Dank Zuger Kirsch auf Rang zwei

WM 2017 ⋅ Endlich genug Kirsch in der WM-Torte. Im bisher besten Spiel gewinnt die Schweiz gegen Tschechien 3:1 und trifft im Viertelfinal auf Schweden.
Aktualisiert: 
16.05.2017, 19:58
16. Mai 2017, 11:08

Klaus Zaugg, Paris

sport@luzernerzeitung.ch

Was fehlte den Schweizern bisher zum perfekten Spiel? Zum Thurgauer Apfelwein (mit Fabrice Herzog) eine Prise Zuger Kirsch. Erst sassen die Zuger Dominik Schlumpf und Reto Suri auf der Tribüne, später auch für eine Partie der Ex-Zuger Damien Brunner. Und Rafael Diaz hatte vor dieser letzten Vorrundenpartie als Einziger eine Minusbilanz (–1).

Und nun, mit Zuger Kirsch in der WM-Tore, das beste, das perfekte Spiel. Rafael Diaz, so gut wie noch nie in Paris und an der blauen Linie der Architekt des ersten Treffers. Der brave Dominik Schlumpf in seiner ersten WM-Partie, ein verlässlicher defensiver Schwerarbeiter mit mehr Eiszeit (20:17 Min.) als Captain Diaz (17:40 Min.). Vorne erzielen Reto Suri und Damien Brunner die Treffer zum 2:1 und zum 3:1. Vier, die entweder am Anfang überzählig waren (Schlumpf, Suri, Schlegel) oder zwischendurch auf die Tribüne mussten (Brunner), sind nun die Leitwölfe im bisher besten Spiel.

Ein Hinweis auf die ganz grosse Stärke von Nationaltrainer Patrick Fischer: Er ist ein charismatischer Kommunikator («Cheerleader»), der es versteht, die Spieler für sich zu gewinnen, zu begeistern und zu einer Einheit zusammenzuschweissen – eine Qualität, die seine taktischen Schwächen bei weitem aufwiegt. Taktische Schwächen? Auch davon war nun erstmals gar nichts mehr zu sehen. Das letzte Drittel gegen Tschechien war taktisch das beste des Turniers. Die Arbeit von Taktiklehrer Tommy Albelin trägt langsam, aber sicher Früchte.

Niklas Schlegel überzeugt im Tor

Reto Suri rühmt, wie alle anderen auch, erst einmal die Leistung von Niklas Schlegel. Der ZSC-Goalie hat in seiner ersten WM-Partie gleich den Sieg gegen einen Titanen herausgehext. Reto Suri sagt: «Dass er zum Zuge kommt und gleich eine solche Leistung erbringt, zeigt, wie gut die Stimmung ist. Jeder akzeptiert die Rolle, die ihm zugewiesen wird.» Das gelte auch für ihn. «Ich war sicher nicht glücklich, dass ich am Anfang nicht spielen durfte. Aber ich habe alles getan, um bereit zu sein, wenn ich meine Chance bekomme.» Er fühle sich sehr gut, und es sei ihm gelungen, Energie und Tempo ins Spiel zu tragen. «Wir haben als Mannschaft im Laufe des Turniers etwas aufgebaut. Nach dem Startspiel sind wir erst einmal abgeschrieben worden, nach der Niederlage gegen Frankreich erst recht.» Schon deshalb sei ein Vergleich mit der Silber-WM von 2013 nicht möglich. «Dort sind wir ja mit neun Siegen hintereinander bis in den Final durchgelaufen.» Schliesslich verschwindet Reto Suri als Letzter in die Kabine. Weil er von allen am meisten Interviews zu geben hatte.

Dominik Schlumpf blieb nach einer grossen Leistung leise, freundlich und bescheiden – so, wie es seine Art ist. Und er sagte: «Ich bin froh, dass ich meinen Beitrag zu diesem Spiel leisten konnte.» Rafael Diaz assistierte zum 1:0 und war beim 3:1 im Einsatz. Das Minus in der Statistik ist weg, er hat nun eine Plus­bilanz (+1). «Aber das spielt nun wirklich keine Rolle. Wir sind eine Mannschaft, und ich habe noch gar nicht an meine Statistik gedacht.» Auch der Captain rühmt die gute Stimmung im Team – und die taktischen Fortschritte. «Wir stehen in unserer Zone sehr gut, behalten kühlen Kopf und spielen einfach. Nun müssen wir den Schwung in den Viertelfinal mitnehmen.» Auch Damien Brunner rühmte erst einmal Niklas Schegel und freute sich über sein 3:1. Wegen mangelnder Leistung wurde er auf die Tribüne geschickt, und jetzt ist er zurück als Torschütze. Ein starkes Comeback. Hatte er sich bei Patrick Fischer über die Zurückversetzung beschwert? «Sicher nicht. Wenn ich in meiner Zeit in Nordamerika etwas gelernt habe, dann das Akzeptieren jeder Rolle.» Das ist eine der grossen Qualitäten dieser Mannschaft: Jeder akzeptiert die Rolle, die ihm zugewiesen wird.

Tschechien – Schweiz 1:3 (0:1, 1:1, 0:1)

Paris. – 4531 Zuschauer. – SR Kubus/Linde (SVK/SWE), Dedjulja/Sormunen (BLR/FIN). – Tore: 2. Praplan (Diaz) 0:1. 29. Suri (Kukan, Schlumpf) 0:2. 35. Cervenka (Pastrnak, Sulak) 1:2. 53. Brunner (Richard, Loeffel) 1:3. – Strafen: 1-mal 2 Minuten gegen Tschechien, 3-mal 2 Minuten gegen die Schweiz.

Tschechien: Mrazek; Gudas, Simek; Jerabek, Krejcik; Rutta, Kempny; Kundratek, Sulak; Voracek, Plekanec, Sobotka; Pastrnak, Kovar, Cervenka; Repik, Vrana, Birner; Horak, Hanzl, Zohorna.

Schweiz: Schlegel; Loeffel, Genazzi; Schlumpf, Kukan; Diaz, Marti; Brunner, Richard, Bodenmann; Ambühl, Malgin, Herzog; Praplan, Haas, Suri; Schäppi, Suter, Rüfenacht.

Bemerkungen: Schweiz ohne Furrer, Untersander, Hiller (alle verletzt), Hollenstein, Almond (beide geschont) und Genoni (Ersatztorhüter). Tschechien ab 58:43 ohne Torhüter. – Schüsse: Tschechien 24 (3–10–11); Schweiz 21 (8–7–6). – Powerplay-Ausbeute: Tschechien 0/3; Schweiz 0/1.

  • KEYSTONE
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Die besten Bilder des letzten Gruppenspiels der Schweizer Eishockey-Nati an der WM in Paris. Mit dem Sieg sichert sich die Schweiz in der Gruppe B den zweiten Rang.

Video: Schweiz - Tschechien: die Highlights

Die Schweizer Eishockey-Nati schlägt Tschechien 3:1 und trifft im Viertelfinal auf Schweden. (Youtube / IIHF Worlds 2017, 16.05.2017)




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