millionen

2009 wird schliesslich die «Strategie 2014» vorgestellt. Nun kommt zum ersten Mal die Liga ins Spiel. Bis 2015 müsse die alte Valascia komplett saniert werden oder ein neues Stadion stehen. Sonst gebe es keine Lizenz und kein NLA-Hockey mehr. Am 21. Dezember 2010 wird ein Baugesuch für die Renovation auf Geheiss von Bundesbern offiziell abgelehnt. Eine Studie des Instituts für Schnee- und Lawinenforschung Davos ortet die Valascia in der Lawinen-Gefahrenzone. Es darf nicht mehr investiert werden. Nun ist klar: Es gibt in Ambri nur mit einem Neubau weiterhin NLA-Eishockey.

Inzwischen steht das vom Stararchitekten Mario Botta entworfene Projekt für eine Arena mit rund 7000 Plätzen für rund 50 Millionen. Die Finanzierung ist allerdings noch nicht gesichert. Doch die Zeit drängt. Liga-Geschäftsführer Denis Vaucher bestätigt: «Bis im Frühjahr 2018 müssen die Bagger auffahren. Ansonsten ist die Erteilung der Lizenz gefährdet. Mehr kann ich dazu nicht sagen.» Die Drohung, spätestens 2018 müsse mit dem Bau begonnen werden, sonst werde die Lizenz entzogen und Ambri verliere den Platz in der höchsten Liga, begleitet das ganze Projekt wie das Glockengeläut die Kuhherde bei der Alpabfahrt.

Dabei ist die ganze Lizenzfrage reiner Bluff. Unter dem siebenfachen Siegel der Anonymität bestätigt ein hoher Hockey-Würdenträger: «Wir haben gar keine Möglichkeit, Ambri durch eine Lizenzverweigerung aus der Liga auszuschliessen. Solange die Valascia die behördlichen Auflagen, wie Feuerpolizei und Sicherheit, erfüllen, kann dort NLA-Eishockey gespielt werden – ausser die Liga-Versammlung würde einen gegenteiligen Entscheid fällen.» Aber: Erstens ist Mehrheit für die Versenkung Ambris nicht realistisch, und zweitens würde jedes staatliche Gericht einen solchen Entscheid in der Luft zerreissen.

Sollte also Filippo Lombardis Herzenswunsch in diesem Jahr noch nicht in Erfüllung gehen, ist das kein Problem. Der Entscheid, ob die Valascia für die höchste Liga tauglich ist, fällt nicht in den Liga-Büros in Zürich. Der Entscheid obliegt den kantonalen und eidgenössischen Behörden. Und mit denen pflegt der Ständerat Lombardi allerbestes Einvernehmen. Kein Schelm, wer sagt, Ambri könne dank Lombardi notfalls noch jahrelang in der alten Valascia spielen.


Leserkommentare

Anzeige: