Das geht dem Chef auf den Wecker

FUSSBALL ⋅ Am Tag nach dem 2:2 gegen Sion scheint ein Grund für die schwache 1. FCL-Halbzeit gefunden: Der Trainer musste Aufbauer Hekuran Kryeziu disziplinieren.

23. September 2016, 05:00

Aufregung herrschte am Mittwochabend vor dem Heimspiel gegen Sion im Mediencenter der Swissporarena. Hintergrund: Der Name von FCL-Mittelfeldspieler Hekuran Kryeziu (23) stand zwar auf dem Matchblatt, war aber unter den Absenzen aufgeführt. Aufmerksame Beobachter hatten den Schweiz-Kosovaren aus dem Kanton Schwyz zudem mit Verteidiger Sally Sarr (30) bei den ­U-21-Nachwuchsleuten im Training gesehen.

Später drang durch, dass zwischen Kryeziu und Markus Babbel etwas vorgefallen sein musste. Aus diesem Grund strich Babbel den kosovarischen Nationalspieler aus dem Aufgebot. Kryeziu wäre sogar in der Startelf vorgesehen gewesen. An seiner Stelle spielte Nicolas Haas (20), der zurzeit in einem Formtief steckt. Er konnte dem FCL im Mittelfeld weder in den Zweikämpfen noch spielerisch helfen. Ein Grund für den in der ersten Halbzeit über weite Strecken zusammenhanglosen Auftritt der Innerschweizer dürfte im Zentrum zu finden sein. Der kurzfristige Verzicht auf Kryeziu hat sich bestimmt nicht positiv ausgewirkt.

Trainer Babbel erklärt sein hartes Durchgreifen

Doch was war zwischen Spieler Kryeziu und dem Coach eigentlich vorgefallen? Die Gerüchte wurden gestern Vormittag nach dem Training von Babbel bestätigt: Kryeziu hatte am Matchtag den Besammlungstermin um 10 Uhr verschlafen. Fast eine halbe Stunde betrug die Verspätung. «Ich musste diese disziplinarische Massnahme treffen», erklärte Babbel. Es sei das erste Mal gewesen, dass einer seiner Profis vor einem Spiel zu spät gekommen ist. Nur einmal in Deutschland sei einer der Spieler nicht rechtzeitig zum Abschlusstraining erschienen. «Aber da hatten wir ein echtes disziplinarisches Problem mit dem Spieler.»

Das ist bei Kryeziu nicht der Fall. Das FCL-Eigengewächs ist eigentlich nicht einer, der zu spät kommt. Auf dem Platz fällt er öfters mit zu viel Einsatz und Heissblütigkeit auf. Damit fängt er sich die eine oder andere unnötige gelbe Karte ein. Abseits des Fussballs ist Kryeziu ein umgänglicher und ruhiger Zeitgenosse.

Kryeziu stand gestern wie ein echter Profi hin, beantwortete die Fragen zum unangenehmen Vorfall. «Ich habe verschlafen, bin 25 Minuten zu spät in die Kabine gekommen.» Dieser Fussballer muss einen gesunden Schlaf haben, er hat schlichtweg seinen Wecker überhört. Die Angelegenheit erinnert an TV-Kommentator Sascha Ruefer (44), der den WM-Final der Frauen vor einem Jahr verschlafen hatte und sich anschliessend mit einem Wecker ablichten liess.

Nächstes Mal wird Kryeziu in die U 21 zwangsversetzt

Ganz so humorvoll kann Kryeziu seinen Fauxpas nicht nehmen. Der verpasste Match gegen Sion ärgert ihn sehr. «Verspätet beim Team zu erscheinen, das sollte einem leidenschaftlichen Profi wie mir nicht passieren. Vor allem am Spieltag ist das schlimm.»

Er hat sich bei Coach Babbel entschuldigt. «Ich kann die Konsequenzen, die der Trainer gezogen hat, verstehen», sagte er und versprach, dass er künftig einen hundertprozentig sicheren Weckdienst engagieren werde.

Diese Reaktion erwartet der Trainer von Kryeziu. «Kommt Hekuran noch einmal zu spät, gibt es eine drastischere Strafe. Die U-21-Mannschaft freut sich immer über eine qualitativ starke Verstärkung», meinte der Bayer Babbel mit drohendem Unterton. Für diesmal lässt er es mit der abgesessenen «Spielsperre» gegen Sion und einer «nicht günstigen Busse» in die Mannschaftskasse bewenden.

Kryeziu könnte also morgen (17.45) im Heimspiel gegen Aufsteiger Lausanne auflaufen. Eine starke Reaktion ist nicht nur von ihm, sondern vom ganzen Team gefordert.

Daniel Wyrschdaniel.wyrsch@luzernerzeitung.ch


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