Quittung für viele Fehltransfers

FUSSBALL ⋅ Es wird immer deutlicher, dass der FC Luzern in den letzten Jahren zu wenig gute Innenverteidiger verpflichtet hat. Die zentrale Defensive steht am Ursprung des aktuellen Tiefs.

04. Oktober 2016, 05:00

Für den ehemaligen Erfolgstrainer von Manchester United, Sir Alex Ferguson (74), ist die Innenverteidigung das Fundament einer erfolgreichen Mannschaft. Beim FC Luzern hat man in den letzten Jahren offenbar nicht die nötige Sorgfalt gehabt, um brauchbare Spieler für das Abwehrzentrum zu verpflichten.

Von der heutigen zentralen Abwehr hat nur Tomislav Puljic (33) die Erwartungen erfüllt. Der Kroate kam 2010 als Notnagel für den überschätzten Schweden-Äthiopier Benjamin Kibebe nach Luzern. Bis auf die Vorrunde 2014/15, als er vom damaligen Sportdirektor Alex Frei keinen neuen Vertrag erhielt, hat Puljic fast ausnahmslos gespielt.

Schlechte Karten für Affolter, Sarr und Matri

Zuletzt geriet der 1,92 Meter grosse Kopfballspezialist an der Seite von Neuzugang Ricardo Costa in die Kritik, spielte beim 2:3 am Sonntag gegen GC aber solid und sicher.

Selbst wenn die anderen aktuellen FCL-Innenverteidiger nicht vergleichbar mit den Transferflops Kibebe, Enzo Ruiz und Andrés Lamas (beide aus Uruguay) sind, haben sie hier keine grossen Stricke zerrissen. Für die ungenügende Transferstrategie auf den Positionen direkt vor dem Torhüter hat der FCL nicht nur die Quittung in Form des Absturzes von Platz 2 auf 7 in den letzten fünf sieglosen Runden erhalten, sondern zahlt dafür viel Geld:

Wir haben die persönliche Situation der Luzern-Innenverteidiger analysiert:

– Der erwähnte Tomislav Puljic hat noch einen Vertrag bis Ende Saison, ab einer gewissen Anzahl Spiele greift die Option für eine automatische Verlängerung um ein Jahr.

François Affolter (25) wurde im Januar 2013 von YB geholt. Der fünffache Nationalspieler mit Erfahrung in der Bundesliga erhielt von Alex Frei einen Viereinhalbjahresvertrag. In der Spielauslösung unterläuft dem Bieler fast pro Match ein gravierender Fehlpass. «Blackout» wird so ein Aussetzer genannt und kostet meistens Punkte. Bei Cheftrainer Markus Babbel hat Affolter seinen Kredit offenbar aufgebraucht, seit vier Spielen drückt er die Ersatzbank.

Sally Sarr (30) ist schon seit sechs Ligapartien nicht mehr im Aufgebot, er sitzt stattdessen auf der Tribüne. Der Franko-Senegalese ist seit 2011 beim FCL. Seine beste Zeit erlebte er unter Murat Yakin, allerdings als Aussenverteidiger. Im Abwehrzentrum sorgte er mit «Stockfehlern» oft für Alarmstufe 1 im eigenen Team. Sarrs Vertrag läuft Ende Saison aus, wird nicht verlängert.

Ferid Matri (22) wurde von Frei Mitte 2013 von Auxerre losgeeist. Das hochgelobte Talent hat es in Luzern bloss auf drei Einsätze gebracht. Der Romand wurde nach Wil und Le Mont ausgeliehen, seit Sommer ist er zurück, trainiert und spielt bei der U 21. Matris Kontrakt läuft noch bis Ende Saison.

Kaja Rogulj (30) ist von Babbel zum Ende der letzten Saison wegen mangelnder Einsatzbereitschaft aufs Abstellgleis gesetzt worden, der verletzungsanfällige frühere österreichische Meister mit Austria Wien trainiert in der U 21. Bis zum Vertragsende am 30. Juni 2017 kassiert der Kroate im Monat 29 500 Franken. Bei diesem Salär sitzt er den Vertrag, den ihm Frei 2014 gab, aus.

Ricardo Costa (35) wurde von Sportkoordinator Remo Gaugler Anfang Juli als Spieler vorgestellt, der wisse, wie man Pokale gewinnt. Zwar hat der Portugiese mit Cristiano Ronaldo an der WM gespielt, und er gewann mit José Mourinhos Porto die Champions League, aber wenn man genau hinschaut, war Costa bei den Titelgewinnen nur Ergänzungsspieler. Costa ist als Neuzugang aus Spaniens 1. Liga von Granada nach Luzern gekommen, nach zehn Ligaspielen sieht die Bilanz ernüchternd aus. Auch gegen GC war er nicht der erhoffte Abwehrchef, sondern machte kapitale Fehler, welche die «Hoppers» zu drei Toren und zum Sieg nützten.

Für Gaugler fehlt ein Abräumer im Mittelfeld

Sportkoordinator Gaugler findet, dass Costa zusammen mit Puljic zuletzt «relativ unglücklich ausgesehen hat». Das Hauptproblem der Defensive ortet Gaugler aber im fehlenden Abräumer vor der Abwehr. «Die Gegner kommen mit zu grossem Tempo auf die Verteidiger zu», so Gaugler.

Trotzdem: Costa steht in der Kritik, er hat einen Zweijahresvertrag mit Option. Dabei zählt er zu Luzerns Topverdienern. Bis jetzt stellt sich Babbel schützend vor Costa. Doch nicht auszuschliessen ist, dass Babbel auch mit ihm bald die Geduld verliert.

Daniel Wyrschdaniel.wyrsch@luzernerzeitung.chRoland Schweglersport@luzernerzeitung.ch


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