Super-Kameras gegen Pyrozünder

ÜBERWACHUNG ⋅ Um illegale Aktionen aus der Fankurve zu bestrafen, hat der FCL neue hochauflösende Kameras angeschafft. Damit sollen Straftäter identifiziert werden – anhand von Merkmalen wie Tattoos, Uhren oder Socken.
20. April 2017, 05:00

Raphael Gutzwiller
raphael.gutzwiller@luzernerzeitung.ch

Am Ostermontag um 17 Uhr: Der FC Luzern spielt zu Hause in der Swisspor-Arena gegen den FC St. Gallen. Es ist kurz nach der Pause, 46 Minuten sind gespielt. Aber noch immer steht es 0:0, als das Spiel plötzlich für einen kurzen Moment unterbrochen werden muss. Aus dem Heim-Fansektor weht dichter Rauch auf den Platz. So dicht, dass das St. Galler Tor nicht mehr zu sehen ist. FCL-Fans haben blauen und weissen Rauch gezündet. Solche Feuerwerksaktionen kommen bei Fussballspielen in der Super League nicht selten vor, meistens ohne grössere Zwischenfälle. Doch sie sind illegal.
Auf Seiten des FCL hat man zu Beginn der Rückrunde deshalb reagiert. Der Verein hat zur Überwachung der Fans zwei neue Kameras angeschafft, sogenannte Panomera-Kameras aus Deutschland. «Damit erkennt man Gesichter auch noch auf grosse Distanzen», erklärt Andreas Lustenberger, der für die Swisscom solche Kameras vertreibt.

Polizei und Verband forderten Verbesserung

Funktionieren tut die Technik so: Im Gehäuse einer Panomera befinden sich acht Kamerasensoren, die sich zu einem Bild zusammensetzen lassen. In den Bildern kann digital so nahe herangezoomt werden, dass Fans gut erkennbar und identifizierbar sind. Diese Technologie kommt nun im Heim- und im Gästesektor zum Einsatz.

Die Aufwertung der Überwachungskameras war eine Auflage des Verbands und der Polizei. Das sechs Jahre alte Kamerasystem der Swisspor-Arena war nicht mehr auf dem neusten Stand der Technik. Eine Verbesserung der Situation wurde von Polizei und Verband schon seit längerem gefordert. Andere Schweizer Fussballstadien kennen derweil andere Lösungen, etwa mobile Kameras, die im Unterhalt aber aufwendiger sind. Mit den neuen Kameras ist der FCL nun auf modernstem Stand: So moderne Kameras wie in Luzern hat es in kaum einem Stadion der Schweiz, versichert Lustenberger. Ähnliche Panomera-Kameras gibt es seit neustem in drei anderen Schweizer Stadien und Eventhallen. Die Technik kam auch in Deutschland nach den Silvesterübergriffen von Köln vermehrt zum Einsatz.

Für den FC Luzern war die Anschaffung dieses Systems eine finanzielle Herausforderung. Den genauen Betrag will der FCL aber nicht verraten. «Nun erfüllen wir aber die an uns gestellten Anforderungen», sagt Max Fischer, Medienchef des FCL. «Die Kameras werden nicht nur für eine Saison gebraucht, sondern können über einen längeren Zeitraum genutzt werden. Von daher macht die Anschaffung Sinn.»

Daten werden an die Polizei übergeben

In einem «Kommandoraum» werden die Aufzeichnungen der Panomera-Kameras überwacht. Man erkennt jedes Gesicht haargenau – ausser von denen, die tatsächlich etwas Illegales machen. Die Fans vermummen sich bei solchen Aktionen nämlich jeweils. Selbst wenn nur Feuerwerkskörper gezündet werden und niemand verletzt wird, geht der FCL dem nach. 

Dank den neuen Kameras sollen die Straftäter einfacher identifiziert werden können. Zwar nicht im Moment, in dem etwas passiert, aber davor oder danach. «Man kann die Täter dank den vielen Kameras anhand von Merkmalen identifizieren: Vielleicht trägt jemand eine rote Armbanduhr, spezielle Socken oder hat ein auffälliges Tattoo», so Fischer. Auch Lustenberger sagt: «Bei der Findung der Täter können die Kameras helfen. Nicht nur diejenigen, die auf die Fankurven gerichtet sind, sondern jene, welche im Stadion hilfreich sein können, sich auf gewisse Merkmale zu fokussieren.» 

Wenn es zu Straftaten gekommen ist, werden die Bilder an die Polizei weitergegeben. Diese wertet die Daten aus. Der FCL ist dabei für die Datenbeschaffung zuständig. Matchbesucher, die sich nicht strafbar machen, haben durch die «Super-Kameras» nichts zu befürchten, versichert Fischer. Straffällige Fans, die identifiziert werden, können ein Stadionverbot erhalten. 

Noch mit dem alten Kamerasystem konnte ein St. Galler Fan überführt werden, der in der Swisspor-Arena im Februar 2016 einen Böller gezündet hatte. Er muss sich jetzt vor dem Bundesstrafgericht in Bellinzona verantworten. Solche «Erfolgserlebnisse» erhofft man sich auch von den neuen Kameras. 
Doch Fischer ist sich sicher: Die Fans sind den Technologien häufig voraus. So sind sie clever und kreativ genug, sich hinter Fahnen oder Doppelhalter umzuziehen, bevor sie etwas zünden, um die Identifizierung zu erschweren. Dennoch betrachtet der FCL die Kameras als Schritt in die richtige Richtung.


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