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Achter Champions-League-Final für Juventus

CHAMPIONS LEAGUE ⋅ Juventus Turin mit Stephan Lichtsteiner steht im Final der Champions League. Den Italienern genügt nach dem 2:1 im Hinspiel bei Real Madrid ein 1:1. Final-Gegner ist der FC Barcelona.

Die Geschichte ist nicht frei von Ironie. Zwei der drei Tore von Juventus in den Halbfinals schoss der Spanier Alvaro Morata. Der Stürmer war im vergangenen Sommer für knapp 20 Millionen Euro von Real Madrid übernommen worden. Und es gibt bereits Gerüchte, wonach Real den 22-Jährigen auf die nächste Saison hin für die doppele Summe zurückholen möchte.

Doch das ist die fernere Zukunft. Die nähere führt Morata am 6. Juni zum Champions-League-Final nach Berlin. Denn er war es, der in der 57. Minute beim ersten gefährlichen Abschluss der Turiner auf das Tor von Real-Keeper Iker Casillas zum 1:1 traf. Der Franzose Paul Pogba, der unübersehbar nicht fit war und dem sonst wenig gelang, hatte den Ball zuvor mit dem Kopf auf Morata zurückgelegt.

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Juventus Turin mit Stephan Lichtsteiner steht erstmals seit 2003 im Final der Champions League.

Die Juve hatte also nicht viele Chancen in diesem Spiel. Aber die Italiener spielten sehr routiniert und geschickt. Sie warteten nach dem Rückstand - Cristiano Ronaldo hatte nach 23 Minuten einen Foulpenalty verwertet - ruhig zu, bis sich ihnen die Gelegenheit bot. Sie spielten defensiv, aber nie destruktiv. Sie kamen früh zu einigen Cornern und hatten bis weit in die zweite Halbzeit hinein sogar mehr Ballbesitz als Real, obwohl ihre Strategen Pogba und Andrea Pirlo enttäuschende Leistungen zeigten.

Der Schweizer Stephan Lichtsteiner passte mit seinem Auftritt ins Bild, welches das gesamte Team abgab. Er suchte weniger oft die Offensive als gewohnt, spielte vor allem mit kühlem Kopf und minimierte das Risiko - immer mit einem wachsamen Auge auf Cristiano Ronaldo. Nun steht er als fünfter Schweizer nach Stéphane Chapuisat (Borussia Dortmund/1997), Ciriaco Sforza (Bayern München/2001), Philippe Senderos (Arsenal/2006) und Xherdan Shaqiri (Bayern München/2013) in einem Champions-League-Final.

Real Madrid war über die gesamten 180 Minuten nicht unbedingt das schlechtere Team. Vor allem in der ersten Halbzeit des Rückspiels kam der Titelverteidiger zu einer Vielzahl von Chancen, und nur einige glänzende Aktionen von Juventus-Torhüter Gigi Buffon verhinderten vor und nach dem Madrider Führungstor weitere Treffer von Ronaldo, Karim Benzema, Gareth Bale und Co.

Nachdem Juventus den Ausgleich erzielt hatte, kam Bale nochmals zu zwei guten Möglichkeiten (63./72.), doch beim verzweifelten Schlussspurt von Real schaute nichts Zählbares mehr heraus. Buffon musste nicht mehr entscheidend eingreifen. So schaffte es auch Real Madrid nicht, den Titel der Champions League erfolgreich zu verteidigen. Letztmals ist dies Milan 1990 gelungen. Damals hiess der Wettbewerb noch Meistercup.

Real wird somit ohne Titel aus dieser Saison gehen. Im Cup ist man schon Anfang Januar an Stadtrivale Atletico gescheitert. In der Meisterschaft beträgt der Rückstand auf Leader FC Barcelona zwei Runden vor dem Ende vier Punkte. Damit wird die Kritik an Trainer Carlo Ancelotti ins Exzessive hineingehen - und wohl das Ende der Zeit des Italieners in Madrid besiegeln.

Das Telegramm:

Real Madrid - Juventus Turin 1:1 (1:0)

78'000 Zuschauer. - SR Eriksson (Sd). - Tore: 23. Ronaldo (Foulpenalty) 1:0. 57. Morata 1:1.

Real Madrid: Casillas; Carvajal, Ramos, Varane, Marcelo; Rodriguez, Kroos, Isco; Bale, Benzema (67. Hernandez), Ronaldo.

Juventus Turin: Buffon; Lichtsteiner, Bonucci, Chiellini, Evra; Pogba (89. Pereyra), Pirlo (79. Barzagli), Marchisio; Vidal; Tevez, Morata (84. Llorente).

Bemerkungen: Real Madrid ohne Modric (verletzt) und Khedira (nicht im Aufgebot), Juventus Turin ohne Caceres (verletzt). Verwarnungen: 32. Isco (Foul). 44. Rodriguez (Unsportlichkeit). 70. Tevez (Foul). 77. Lichtsteiner (Reklamieren). (Si)

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