Nach dem Abgang von Remo Gaugler: Chance für den Chef der Talente

FUSSBALL ⋅ Wer wird Nachfolger von Sportkoordinator Remo Gaugler? Diese Frage beschäftigt beim FC Luzern nach dem Heimsieg gegen den FC St. Gallen. Die Stelle intern zu besetzen, würde im Sinne der Vision 2021 sein.
19. April 2017, 09:35

Daniel Wyrsch

daniel.wyrsch@luzernerzeitung.ch

Das Anforderungsprofil für den neuen Sportkoordinator ist erstellt worden, sagt FCL-CEO Marcel Kälin (51). «Der beste Kandidat bekommt den Job.»

Das Rennen um die Nachfolge von Remo Gaugler (48) ist eröffnet. Der Liestaler verlässt den Super-League-Verein aus der Zentralschweiz Ende April, er kehrt nach vier Jahren nach Basel zurück. Beim FCB wird er Kaderplaner der 1. Mannschaft.

In Luzern sucht man einen Fussballfachmann wie Gaugler. Dieser soll dieselben Kompetenzen haben wie der Vorgänger und in der vierköpfigen Sportkommission zusammen mit Trainer Markus Babbel, CEO Kälin und Verwaltungsrat Marco Sieber über die Zuzüge und Abgänge bei den Profis entscheiden.

Ein Doppelmandat CEO und Sportchef nicht möglich

Also ist ein Doppelmandat CEO/Sportkoordinator für Kälin nicht vorstellbar? «Nein, das ist unmöglich», sagt der Geschäftsführer. «Das hat man bei GC gesehen, dort wurden die beiden Jobs für Manuel Huber zu viel.»

Eine Shortlist der Kandidaten besteht seit letztem Donnerstag, nachdem der Abgang von Gaugler kommuniziert wurde. Kälin hält sich bedeckt, was die Liste betrifft. Immerhin verrät er: «Wir haben die Chance, noch näher zusammenzurücken. Ein Innerschweizer soll es sein.» Koryphäen aus dem Ausland kämen nicht in Frage. Zum Beispiel wurde Dietmar Beiersdorfer am Ostermontag beim Heimspiel gegen St. Gallen (2:0) auf der Tribüne gesehen. Ob der Ex-Sportvorstand des Hamburger SV seine Dienste hier feilbot, ist ungeklärt.

Weil Kälin noch keine Gespräche mit den Leuten geführt hat, kann er auch nicht sagen, «ob wir ein interessanter Partner für unsere Kandidaten sind». Wichtig sei, dass der neue Sportkoordinator «zu uns passt. Das soll langfristig der Fall sein – und er muss die Vision 2021 mittragen.» Dazu gehört, dass der FCL wie gerade jetzt möglichst viele eigene Talente in die Super-League-Mannschaft einbaut.

Wer könnte diese Anforderungen besser erfüllen als der ambitionierte Nachwuchschef Genesio Colatrella? Er ist quasi der Chef der FCL-Talente, die in den letzten Wochen und Monaten immer öfter im Team von Babbel zum Einsatz gekommen sind. Mit Kryeziu, Haas, Ugrinic, Omlin, Arnold, Knezevic und Voca stehen total sieben junge Spieler aus dem eigenen Nachwuchs im Kader, die Erfahrung in der Super League haben.

Dabei hatte der FCL bis vor zwei Jahren den Ruf, dass sich kaum ein eigener Spieler bei den Profis durchsetzen konnte. Seit Colatrella Nachwuchschef ist, wurde alles viel besser. Der Angesprochene relativierte im Herbst in einem Interview: «Die jetzt erreichte Durchlässigkeit verdanken wir allen, die in den letzten Jahren für den FCL-Nachwuchs gearbeitet haben. Vor allem hat Markus Babbel den Talenten die Möglichkeit gegeben, regelmässig zu spielen.»

Umgekehrt lobte Babbel kürzlich die Nachwuchsverantwortlichen: «Ich kann mich ganz auf das Urteil von U21- Trainer Gerardo Seoane und Abteilungschef Genesio Colatrella verlassen. Wenn sie mir einen Spieler empfehlen, dann bringt dieser bei uns die geforderte Leistung.»

Colatrella spricht fliessend sechs Sprachen

Gaugler schlug Colatrella als Nachfolger vor. Der 45-Jährige war zuvor Nachwuchschef beim SC Kriens, er soll gute nationale und internationale Kontakte pflegen. Ein Vorteil wäre seine Vielsprachigkeit: Neben Deutsch und Italienisch spricht er auch fliessend Französisch, Spanisch, Portugiesisch und Englisch.

Colatrella hat allerdings interne Konkurrenz: Ex-FCL-Profi Michel Renggli (37). Er ist Talentmanager und U15-Trainer. Es soll sogar einen dritten Kandidaten im FCL-Lager geben. Wer weiss, vielleicht ist das Richard Furrer (48), der Ex-Sportchef des SC Cham, der am 1. Februar als Finanzchef eingestellt wurde.

Der Ur-Luzerner Stefan Wolf (46) begleitet mit seiner Stiftung unter anderem Talente aus diversen Sportarten. Er könnte ins Anforderungsprofil passen. Der frühere Profi des FCL, von Servette und St. Gallen war Nationalspieler. «Der FCL ist für mich immer interessant», zeigt er sich offen, mehr über den Job zu erfahren.


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