Schneuwly trifft und greift Costa an

FUSSBALL ⋅ Luzern steht nach einem Viertel der Saison auf Platz 5. Offensiv ist der FCL dank Marco Schneuwly auf Kurs, defensiv gibts trotz dem prominenten Zuzug von Ricardo Costa eine Baustelle.

26. September 2016, 05:00

Beim FC Luzern ist von der Freude über den erfolgreichen Start mit zwölf Punkten aus den ersten fünf Ligaspielen nicht mehr viel übrig. Nur ein Zähler resultierte aus den letzten vier Partien. Vor allem die Niederlagen in St. Gallen (0:3) und am letzten Samstag zu Hause gegen Aufsteiger Lausanne (1:3) müssen die Mannschaft von Trainer Markus Babbel schmerzen.

Die Luzerner liessen den nominell schwächer besetzten Gegnern viel zu viel Spielraum, die Einladungen nahmen St. Gallen wie Lausanne an. Mit einfachen Pässen in die Tiefe kamen sie zu mehreren guten Chancen. Je drei Tore reichten den beiden Teams zu klaren Siegen über den FCL.

40. Ligator von Marco Schneuwly für Luzern

Zum Glück für die Blauweissen ist Marco Schneuwly (31) seit seinem Wechsel vor über zwei Jahren in die Zentralschweiz ein verlässlicher Goalgetter. Das 1:0 von vorgestern gegen Lausanne war sein 40. Tor für Luzern in 78 Spielen der Super League. Schneuwly führt mit sieben Saisontreffern gemeinsam mit Caio (GC) und Ezgjan Alioski (Lugano) die Torschützenwertung an.

Der gebürtige Freiburger steht dank seiner Klasse, die er zuvor weder bei YB noch in Thun in gleichem Mass wie in Luzern unter Beweis gestellt hatte, in der FCL-Hierarchie ganz oben. Wenn der meist besonnene Mittelstürmer einen Mitspieler attackiert, dann hat dies Signalwirkung.

Als der portugiesische Ex-Internationale Ricardo Costa (35) am Samstag seine Position verlassen und damit Lausanne den Weg zum Ausgleichstreffer geöffnet hatte, bekam der titeldekorierte Spieler den Zorn von Schneuwly zu spüren. Von der Tribüne sah man, wie Schneuwly in Richtung von Costa gestikulierte und ihn verbal angriff. Was er dem Neuzugang vorwarf, wollte Schneuwly nicht verraten. Via FCL-Medienchef Max Fischer liess der Mittelstürmer unserer Zeitung gestern ausrichten: «Gespräche zwischen den Spielern auf dem Platz und in der Kabine sind Interna, die nur die Mannschaft und den Staff betreffen.»

Majestätsbeleidigung für Ricardo Costa

Selbst wenn der Inhalt der Kritik damit der sportinteressierten Öffentlichkeit vorenthalten bleibt, ist klar, dass Schneuwly markige Worte an Costa gerichtet hat. Für Costa ist das eine Majestätsbeleidigung, wenn er als ehemaliger Captain von Valencia in der Schweizer Liga von einem Mitspieler gemassregelt wird.

Ricardo Costa hatte Anfang Juli den noch ein Jahr weiterlaufenden Kontrakt beim spanischen Erstligisten Granada aufgelöst, um in Luzern einen gut dotierten Zweijahresvertrag mit Option auf eine weitere Saison zu unterschreiben. Er sollte der Mannschaft als Abwehrchef zu mehr defensiver Stabilität verhelfen. Die Erwartungen konnte er nur in einzelnen Spielen erfüllen.

Stark spielte Costa im Hinspiel der Europa-League-Qualifikation gegen Sassuolo (1:1). Im Rückspiel in Italien verschuldete er den ersten Gegentreffer und musste anschliessend nach einem Notbremsefoul, das den Penalty zum zweiten Gegentor zur Folge hatte, mit roter Karte vorzeitig vom Platz. Der FCL verlor 0:3 und schied damit aus.

Der FCL ist derzeit lediglich noch Durchschnitt

Luzern weist in den ersten neun Ligarunden, dem ersten Saisonviertel, eine ausgeglichene Bilanz auf: vier Siege, vier Niederlagen und ein Unentschieden ergeben 13 Punkte und Platz 5. 18:18 lautet das Torverhältnis. Das ergibt im Schnitt zwei erzielte Treffer pro Spiel, aber auch zwei Gegentore in einem Match.

Für den Angriff ist dieser Zweierschnitt gut, in der Abwehr existiert eine Baustelle. Deutlich alarmierender als die Zahlen sind die Eindrücke der FCL-Defensive, die von Lausanne phasenweise vorgeführt wurde. Der Handlungsbedarf scheint in der Innenverteidigung zwingend, will Luzern in den nächsten Partien auswärts gegen GC und Basel nicht weiter an Boden verlieren.

Traut sich Babbel, auf Costa zu verzichten?

Der zu langsam wirkende Costa konnte bisher weder mit Tomislav Puljic noch mit François Affolter oder Sally Sarr ein stabiles Innenverteidiger-Duo bilden. Wahrscheinlich könnten – zumindest kurzfristig – Puljic und Affolter zusammen mehr ausrichten. Fraglich ist, ob Babbel den Mut hat, den von Sportkoordinator Remo Gaugler geholten und vom Salär her teuren Costa auf die Bank zu setzen.

Hinweis

Mehr Super-League-Fussball auf Seite 24.

Daniel Wyrschdaniel.wyrsch@luzernerzeitung.ch


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