Fussball: FCL-Analyse

Überfordert FCL-Trainer Babbel seine Spieler?

17. Oktober 2016, 07:50

Für den fast mit einem Seniorenteam angetretenen FC Luzern ist am Samstag beim 0:3 in Basel vieles zu schnell gegangen. Ein alternder FCL befindet sich in der Super League im Sinkflug: Innerhalb der letzten fünf Runden stürzte die Mannschaft von Trainer Markus Babbel von Platz 2 auf 7 ab.

Amüsante Worte fand der neue «Teleclub»-Experte Marcel Reif (66) über Luzern-Trainer Markus Babbel (44), den er aus der Bundesliga bestens kennt. «Markus gehörte zu den besten Verteidigern überhaupt», sagte die deutsche Sportreporter-Legende über den langjährigen Bayern-Spieler. Doch sei es ihm ein Rätsel, weshalb es Babbel nicht gelingt, den FCL-Profis das effiziente Verteidigen beizubringen.

Als Babbel und Reif anschliessend im TV-Studio aufeinandertrafen, war das Wiedersehen herzlich. Der FCL-Coach musste bei der Analyse die Basler 1:0-Führung erklären, wie sein Rechtsverteidiger Jérôme Thiesson auf der linken Seite (!) Basel-Rechtsverteidiger Michael Lang nicht am Flanken hindern konnte. «Es herrschte ein ziemliches Durcheinander bei uns», gab Babbel gegenüber dem irritierten Reif zu.

In diesem Zustand war der FCL der ideale Gegner für den aufgedrehten FCB, um die zuletzt verlorenen Sympathien der Zuschauer im «Joggeli» zurückzugewinnen. Zwar spielte das Luzerner Innenverteidiger-Duo Ricardo Costa/Tomislav Puljic weniger fehlerhaft als auch schon, aber gegen zielstrebige Basler reichte die Gegenwehr einfach nicht aus.

Das defensive Übel bei den Zentralschweizern hat den Ursprung bereits vor der Abwehr. Babbel liess in Basel mit sechs offensiv ausgerichteten Leuten spielen. Flügelspieler Jahmir Hyka sowie vor allem die beiden zentralen Mittelfeldspieler Markus Neumayr und Christian Schneuwly waren gegen die zwei FCB-Aggressivleader Taulant Xhaka und Geoffroy Serey Die in den Zweikämpfen deutlich unterlegen.

Die Balance zwischen Offen­sive und Defensive hat Luzern seit dem starken Saisonstart gänzlich verloren. In den letzten sechs Partien mit nur einem Punktgewinn machte der FCL nicht nur gegen Basel einen sehr unausgeglichenen Eindruck. Gegen Lausanne (1:3) und in St. Gallen (0:3) lief das Team ein ums andere Mal in Konter.

Die Frage stellt sich, ob Babbel seine alternde Mannschaft (in Basel war die Startelf im Schnitt 29,2 Jahre und jene des FCB bloss 26,5 Jahre alt) mit seinem offensiven Ballbesitzfussball überfordert. Einigen Profis ist vieles auf dem Rasen des St.-Jakob-Parks zu schnell gegangen.

Dagegen verzichtete Babbel freiwillig auf den 23-jährigen defensiven Mittelfeldpuncher Hekuran Kryeziu. Der Schweiz-Kosovare hatte im Heimspiel gegen Basel (2:3) zu den Besten auf dem Platz gezählt. Zwischen Kryeziu und Babbel muss ein persönliches Problem vorliegen. Denn Nicolas Haas (20) war auf der gleichen Position wie Kryeziu sogar gesperrt gewesen.

Fast so schlimm wie die sportliche Krise ist, dass die eigenen Nachwuchsleute Kryeziu, Haas und besonders Remo Arnold (19) in dieser Saison nicht weitergekommen sind. Dabei hatte der damalige Präsident Ruedi Stäger im Februar die vorzeitige Vertragsverlängerung mit Babbel um zwei Jahre nicht zuletzt mit dessen Förderung der jungen Spieler begründet.

Ausrangiert von Babbel wurde Kaja Rogulj (30), andere Verteidiger wie François Affolter (25) und Sally Sarr (30) hat er so gut wie abgeschrieben. Käme Kryeziu dazu, dann wäre das eine gefährliche Entwicklung zwischen Trainer und Team.

Man soll den Teufel nicht schon an die Wand malen, aber es läuft in vielerlei Hinsicht negativ beim FCL. Am Sonntag im Heimspiel gegen St. Gallen muss ein Sieg her, sonst gerät Babbel mit Luzern in die grössere Krise als nach den sechs Pflichtspielniederlagen zu Beginn der letzten Rückrunde.

Sportreporter Daniel Wyrschdaniel.wyrsch@luzernerzeitung.chSportreporter Daniel Wyrschdaniel.wyrsch@luzernerzeitung.ch


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