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Granit Xhakas Weg an die Spitze

FEUSISBERG ⋅ Granit Xhaka hat sich in der Bundesliga an der erweiterten Spitze als Leader etabliert. Der 22-jährige Regisseur von Borussia Mönchengladbach will seinen positiven Einfluss auch im Nationalteam ausdehnen.

Sven Schoch (si), Feusisberg

Der fabelhafte 2:0-Triumph in München gegen die Bayern war nur einer von zahllosen Höhepunkten Xhakas in den letzten Monaten mit dem Verein. Mönchengladbach peilt auf allen Ebenen Rekordwerte an. Die Equipe von Lucien Favre hat sich acht Runden vor Schluss in der Champions-League-Zone positioniert. Mit dem Coup in der Allianz-Arena produzierte die Borussia europaweit Schlagzeilen.

«Die Art und Weise, wie wir die Bayern besiegt haben, ist für mich speziell. Sie kamen praktisch zu keinen Chancen.» Xhaka kostet den Moment aus. Er weiss, wie viel Arbeit und Akribie hinter der imposanten «Fohlen-Story» steckt. Favre verlangt von seinen Spielern nicht nur in taktischer Hinsicht enorm viel. «Unser Laufpensum ist gewaltig», sagt Xhaka. Er kennt die Fakten: «128 Kilometer waren es in München.»

Im zentralen Mittelfeld bewältigt er zusammen mit Weltmeister Christoph Kramer Woche für Woche in 90 Minuten mehr als eine halbe Marathondistanz. Wenn der Schweizer für sich in Anspruch nimmt, in der Bundesliga mehr Aufwand zu betreiben als mancher Konkurrent, übertreibt Xhaka nicht. In seinen 22 Einsätzen kommt er auf 263,76 Kilometer - 44,8 mehr als beispielsweise der spanische Bayern-Star Xabi Alonso.

Hitzfelds Ritterschlag

Xhakas Einfluss ist nicht nur anhand von technischen Daten eruierbar. Der 22-Jährige mit dem Fundus von 72 Bundesliga-Partien ist in der Zentrale der Borussia zum Leader aufgestiegen. Er besitzt die Ausstrahlung und Präsenz eines unerschrockenen Antreibers. Was ihm in seiner ersten, mehrheitlich schwierigen Saison negativ ausgelegt worden ist, spricht nun für ihn: sein unerschütterliches Selbstbewusstsein, sein Mut, Defizite beim Namen zu nennen.

Am 27. März bestreitet die Schweizer Fussball-Nationalmannschaft das EM-Qualifikation-Spiel gegen Estland. Am Montag rückten die Nati-Stars in Feusisberg ein.

«Die Akzeptanz ist gestiegen, die Mitspieler nehmen meine Inputs an. Ich habe meine Rolle gefunden - vielleicht haben mir die Lektionen im ersten Jahr gutgetan. Ich wäre jetzt wohl nicht am gleichen Punkt.» Xhaka hat die Erziehungsmassnahmen Favres nicht vergessen. Der Coach setzte das zu Beginn (zu) forsche Talent zur Besinnung wochenlang auf die Ersatzbank.

«Zu Recht, weil ich teilweise meine Leistung schlicht nicht gebracht habe», denkt Xhaka mit zeitlichem Abstand. «Aber wichtig war, dass ich wieder aufgestanden bin.» Inzwischen ist Xhaka für Favre unverzichtbar. Der Schweizer Trainer-Maestro schätzt das erstklassige Spielverständnis des Baslers: «Er kann das Tempo sehr gut variieren und spürt den Fussball.»

Auch der frühere Nationalcoach und Bayern-Intimus Ottmar Hitzfeld ist von der Entwicklung jenes Spielers angetan, den er im Juni 2011 im Wembley in der SFV-Auswahl debütieren liess: «Granit war immer ein Führungsspieler, der viel leistet. Ihm traue ich alles zu, seine Veranlagung ist beeindruckend. Er könnte problemlos beim FC Bayern spielen, weil er neben seiner unbestrittenen Klasse am Ball über die nötige mentale Stärke verfügt, und zwar frei von Allüren.»

Hitzfelds Einschätzung rührt den Borussia-Hoffnungsträger: «Das von einer solchen Persönlichkeit zu hören, ist für mich ein riesiges Kompliment. Er kennt die Bayern wie kein Zweiter.» Mit einem nächsten möglichen Karriereschritt befasse er sich gleichwohl nicht: «Ich habe noch viel vor mit Mönchengladbach.» Dass die «Bild-Zeitung» kürzlich veröffentlichte, sein bis 2019 verlängerter Vertrag beinhalte eine Ausstiegsklausel, ist für ihn kein Thema.

Das Gespräch mit Petkovic

Schon eher zur Debatte steht für ihn seine nähere Zukunft im Nationalteam. Die Mehrheit seiner 33 Länderspiele bestritt er nicht auf seiner Wunschposition. Er würde sich wünschen, künftig wie im Verein zum Zug zu kommen. «Im Zentrum mit vielen Ballkontakten, Diagonalbälle schlagen, mal in den Abschluss gehen, hinten aggressiv Bälle erobern und verteilen. Das ist exakt mein Spiel.»

In San Marino (4:0) setzte Vladimir Petkovic den Gladbacher in der Mitte der Dreierkette vor der Abwehr, beim missratenen Auftakt gegen England (0:2) und Slowenien (0:1) musste Xhaka ins Couloir ausweichen, im November fehlte er verletzt. «Petkovic weiss, wo ich gerne spielen würde.» Primär stelle er sich natürlich in den Dienst der Mannschaft, aber er hoffe schon auf eine Lösung, «die für alle stimmt».

Der Schweizer Selektionär zieht aber mittelfristig nicht in Betracht, die Aufgabe von Captain Gökhan Inler im zentralen, defensiven Mittelfeld neu zu definieren. Das dürfte Petkovic Xhaka in einem persönlichen Gespräch auch so dargelegt haben. Gegen aussen hin stärkte der Coach seinem Captain bei erster Gelegenheit den Rücken. Und taktisch schwebt ihm vor, dass sein Aufbautrio «flexibel ist und auch mal zum Rollentausch bereit ist».
 

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