Dank Steigerung wenigstens ein Remis

TEST ⋅ Dank der Leistungssteigerung in den letzten 20 Minuten und dem Tor von Valentin Stocker (80.) kam die Schweiz im Testspiel in Zürich gegen die USA in Überzahl zu einem 1:1. Über eine Stunde lang war der Auftritt der Schweizer enttäuschend.

Stefan Wyss (Si), Zürich

Nach 35 Minuten brachte wenigsten Nationalcoach Vladimir Petkovic Bewegung ins Schweizer Team. Wenn er den elf Spielern auf dem Rasen eine Botschaft mitteilen wollte, indem er die Ersatzspieler Silvan Widmer, Pajtim Kasami, Valentin Stocker und Granit Xhaka derart früh zum Aufwärmen schickte, ist ihm dies zunächst gelungen. Denn nun gab es endlich auch etwas Bewegung im Spiel der Schweizer. Sie kamen kurz darauf immerhin zum ersten Corner (38.) und auch zur ersten herausgespielten Chance, als Admir Mehmedi vier Meter vor dem leeren Tor eine Hereingabe von Xherdan Shaqiri verpasste (39.).

Nach der Pause kam das Quartett dann auch ins Spiel und ersetzte Stephan Lichtsteiner (Widmer), Fabian Frei (Kasami), Captain Gökhan Inler (Xhaka) und Mehmedi (Stocker). Doch zu diesem Zeitpunkt lagen die Schweizer bereits im Rückstand. Denn just als man gedacht hatte, die Spieler von Petkovic wären erwacht, fiel in der 45. Minute das 1:0 für die USA. Inler hatte in Strafraumnähe ein Foul an Alfredo Morales begangen, darauf drehte US-Aussenverteidiger Brek Shea den Ball sehenswert über die Mauer in die nahe, hohe Ecke.

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Die besten Bilder des Testspiels Schweiz-USA

Die Führung des Teams von Jürgen Klinsmann war verdient. Die Amerikaner hatten zwar nicht mehr Spielanteile, aber die besseren Chancen. Gyasi Zardes (15.) und Michael Bradley (27.) schoss aus guter Position über das Tor, Alejandro Bedoya kam nach einem Zögern von François Moubandje frei an den Ball, köpfte aber in die Hände des Schweizer Keepers Roman Bürki (32.).

Das Spiel der Schweizer wurde erst besser, als die Gäste nur noch zu zehnt waren. Jozy Altidore hatte nach einem Foul an Moubandje den italienischen Schiedsrichter Nicola Banti beschimpft und dafür die Rote Karte gesehen (68.). Mit einem Mann mehr schafften es die Schweizer endlich, sich in der gegnerischen Platzhälfte festzusetzen. Zu gefallen wusste dabei Breel Embolo, der nach 56 Minuten zu seinem Debüt für die SFV-Auswahl kam und dem Zürcher Publikum mit einigen gelungenen Dribblings Szenenapplaus abrang. Mit 18 Jahren und 45 Tagen ist der Basler Stürmer der sechstjüngste Nationalspieler in der Geschichte des SFV.

Der Druck der Schweizer wurde in der Schlussviertelstunde von Minute zu Minute grösser. Kasami (75.) und Seferovic (79.) verpassten zunächst den Ausgleich, doch schon der nächste Corner führte zum 1:1. Wieder und wie beim Führungstor am Freitag gegen Estland spielten die Schweizer diesen kurz, darauf flankte Xhaka zur Mitte und Stocker spitzelte den Ball aus wenigen Metern über die Linie. Für den Hertha-Professional war es das erste Länderspieltor seit dem 12. Oktober 2010.

Dank Stocker konnten die Schweizer den ersten Fehltritt nach vier Spielen verhindern. Am Ende wäre gegen dezimierte Amerikaner bei einem Freistoss von Shaqiri auch ein Sieg möglich gewesen. Doch diesen hätten die Schweizer trotz der Steigerung in den letzten 20 Minuten nicht verdient. Zu schwach, ideenlos und blutleer war ihr Auftritt in der ersten Stunde gewesen.

Schweiz-USA: So lief das Testspiel »

Schweiz - USA 1:1 (0:1)

Letzigrund, Zürich. - 16'100 Zuschauer. - SR Banti (It). - Tore: 45. Shea (Freistoss) 0:1. 80. Stocker 1:1.

Schweiz: Bürki; Lichtsteiner (46. Widmer), Schär, von Bergen, Moubandje; Fernandes (72. Seferovic), Inler (46. Xhaka), Frei (46. Kasami); Shaqiri; Drmic (56. Embolo), Mehmedi (46. Stocker).

USA: Rimando (46. Yarbrough); Chandler, Orozco (46. Alvarado), Brooks, Shea; Bedoya (76. Yedlin), Williams, Bradley, Morales (89. Ream); Altidore, Zardes (89. Morris).

Bemerkungen: Schweiz ohne Senderos (verletzt) und Dzemaili (abgereist/wurde am Dienstag Vater), USA ohne Dempsey, Johannsson, Jones (alle verletzt) und Johnson (krank). Schweizer Ersatzspieler: Sommer, Hitz, Lustenberger, Behrami, Rodriguez, Djourou. Länderspiel-Debüt von Breel Embolo. 68. Rote Karte gegen Altidore (Schiedsrichter-Beleidigung). Keine Verwarnungen.

Stimmen zum 1:1 der Schweizer Nationalmannschaft gegen die USA


Breel Embolo (Länderspiel-Debütant): «Es war ein schönes Gefühl, eingewechselt zu werden. Ich brauchte ein wenig Zeit, um ins Spiel zu finden. Mit den ersten zehn Minuten war ich nicht so zufrieden, danach wurde es besser. Je länger die Partie dauerte, desto besser kamen die Mannschaft und auch ich ins Spiel. Wir hatten drei, vier gute Chancen. Schade, dass es beim 1:1 geblieben ist. Die vergebene Chance war wie ein Befreiungsschlag für mich.»

Valentin Stocker (Torschütze zum 1:1): «Nach der roten Karte kamen wir besser ins Spiel, waren viel aggressiver in den Zweikämpfen und auf zweite Bälle. Es ging ein Ruck durch die Mannschaft, keine Ahnung, wieso. Die Erleichterung über mein erstes Länderspiel-Tor seit vier Jahren - wie ich gehört habe - ist natürlich gross. Das macht die ganze Situation einfacher. Ich bin froh, dass mir der Ball wieder einmal vor die Füsse gefallen ist. Wir müssen schauen, dass stehende Bälle wieder eine Waffe werden. Gegen Estland kam ich als erster rein, deshalb ist es weniger tragisch, wenn man nicht Stammspieler ist. Ehrlich gesagt war es schon vor der WM in Brasilien ein Kampf, ob man spielt oder nicht. Insofern war ich es mir gewöhnt in den letzten Jahren. In erster Linie tut mir selber das Tor gut, es geht nicht um Bonuspunkte beim Trainer. Der Rest wird sich zeigen.»

Roman Bürki (Goalie): «Der Freistoss war gut geschossen, er war unhaltbar. Der Platz war sehr trocken, Flachpässe waren schwer zu spielen. Im Grossen und ganzen machten wir es nicht schlecht. In der zweiten Halbzeit hatten wir auch dank der roten Karte mehr Zug aufs Tor. Es war etwas sinnbildlich, dass beide Tore nach Standardsituationen fielen. Wir haben gekämpft und verdientermassen das Unentschieden geholt. Wir haben probiert, von hinten heraus gepflegt aufzubauen, haben vorher Standards trainiert. Insofern ist der Plan aufgegangen. Gelungen wäre der Abend gewesen, wenn wir gewonnen hätten. Dass die USA einen derart guten Freistoss-Schützen hatten, wusste ich nicht, das sahen wir in der Videoanalyse nicht.»

si/rem


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