FC Luzern wacht über Rohdiamant Filip Ugrinic

FUSSBALL ⋅ Filip Ugrinic (17) hat erst 83 Minuten in der Super League gespielt, doch er gilt als FCL-Youngster mit einem Riesenpotenzial. Ein Porträt des Schweiz-Serben aus der Stadt Luzern.

25. November 2016, 00:00

Daniel Wyrsch

Der junge Filip Ugrinic hat sich innerhalb von fünf, sechs Wochen schon eine erstaunlich gute Position beim FC Luzern geschaf­fen. Bereits sein halbstün­diges Debüt in der Super League am 15. Oktober auswärts beim FC Basel (0:3) war herausragend, es folgten kürzere Teileinsätze zu Hause gegen St. Gallen (3:0) und die Young Boys (2:2) – sowie am letzten Sonntag als vorläufiger Höhepunkt das Heimspiel gegen den FC Lugano.

In der 74. Minute wurde der 17-Jährige für Spielmacher Markus Neumayr (30) eingewechselt. Ugrinic brachte als offensiver Mittelfeldspieler viel frischen Schwung ins FCL-Spiel; er bediente unter anderem Captain Claudio Lustenberger mit einem tollen Pass durch den Strafraum in den Rücken der Lugano-Verteidigung, und schliesslich schlug er den Eckball, der zum späten 2:1-Siegtor von Verteidiger Tomislav Puljic führte.

Babbel spricht vorläufig ein Interviewverbot aus

Weil beim FCL alle wissen, dass Ugrinic ein sehr hoffnungsvolles Talent ist, will die sportliche Führung um Cheftrainer Markus Babbel (44) so wenig Aufsehen wie möglich um den Jungprofi zulassen. Der Absolvent der Frei’s Handelsschule darf vorläufig keine Interviews geben. «Sorry, ich darf noch nicht mit Journalisten reden», entschuldigte sich Ugrinic am Ende des gestrigen Trainings höflich.

Diese Vorsichtsmassnahme, welche die jungen Sportler vor dem Abheben bewahren soll, setzte Babbel bereits bei anderen aufstrebenden Nachwuchsspielern wie beim derzeit verletzten Nicolas Haas (20) in dessen Anfangsphase als Profi ein.

Doch bei dem in der Stadt Luzern aufgewachsenen Schweiz-Serben Ugrinic scheint die Aufregung und Sorge beim FCL noch grösser zu sein. Denn: Luzern hat mit Filip Ugrinic einen ungeschliffenen Diamanten in seinen Reihen. Die Spielerberater streiten sich um Ugrinic. So macht zum Beispiel eine Geschichte der Zwillingsbrüder Philipp und David Degen (je 33) die Runde: Die beiden Ex-Profis des FC Basel hatten sich mit Ugrinic zum Essen getroffen, wollten den Mittelfeldspieler unter Vertrag nehmen. Der Luzerner soll den Degens abgesagt haben. Ugrinic, von unserer Zeitung auf die Story angesprochen, lächelt nur. Er verrät, wie vom FCL befohlen, vorderhand nichts über sich.

Über den am 5. Januar 1999 geborenen Spieler – er gehört knapp nicht der Spielergeneration ab Jahrgang 2000 an – sagen die Verantwortlichen im Verein, dass er ein Riesenpotenzial besitze. Allerdings soll dies nicht hinausposaunt werden, denn man ist vorsichtig geworden. Seit Fabian Lustenberger (28), der 2007 vom FCL zu Hertha BSC in die Bundesliga wechselte, konnten die Innerschweizer kein Eigengewächs mehr für eine siebenstel­lige Summe verkaufen.

Für Ex-FCL-Nachwuchschef Andy Egli (58) ist Ugrinic «ein echter Strassenfussballer mit einem ausgeprägten Instinkt». Babbel sagte in der Woche nach dem gelungenen Einstand von Ugrinic in Basel über den Spieler: «Sein Debüt war eine grosse Überraschung.» Er habe über Ugrinic schon seit längerer Zeit viel gehört, deshalb habe er ihn im Sommer ins Trainingslager im Allgäu mitnehmen wollen. Wegen einer Verletzung des Talents wurde nichts daraus. Babbel beobachtete den Mittelfeldspieler dann in der U21 – und kam zur Beurteilung: «Er ist ein absoluter Leistungsträger, der sehr präsent ist.» Und: «Das ist seit langem ein junger Spieler, der körperlich extrem weit ist und der das Spiel kapiert hat. Er gefällt mir sehr.»

Nachdem Babbel den Jüngsten im Kader zwei Wochen bei sich im Training gesehen hatte, setzte er noch eine Lobeshymne drauf: «Er hat kein Problem gehabt, das Tempo mitzugehen. Vor allen Dingen traut sich Filip etwas zu, er hat keine Angst.»

Kickers-Juniorenobmann ist zuversichtlich

Beim kleinen Bruder des FCL, dem FC Kickers Luzern, hat Juniorenobmann Emanuel Willi (45) die Entwicklung von Ugrinic mit Freude und Stolz zur Kenntnis genommen. Bis er elfjährig war, hatte Ugrinic bei Kickers gespielt. Willi war vor dem Wechsel zum FCL im Jahr 2010 sein Trainer bei den D-Junioren. «Filip war flink und schnell, seine Koordination mit dem Ball schon damals gut. Und er konnte sehr bald beidfüssig schiessen. Sein Talent war bereits sehr ausgeprägt», sagt der Sekundarlehrer. Was Willi für die Zukunft seines Ex-Juniors zuversichtlich stimmt, ist das familiäre Umfeld von Filip Ugrinic. «Seine Beziehung zu seinem Vater Dejan ist sehr gut. Die Eltern haben ihn immer unterstützt, sie sind ehrgeizig, aber gleichzeitig sind sie vernünftig.»

Auch der Jungprofi selber legt eine gesunde Portion Gelassenheit an den Tag. Als er kürzlich aus der Schule kommend etwas zu spät zum Training auf der Allmend erschien, machte ihn ein älterer FCL-Fan ermahnend auf die Verspätung aufmerksam. Ugrinic ärgerte sich kein bisschen, er reagierte mit einem freundlichen Lächeln. Mit dieser Unbekümmertheit geht er in die Spiele. Das nächste Mal spielt er mit dem FCL morgen Samstag (17.45) auswärts gegen Thun. Er steht wohl noch nicht in der Anfangsformation, aber sein Startelf­debüt ist nur eine Frage der Zeit.


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