Schneeregen, eine flache Bank und gutes Eis

PLAYOFF-FINAL ⋅ Der seit 2006 titellose HC Lugano ist im Playoff-Final bereits unter Druck. Nach einem überraschend harmlosen Auftritt vor ihren Tifosi liegen die Bianconeri gegen die ZSC Lions 0:1 zurück.
13. April 2018, 11:46

Der ZSC-Captain Patrick Geering bleibt trotz des perfekten Auftakts vorsichtig. Der überraschenden Ruhe nach dem vorerst ausgebliebenen Sturm in der Resega traut er nicht: "Das war noch nicht das wahre Gesicht von Lugano." Er rechnet mit einer kräftigen Reaktion der Enttäuschten. "Sie werden sich auch sagen: So geht es nicht!", vermutet Geering.

Der erste Akt in der Klassiker-Serie verlief in der Tat nicht nach dem Gusto der Südschweizer. Sie wirkten schüchtern, die restlose Überzeugungskraft fehlte, die Lions in einen ungemütlichen Abend verwickeln zu wollen. Was Lugano bot, war alles andere als grande, sondern viel eher blass und enttäuschend durchschaubar. Der SC Bern hatte dem ZSC im Halbfinal bei der Ouvertüre bedeutend mehr Widerstand geleistet.

Draussen peitschte der Schneeregen auf das Stadiondach, im Rink hingegen blies lediglich ein laues Lüftchen. Luganos Abwehrchef Philipp Furrer gab in seiner Analyse des Fehlstarts ohne Umschweife zu: "Heute spürte ich die Energie noch nicht so." Von einer "flachen Bank" war die Rede, davon, die Emotionen nicht aufs Eis gebracht zu haben. Zürich habe im "guten Eis" nicht viel zugelassen, bilanzierten die weitgehend ratlosen Verlierer unisono.

"Ein paar Prozente fehlten", gestand Maxim Lapierre ein. Auch der Topskorer Luganos kam angesichts des Zürcher Pressings nicht dazu, sein übliches Repertoire einzubringen. Die Luft war generell zu dünn für verbale Konfrontationen. Erst im Nachgang fand der Kanadier Zeit für ein paar relativierende PR-Botschaften in Tessiner Sache: "Ich glaube nicht an einen Heimvorteil. Wir können auch in Zürich gewinnen. Das Eisfeld ist gleich gross, der Puck ist derselbe."

Die in der eigenen Zone nahezu perfekt organisierten Lions verschafften sich bei erster Gelegenheit das erhoffte Break. Sie demonstrierten dabei eindrücklich ihre imposante Spannweite im personellen Bereich. Den Rekordmann Mathias Seger liess Hans Kossmann pausieren, Edelreservist Inti Pestoni bekam ein paar Minuten Spielpraxis. Und für den entscheidenden Input sorgte einmal mehr die vierte Linie um Matchwinner Mike Künzle.

Kossmann managt das für Schweizer Verhältnisse nahezu in jedem Block erstklassig besetzte Ensemble smart. Jeder erhält die Chance, Leadership zu übernehmen. Der Kanada-Schweizer liest die Mannschaft hervorragend. Seine Handschrift ist unübersehbar. "Ich sehe klare Strukturen, klare Rollenverteilungen, klare Anweisungen und klare Aufträge", lobt CEO Peter Zahner den Taktgeber hinter der Bande. (sda)


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