Finnland im Powerplay stärker als die Schweiz

EISHOCKEY ⋅ Die Schweiz hat an der WM in Paris das Spiel gegen Finnland nach einer 2:0-Führung mit 2:3 nach Verlängerung verloren. Dank dem Punktgewinn stehen die Viertelfinal-Chancen aber sehr gut.
15. Mai 2017, 07:34

Klaus Zaugg, Paris

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Nicht nur das Resultat gegen Finnland (2:3-Niederlage nach Verlängerung) ist umgekehrt wie am Vortag gegen Kanada (3:2 Sieg nach Verlängerung). Auch der Spielverlauf war es.

Die Schweizer führten 2:0. Die Finnen wechselten den Torhüter und dominierten immer stärker. Trotzdem wäre es möglich gewesen, die Partie bei den zahlreichen schnellen Gegenstössen zu entscheiden. Unter anderem verpasste Vincent Praplan das 3:1. «Diese vergebene Chance muss mich ärgern. Der Puck hätte drin sein müssen. Aber immerhin bin ich zu Chancen gekommen», sagte Praplan nach der Schlusssirene.

Letztlich ging das Spiel im Powerplay verloren. Kein Tor in Überzahl erzielt, aber zwei kassiert – das ist die Bilanz der Schweizer im Spiel gegen die Finnen.

Die Dramatik könnte wahrlich grösser nicht sein. Im ersten Spiel gegen Absteiger Slowenien brachten die Schweizer eine 4:0-Führung nicht über die Zeit (5:4-Sieg nach Penaltyschiessen). Aber mit Punktgewinnen gegen die beiden Vorjahresfinalisten Kanada und Finnland haben sie sich praktisch in die Viertelfinals gespielt. Wenn Kanada heute gegen Norwegen gewinnt, ist die Schweiz sogar «kampflos» erstmals seit 2015 wieder unter den ersten acht.

Brunner nur auf der Tribüne

Es gibt auch dramatische Entwicklungen innerhalb der Mannschaft. In den beiden Partien gegen Kanada und gegen Finnland hat die Schweiz in zwei Tagen Aufstieg und Fall von zwei ehemaligen Zugern erlebt. Fabrice Herzog (22) und Damien Brunner (31) haben die Rollen getauscht. Herzog ist vom überzähligen Stürmer zum offensiven Leitwolf aufgestiegen, Brunner musste die Degradierung zum Hinterbänkler hinnehmen. Gestern sass er während des Spiels gegen Finnland erstmals im Rahmen einer Weltmeisterschaft auf der Tribüne. Die erste Partie gegen Slowenien hatte er mit dem einzigen verwerteten Penalty entscheiden. Da spielte er noch die erste Geige mit 27 Einsätzen und mehr als einer Viertelstunde Eiszeit (15:34). Fabrice Herzog war ein Hinterbänkler mit 6 Einsätzen (4:44).

Was ist da passiert? Der 22-jährige Patrice Herzog hat schon mehr von der Hockeywelt gesehen als ein Durchschnittsspieler während einer Karriere. Aus der Ostschweiz heraus über Zug, Quebec City, Toronto und Zürich nach Paris: Noch läuft sein Vertrag mit den ZSC Lions bis 2019. Doch die Chancen, dass sein NHL-Traum in Erfüllung gehen wird, sind klar gestiegen. Zwei Tore gegen Kanada, das 1:0 gegen Finnland. Es gibt keine bessere Eigenwerbung als Treffer gegen eine kanadische NHL-Auswahl. Selbst René Fasel, als IIHF-Vorsitzender der Neutralität verpflichtet, war begeistert: «Unglaublich, wie er diese Tore gegen Kanada gemacht hat.»

Herzog spielte bei den ZSC Lions keine zentrale Rolle

Bei den ZSC Lions spielte Fabrice Herzog diese Saison keine zentrale Rolle. Wahrscheinlich hätte er bei jedem anderen NLA-Team mehr Eiszeit und Bedeutung. Aber in Zürich ist er näher an der NHL. Die ZSC Lions unterhalten eine Partnerschaft mit Toronto, dem Klub, der die Rechte an Herzog hält. In Zürich ist jedoch der Konkurrenzkampf um die Plätze in der Offensive härter als bei jedem anderen NLA-Team.

Damien Brunner ist hingegen in Lugano keinem echten internen Konkurrenzkampf ausgesetzt. Sein Abstieg zum Ersatzspieler von Paris steht im Gegensatz zur Schlüsselrolle, die er in Lugano immer noch innehat. Obwohl er nach seinem Wechsel aus der NHL in Lugano auch wegen Verletzungspech nicht jene tragende Rolle zu spielen vermag, die von ihm erwartet und für die er bezahlt wird. Er ist der bestbezahlte Schweizer Stürmer in der NLA.

In Paris hat der internationale Ruhm von Patrice Herzog begonnen. In Paris ist dieser Ruhm für Damien Brunner verblasst.

Schweiz – Finnland 2:3 (2:1, 0:0, 0:1, 0:1) n. V.

Paris. – 10 860 Zuschauer. – SR Gofman/Öhlund (RUS/SWE), Dedjulja/Suchanek (BLR/CZE).

Tore: 5. Herzog (Richard, Untersander) 1:0. 11. Genazzi (Loeffel) 2:0. 20. (19:01) Hietanen (Savinainen, Aho/Ausschluss Ambühl) 2:1. 48. Rantanen (Ville Lajunen, Aho/Ausschluss Diaz) 2:2. 63. Filppula (Savinainen, Hietanen) 2:3.

Strafen: 5-mal 2 plus 10 Minuten (Ambühl) gegen die Schweiz, 6-mal 2 Minuten gegen Finnland.

Schweiz: Genoni; Diaz, Furrer; Untersander, Kukan; Loeffel, Genazzi; Marti; Praplan, Haas, Hollenstein; Rüfenacht, Almond, Schäppi; Ambühl, Malgin, Suter; Herzog, Richard, Bodenmann; Suri.

Finnland: Korpisalo/Säteri (ab 11.); Honka, Ohtamaa; Jaakola, Ville Lajunen; Hietanen, Lehtonen; Kukkonen, Järvinen; Hännikäinen, Jani Lajunen, Osala; Aho, Filppula, Rantanen; Pyörälä, Kemppainen, Aaltonen; Pihlström, Sallinen, Savinainen.

Bemerkungen: Schweiz ohne Hiller (angeschlagen) Schlumpf, Brunner (beide überzählig) und Schlegel (Ersatzgoalie). – Furrer zu Beginn des zweiten Drittels ausgeschieden. – 62. Pfostenschuss Rantanen. –Schweiz 27 (13-8-6-0); Finnland 27 (4-13-9-1). – Powerplay-Ausbeute: Schweiz 0/4; Finnland 2/4.

Video: Schweiz - Finnland: die Highlights

Das Schweizer Nationalteam hat an der WM in Paris das Spiel gegen Finnland nach einer 2:0-Führung noch mit 2:3 nach Verlängerung verloren. Dank dem Punktgewinn stehen die Schweizer aber dennoch vor dem Einzug in die Viertelfinals. (Youtube / IIHF Worlds 2017, 15.05.2017)




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