Bernegger droht FCL mit Klage

FUSSBALL ⋅ Im Vertragsstreit zwischen dem FC Luzern und Ex-Trainer Carlos Bernegger (47) ist es vor dem Friedensrichter zu keiner Einigung gekommen. Bernegger erklärt seine Sicht der Dinge.

23. März 2016, 05:00

Ex-FCL-Trainer Carlos Bernegger (47) befindet sich mit dem FCL-Präsidenten Ruedi Stäger (59) im juristischen Clinch. Es geht um die Summe von angeblich 10 000 Franken, welche der FC Luzern dem Vorgänger von Markus Babbel seit dem letzten November monatlich beim Salär kürzt. Hintergrund: Der Verein vertritt die Meinung, dass Bernegger ein Jobangebot als Trainer des FC Chiasso im Oktober hätte annehmen müssen. Dabei wäre der Challenge-League-Klub nicht in der Lage gewesen, den ganzen Lohn zu übernehmen. Bernegger begründet, mit den Tessinern nicht einig geworden zu sein, wie folgt: «Es war ein informelles Gespräch mit Chiassos Generaldirektor Riccardo Bellotti und Sportchef Fabio Galante. Die beiden sind nicht eingetragene Handlungsbevollmächtigte des Klubs.» Zudem habe er den damaligen FCL-Sportchef Rolf Fringer über den Inhalt des Gesprächs informiert. Bernegger: «Der FCL hat seine Sorgfaltspflicht verletzt, indem er mich nicht informiert hat. Er sagte auch nicht, dass es Konsequenzen geben könnte, falls ich den Job in Chiasso nicht annehme.»

FCL-Präsident Stäger will nicht über den Zoff mit dem Ex-Coach reden. Stäger kategorisch: «Zu einem laufenden Verfahren äussern wir uns nicht.»

21 Monatslöhne

Bernegger ist seit dem 6. Oktober 2014 freigestellt. Im Sommer des gleichen Jahres hatten Stäger und der damalige Sportchef Alex Frei den Kontrakt mit dem Schweiz-Argentinier vorzeitig um ein Jahr bis 30. Juni 2016 verlängert. Notabene ohne die Öffentlichkeit zu informieren. Das machten sie erst, als Carlos Bernegger mit der in der Mittelachse fast vollständig umformierten FCL-Mannschaft mit nur fünf Punkten aus elf Spielen am Tabellenende der Super League stand. Grotesk: Freistellung und Vertragsverlängerung mit Bernegger gab der FC Luzern an derselben Medienkonferenz bekannt.

Im Umkehrschluss bedeutete dies, dass der klamme Super-Ligist aus Luzern 21 Monate lang einen Monatslohn von geschätzten 20 000 Franken an Bernegger überweisen musste.

Für Bernegger ist es viel Geld

Die Luzerner versuchen mit dem nicht zu Stande gekommenen Chiasso-Engagement des Ex-Trainers während der letzten acht Monate rund 80 000 Franken einzusparen. Bernegger: «Ich habe Verständnis für die finanziellen Verhältnisse beim FCL. Leider habe ich nie ein schriftliches Angebot von Chiasso erhalten.» Er sei immer davon ausgegangen, dass es einen Deal zwischen dem FCL und Chiasso geben könnte und er dann informiert werde. «Es blieben viele meiner Fragen unbeantwortet, und gleichzeitig gab es nie eine Information des FCL.»

Bernegger: «Mein Anwalt hat Präsident Stäger vor dem Friedensrichter ein Angebot gemacht, ich bin vernünftig und will dem FCL auch entgegenkommen.» Doch auf die Differenz der geschuldeten Lohnzahlungen könne er nicht verzichten. Das sind von November bis Vertragsende im Juni 2016 geschätzte 50 000 Franken. «Sorry, aber für mich und meine Familie ist das viel Geld.»

Bernegger lebt seit seinem Engagement beim FCL in der Stadt Luzern. Nach einer schweren Verletzung als 22-jähriger Profi entschied er sich früh, auf die Karte Trainer zu setzen. Vor der Verpflichtung beim FCL war er bei Basel, GC und Winterthur während vieler Jahre fast ausnahmslos im Nachwuchs tätig gewesen.

Im Sommer 2014 hätte Bernegger die Chance bekommen, zum deutschen Traditionsklub 1860 München in die 2. Bundesliga zu wechseln. «Ich entschied mich für Luzern, sagte 1860 ab.»

Mit dem Bekenntnis zum FCL trug Bernegger auf jeden Fall den Entscheid der Klubleitung mit, einen radikalen Umbruch des Teams voranzutreiben.

Enttäuscht von Präsident Stäger

Bernegger hat derzeit keine Angebote vorliegen. Er ist enttäuscht über das Vorgehen von Stäger. «Ich hätte mir eine klare Kommunikation gewünscht. Er hat mir nie gesagt, dass ich das Angebot von Chiasso annehmen müsse und mir sonst der Lohn gekürzt wird.» Bernegger wirkt sehr nachdenklich, wenn er sagt: «Ich kann es mir nur schwer vorstellen, gegen meinen Ex-Klub zu klagen.» Doch lenke der FCL bis Ende Monat nicht ein, bleibe ihm wohl nichts anderes übrig.


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