Ex-Zuger Fabrice Herzog als Shootingstar

EISHOCKEY ⋅ Er erobert in Paris die Hockeywelt: Fabrice Herzog (22). Die Chancen auf eine NHL-Karriere sind für den ehemaligen Zuger sprunghaft gestiegen.
16. Mai 2017, 07:47

Klaus Zaugg, Paris

sport@luzernerzeitung.ch

 

Zwei Tore beim Sensationssieg gegen Kanada sowie ein Tor gegen Finnland: Der Thurgauer Fabrice Herzog (22) ist derzeit in aller Munde. Dabei hatte es Herzog in dieser Saison nicht leicht. Bei den ZSC Lions wurde ihm keine zentrale Rolle gewährt. Meistens stürmte er in der dritten Formation neben Reto Schäppi und Ronalds Kenins. In dieser «Traktorenlinie» war er ein verlorener Künstler unter Handwerkern. Wie wenn Giovanni Segantini Wände streichen sollte. 11 Tore und 12 Assists aus 50 Spielen sind für einen Spieler mit seinem Potenzial eigentlich viel zu wenig. Es gehört zu seiner bisherigen Karriere, dass er immer wieder unterschätzt worden ist.

Auch von Zugs Sportchef Reto Kläy. Zu spät erkannte er das enorme Potenzial dieses Stürmers, der bei Zugs Elitejunioren den letzten Schliff für die NLA bekommen hatte. Herzog wechselte 2015 zu den ZSC Lions. Und er hat auch diese WM als offensive «Randfigur» begonnen. Kaum jemand interessierte sich für ihn. Inzwischen muss Verbandsmediengeneral Janos Kick die Journalisten zu einem «Scrum» formieren, weil sich so viele mit Fabrice Herzog unterhalten wollen. «Scrum» heisst Gedränge.

Bleibt immer ruhig und bescheiden

Vielleicht hätte es der Frauenfelder leichter, wenn er ein charismatischer, fordernder, lauter Typ wäre. Aber er ist freundlich, bescheiden, leise in der Art und stark in der Tat. Aber dem jungen Familienvater käme es nicht in den Sinn, sich über seine Situation zu beklagen. Die Leistung soll zählen, und sonst nichts. Das mag der langsamere, der mühsamere Weg nach oben sein, aber am Ende des Tages wird er so weiterkommen. So wie bei dieser WM. Er hat geduldig auf seine Chance gewartet und sie genützt. Die drei Treffer waren nicht Tore als Produkt von schierer Wucht und Kraft und offensiver Gewalt oder eines abprallenden Pucks. Es waren Kunstwerke in Entstehung und Vollendung. Kunstschüsse.

Fabrice Herzog ist ein bescheidener junger Mann. Wenn er sagt, der Halbfinal, ja sogar der Final sei bei dieser WM möglich, dann wirken diese Worte. Weil er daran glaubt und nicht einfach Optimismus daherredet.

Noch läuft sein Vertrag mit den ZSC Lions bis 2019. «Aber ich habe eine Ausstiegsklausel für die NHL.» Eine solche Klausel lässt sich heute jeder Junior in den Vertrag schreiben. Bei Herzog macht diese Klausel aber sehr wohl Sinn. Er hat schon einmal eine «Ehrenrunde» in Nordamerika gemacht und sich auf höchster Juniorenstufe bei den Québec Remparts bewährt (2013/14). Er zog dieses Lehrjahr einer Saison in der Schweiz vor. «Weil es für meine Weiterentwicklung besser war.» Die Toronto Maple Leafs haben sich im Draft von 2013 die Rechte am Nationalstürmer gesichert, und die ZSC Lions pflegen eine intensive Zusammenarbeit mit dem kanadischen Traditionsklub. Herzog sagt, die NHL sei sein grosses Ziel – und es ist ein realistisches Ziel. Möglich, dass er schon im Herbst eine Einladung ins NHL-Trainingscamp bekommen wird. Die drei Tore waren allerbeste Eigenwerbung und sind von den NHL-Generälen sehr wohl registriert worden.


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