Luzern zu schwerfällig für Lausanne

FUSSBALL ⋅ Luzern gibt bei der 1:3-Heimniederlage gegen Lausanne defensiv ein schwaches Bild ab. Fabio Celestini coacht den Aufsteiger zum verdienten Sieg.

25. September 2016, 08:35

Eine derart schlechte Figur wie gestern bei der 1:3-Niederlage gegen Lausanne hat der FC Luzern in einem Heimspiel schon lange nicht mehr abgegeben. Die treuen Fans in der Kurve liessen am Ende ob der vor allem de­fensiv schwachen Leistung ihrem Frust mit einem gellenden Pfeifkonzert freien Lauf. Später, als sich die Mannschaft zögerlich mit scheuem Winken von den Anhängern verabschiedete, gab es nochmals Pfiffe und Buhrufe. Dazu die bekannte Unmutsbekundung nach enttäuschenden Auftritten der eigenen Lieblinge: «Wir wollen euch kämpfen sehen!»

Babbel: «Wir waren nicht bereit, die Wege zu gehen»

Luzerns Cheftrainer Markus Babbel (44) sprach später in der Medienkonferenz von Defiziten, die in die gleiche Richtung gehen. «Das ist ein verdienter Sieg für Lausanne. Wir müssen froh sein, dass wir nicht höher ver­loren haben. Aber nicht, weil Lausanne viel besser war, sondern weil wir unglaublich viele Fehler gemacht haben.» Das habe er auf diesem Niveau selten gesehen, seine Mannschaft hätte auf Abseits spielen müssen, «weil wir nicht bereit waren, die Wege zu gehen».

Luzern liess nach dem frühen 1:0 durch Goalgetter Marco Schneuwly (8.) die Gäste aus dem Waadtland in der 24. Minute zu einem Konter aus dem Nichts kommen: Einen einfachen, lang geschlagenen Ball hinter die FCL-Abwehr erlief sich Nicolas Gétaz. Er bediente Francesco Margiotta, der Leihspieler von Juventus Turin markierte mühelos den 1:1-Ausgleich. Trotz aller Proteste der Luzerner war dem Treffer kein Abseits vorausgegangen. Das Tor gab den Lausannern enorm Auftrieb, sie suchten ihr Glück nun mehrmals in Konterangriffen. Die beste Chance zum Führungstreffer vergab Kwang Ryong Pak in der 40. Minute, als er an David Zibung scheiterte. Im Gegenzug blieb Christian Schneuwly aus ähnlich guter Position an Dany Da Silva hängen. Der Gästekeeper bekam in dieser Aktion einen Schlag an den Kopf und musste nach der Pause von Kevin Martin ersetzt werden.

Während Lausanne-Trainer Fabio Celestini (40) in der 53. Minute mit Gabriel Torres für Pak eine frische Offensivkraft einwechselte und kurz vor Ablauf einer Stunde mit Alexandre Pasche für Yeltsin Tejeda einen weiteren Wechsel tätigte, blieb Luzern-Coach Babbel untätig. Auch als der gestern offensiv wirkungslose Jahmir Hyka in der 58. Minute im Zentrum einen Ball verlor, den Margiotta und Schütze Torres kaltschnäuzig zum 2:1 nützten. Beim FCL kamen die ersten frischen Kräfte erst ab der 69. Minute zum Einsatz, das war aber zu spät, um die aus der Hand gegebene Partie noch zu drehen.

Ein viel besseres Händchen als Babbel hatte gestern der Schweizer Trainer-Shootingstar Celes­tini: Einen Schuss von Joker Torres liess Zibung nach vorne abprallen, Margiotta machte sein Doppelpack mit dem 3:1 (73.) perfekt. Der Italiener war mit zwei Toren und einem Assist der Mann des Spiels. Der FCL hatte danach Pech mit je einem Pfostentreffer von Markus Neumayr (81.) und dem eingewechselten Tomi Juric (86.). Lausannes Torres schoss auch ans Aluminium (81., Latte).

Steht die FCL-Abwehr zu hoch gegen schnelle Gegner?

Babbel, dem Trainerstaff und den Spielern muss zu denken geben, dass man wie vor vier Wochen in St. Gallen (0:3) ohne ersichtliche Gegenwehr in einfache Konter gelaufen ist. Die Frage sei erlaubt: Steht diese schwerfällige Abwehr nicht zu hoch, um gegen einen schnell umschaltenden Gegner eingreifen zu können? Die jungen, quirligen Lausanner nutzten ihre Freiheiten jedenfalls aus und grüssen nach dem 3:1-Sieg in Luzern von Platz 2.

Für den FCL läuft es gerade in die andere Richtung: Mit nur einem Punkt aus den letzten vier Partien ist das Team auf Rang 5 zurückgefallen.

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Daniel Wyrschdaniel.wyrsch@luzernerzeitung.ch


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