Das alljährliche WM-Spektakel

EISHOCKEY ⋅ Halbzeit bei der 81. Weltmeisterschaft in Paris und Köln – und die Fans kamen bisher voll auf ihre Rechnung. Die NHL-Stars fehlen zwar, aber das schadet der Qualität keineswegs.
14. Mai 2017, 04:38

Klaus Zaugg, Paris

Wie wichtig ist das Resultat? Nun, die Eishockey-Weltmeisterschaft dürfte mit ziemlicher Sicherheit das einzige Titelturnier im Mannschaftssport sein, das nicht alleine von Sieg und Niederlage lebt. Dies mag damit zusammenhängen, dass jedes Jahr und nicht bloss alle vier Jahre (wie im Fussball) um Titel, Ruhm und Ehre gespielt wird. Eine verpasste Chance kommt bald wieder. Weltmeisterlicher Ruhm ist schnell verblasst. Eine Schmach aber auch zügig vergessen. Nach einem Abstieg gelingt meist im Jahr darauf bereits wieder die Rückkehr.

René Fasel, als Präsident des Internationalen Verbandes (IIHF) der Schirmherr der laufenden WM in Paris und Köln, pflegt zu sagen: «Wir zelebrieren bei der WM jedes Jahr das Eishockey.» Er bringt es auf den Punkt. Eishockey wird während einer WM tatsächlich auf und neben dem Eis zelebriert. Ein Wort, das nicht nur für Jubeln und Rocken und Ausflippen steht. Sondern auch dafür, etwas festlich zu begehen. Die Fans der verschiedenen Nationalmannschaften sind friedlich und freundlich. Oft feiern sie gemeinsam. Das Spiel auf dem Eis ist oft spektakulärer und offener und ein bisschen weniger taktisch als in den entscheidenden Phasen der nationalen Meisterschaften. Bei guten Nationalteams besteht auch die vierte Linie aus Spielern, die in einer Klubmannschaft im ersten Sturm zum Zuge kommen würden. Wenn alle talentiert sind, wird das Spiel schneller, besser, spektakulärer und unterhaltsamer.

Dass die Besten aus der nordamerikanischen National Hockey League (NHL) nicht dabei sind, weil sie noch für die Playoffs um den Stanley Cup gebraucht werden, schadet der Qualität des Spiels nicht. Die Besten aus den übrigen Ligen sind zwar oft nicht rau und gross und kräftig genug für die NHL – aber sie sind schneller, flinker und schlauer als so mancher NHL-Star. Typisches WM-Hockey wird oft spielerisch zelebriert und eher selten gearbeitet.

Einen ganz eigenen Charme haben die Partien der Franzosen in Paris. Wer gut hinhört, kann im Stadion den wunderschönen Gesang eines exotischen Vogels hören. Woher? Welcher Vogel? Gar eine Nachtigall? Nun, der Vater von Frankreichs Verteidiger Antonin Manavian stammt aus Armenien und ist ein begabter Imitator von Vogelstimmen. So signalisiert er jeweils seinem Sohn unten auf dem Eis seine Präsenz im Stadion. Es gibt eine alte Redensart für eine schwierige Herausforderung: Es werde dann ein anderer Vogel pfeifen. So war es. Den Schweizern hat gegen Frankreich letzte Woche bei der dramatischen Niederlage (3:4 n. P.) ja tatsächlich «ein anderer Vogel gepfiffen».


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