Krisen-FCL macht es YB leicht

FUSSBALL ⋅ Luzern rafft sich bei der «Wundertüte» YB auf, egalisiert einen 0:2-Rückstand, verliert aber 2:5. Die Bilanz 2016 ist erschütternd. Und Trainer Babbel legt sich mit einem Fan an.

07. März 2016, 05:00

Daniel Wyrsch, Bern

  • FUSSBALL, SUPER LEAGUE, MEISTERSCHAFT, SAISON 2015/16, YB, YOUNG BOYS, BSC YOUNG BOYS, BSC YOUNG BOYS BERN, FC LUZERN, LUZERN
  • FUSSBALL, SUPER LEAGUE, MEISTERSCHAFT, SAISON 2015/16, YB, YOUNG BOYS, BSC YOUNG BOYS, BSC YOUNG BOYS BERN, FC LUZERN, LUZERN
  • FUSSBALL, SUPER LEAGUE, MEISTERSCHAFT, SAISON 2015/16, YB, YOUNG BOYS, BSC YOUNG BOYS, BSC YOUNG BOYS BERN, FC LUZERN, LUZERN

Der FCL spielte am Sonntag in Bern gegen die Young Boys und verlor das Spiel 5:2.

Video: FCL-Präsident Ruedi Stäger nach der Niederlage in Bern

Bilder wie nach dem verlorenen Cup-Halbfinal habe man in Luzern selten gesehen, sagte Ruedi Stäger im SRF-Interview. Stäger äusserte sich zudem zu den Entlassungen von Sportchef Rolf Fringer und Assistenzcoach Roland Vrabec. (srf, 6. März 2016)

Der FC Luzern befindet sich im freien Fall. Gestern haben die Innerschweizer in Bern gegen die drittplatzierten Young Boys 2:5 verloren. Das ist im sechsten Pflichtspiel des Kalenderjahres 2016 die sechste Niederlage. Bei Cheftrainer Markus Babbel liegen die Nerven blank. Anders ist es nicht zu erklären, dass der frühere Bayern- und Liverpool-Profi sich in den Schlussminuten mit einem Zuschauer anlegte. Der ältere, grau melierte Anhänger mit blauweissem FCL-Schal sass hinter der Luzerner Bank auf der Tribüne. Er lieferte sich mit Babbel ein gestenreiches Wortgefecht. Babbel meinte später in der Medienkonferenz, darauf angesprochen, mit zynischem Unterton: «Ich habe mich mit dem Mann unterhalten und ihm gedankt, dass er auch in schweren Zeiten zu uns hält.»

Stäger muss an Babbel festhalten

Babbels Disput überrascht, weil der 43-jährige Deutsche sich bislang während der Spiele nur mit den Schiedsrichtern anlegte, nie aber mit Aussenstehenden. Die Aktion erinnert an Babbels Vorgänger Carlos Bernegger. Der Schweiz-Argentinier hatte sich in der Swissporarena auf Diskussionen mit Tribünenbesuchern eingelassen.

Trotz der niederschmetternden Bilanz von fünf Liga-Niederlagen hintereinander und dem Aus im Cup-Halbfinal vom letzten Mittwoch gegen Lugano (1:2) bekommt Babbel weiterhin das Vertrauen von FCL-Präsident Ruedi Stäger. Der ebenfalls stark angezählte geschäftsführende Klubvorsitzende bestätigte in Bern, dass er an Babbel festhalten werde. Wie könnte er auch anders: Erst vor dreieinhalb Wochen hat Stäger mit dem Einverständnis des Verwaltungsrats den Vertrag des Cheftrainers vorzeitig um zwei Jahre bis Sommer 2018 verlängert. Was der Vereinsleitung schon damals heftige Kritiken einbrachte, ist nach den letzten Ergebnissen und Leistungen mehr als fragwürdig.

Der FCL zeigte zwar wie schon bei der Cup-Schmach gegen Lugano Einsatzbereitschaft, aber das reichte gegen die spielstarken Young Boys nicht. Denn die Luzerner machten zu viele Fehler in der Abwehr, hatten zu grosse Defizite im Spielaufbau, um den Bernern die Punkte streitig zu machen. 

Schwaches Abwehrverhalten

Haarsträubend war das Luzerner Defensivverhalten bei Cornern. Alain Rochat (25.) und Guillaume Hoarau (30.) trafen nach Eckbällen zum 1:0 und 2:0. Hoarau (59.) schoss YB nach einem abgeprallten Schuss von Yoric Ravet auf einen Einwurf wieder 3:2 in Front. Das dritte Gegentor nach einem Corner erzielte der eingewechselte Miralem Sulejmani (74.) zum 4:2. Nur das 5:2 schoss YB aus dem Spiel heraus: Hoarau beendete den Torreigen mit seinem dritten Treffer (84.). 

Babbel monierte: «Wir haben uns selbst um die Früchte der Arbeit gebracht. Gegen Rochat und Sulejmani sollte man die Kopfballduelle gewinnen.» Und: «Wir bekommen die ersten vier Tore nach drei Standards und einem Einwurf. Da müssen wir mehr Aggressivität und Gier beim Verteidigen des eigenen Tores aufbringen.» 
Sonst war er mit der Darbietung seiner Mannschaft zufrieden: «Das war offensiv eigentlich eine gute Leistung.»

Nur kurzzeitiger Widerstand

Den Innerschweizern ist sicher zugutezuhalten, dass sie auf den 0:2-Rückstand reagieren konnten und Moral zeigten. Allerdings sind ihnen die phasenweise selbstherrlich aufspielenden Berner entgegengekommen. Vor der Pause profitierte Marco Schneuwly von der Unterstützung von Mitspieler Michael Frey. Der Ex-YB-Stürmer störte Innenverteidiger Steve von Bergen bei einem Rückpass. Der Ball flog zu Schneuwly, und der Stürmer erzielte seinen siebten Liga-Treffer zum 1:2 (44.). Zu Beginn der zweiten Halbzeit legten die Luzerner sofort nach: Marco Schneuwly setzte sich am Flügel gegen Denis Zakaria durch, passte zur Mitte, wo Jahmir Hyka zum 2:2 (47.) einschoss. Luzern war gegen die Wundertüte YB zurück im Spiel. Doch zwölf Minuten nach dem Ausgleich machte Hoarau das 3:2 – für YB-Trainer Adi Hütter der «Knackpunkt in diesem Spiel». 
Nächsten Samstag (20.00) empfängt Luzern erneut Lugano. Diesmal in der Meisterschaft. Ein Sieg ist Pflicht, sonst droht dem FCL der Abstiegskampf.

Young Boys - Luzern 5:2 (2:1) 

16 051 Zuschauer. – SR Erlachner
Tore: 25. Rochat (Ravet) 1:0. 30. Hoarau (Gajic) 2:0. 44. Marco Schneuwly (Frey) 2:1. 47. Hyka (Marco Schneuwly) 2:2. 59. Hoarau 3:2. 74. Sulejmani (Ravet) 4:2. 84. Hoarau (Zulechner) 5:2.
Young Boys: Mvogo; Hadergjonaj, von Bergen, Rochat, Lecjaks; Zakaria (59. Bertone), Gajic; Ravet (81. Zulechner), Kubo (59. Sulejmani), Gerndt; Hoarau.
Luzern: Zibung; Schachten, Sarr, Rogulj, Thiesson; Affolter, Haas (68. Kryeziu); Hyka, Frey, Christian Schneuwly (56. Jantscher); Marco Schneuwly.
Bemerkungen: Young Boys ohne Benito, Wüthrich, Kololli, Seferi (alle verletzt) und Nuzzolo (nicht im Aufgebot). Luzern ohne Puljic, Lustenberger (beide verletzt) und Cirjak (krank). Super-League-Debüt des 25-jährigen Österreichers Philipp Zulechner. 
Verwarnungen: 31. Christian Schneuwly (Reklamieren), 53. Ravet (Foul), 56. Thiesson (Foul), 71. Rochat (Foul), 75. Schachten (Reklamieren).

Super League 

23. Runde: Young Boys - Luzern 5:2. Sion - Vaduz 2:0. Lugano - Basel (verschoben, Ersatzdatum noch unklar).
Samstag: Zürich - Thun 0:0.
Heute, 20.00 Uhr: St. Gallen - Grasshoppers.
 1. Basel 22 17 2 3 56:22 53
 2. Young Boys 23 10 9 4 40:27 39
 3. Grasshoppers 22 11 5 6 51:28 38
 4. Sion 22 9 4 9 27:29 31
 5. Thun 23 8 4 11 30:36 28
 6. St. Gallen 21 7 6 8 24:26 27
 7. Luzern 23 7 5 11 28:38 26
 8. Zürich 23 4 10 9 29:43 22
 9. Lugano 22 5 6 11 31:44 21
 10. Vaduz 23 3 11 9 25:38 20

Die nächsten Spiele

24. Runde. Samstag, 12. März. 17.45: Vaduz - Thun. – 20.00: Luzern - Lugano. – Sonntag, 13. März. 13.45: Basel - St. Gallen. Young Boys - Sion. – 16.00: Grasshoppers - Zürich.

Sion - Vaduz 2:0 (1:0)
5000 Zuschauer. – SR Pache.
Tore: 25. Léo (Sierro) 1:0. 87. Karlen 2:0.
Sion: Vanins; Zverotic, Vanczak, Ndoye, Pa Modou; Salatic, Sierro; Assifuah (67. Rüfli), Fernandes (75. Karlen), Léo; Gekas (88. Cichero).
Vaduz: Jehle; Von Niederhäusern, Gülen, Grippo, Borgmann (46. Bühler); Ciccone (80. Sutter); Untersee, Kukuruzovic, Costanzo, Avdijaj (46. Caballero); Sadiku.
Bemerkungen:  Sion ohne Adao, Bia, Carlitos, Cmelik, Konaté, Kouassi, Lacroix, Mboyo, Voser und Ziegler (alle verletzt). Vaduz ohne Janjatovic (gesperrt), Fekete, Hasler, Muntwiler, Schürpf und Stahel (alle verletzt).
Verwarnungen: 54. Untersee (Foul), 72. Léo (Foul), 76. Vanczak (Foul).


Login


 

Leserkommentare

Anzeige: