Wann kommt Fink zum FCL?

FUSSBALL ⋅ Im August schaute sich Thorsten Fink in Vaduz das FCL-Spiel an. Aus Deutschland heisst es jetzt, dass Fink bereit sei, Coach Carlos Bernegger abzulösen.

16. September 2014, 06:46

Es sind ganz bittere Zeiten für den FC Luzern und seinen Trainer Carlos Bernegger (45). Elf Pflichtpartien hat die Mannschaft in dieser Saison gespielt, nur im Cup gegen Konolfingen (9:0) hat sie gewonnen. Der interregionale Zweitligist war jedoch kein ernstzunehmender Gegner für die Profis. Das sofortige Aus in der Europa-League-Qualifikation gegen die limitierten Schotten von St. Johnstone und nur 5 Punkte aus acht Spielen in der Meisterschaft lassen den inzwischen auf den letzten Tabellenplatz abgerutschten FCL schlecht aussehen. Die spielerisch meist recht guten Leistungen machen die Luzerner mit individuellen Aussetzern kaputt. Wie am Sonntag bei der 2:3-Niederlage in Bern gegen YB.

Bernegger schrie sich nach der dritten Saisonpleite im Kabinengang den Frust von der Seele. Es ist ihm natürlich bewusst, dass jeder Trainer nach bloss 6 Siegen aus den letzten 26 Ligaspielen in Frage gestellt wird. Wenn nun Klubverantwortliche jegliche Diskussionen über den Coach dementieren, hat das in der Regel nichts Gutes zu bedeuten.

Präsident Stäger dementiert ...

FCL-Präsident Ruedi Stäger versprach in Bern hoch und heilig: «Der Trainer ist bei uns kein Thema, wir haben von Anfang an auf Kontinuität gesetzt. Davon lassen wir uns nicht abbringen, wenn es derzeit mit der umgebauten Mannschaft noch nicht wunschgemäss läuft.» Allerdings verriet er gestern dem Regionalfernsehen Tele 1: «Bis zum Ende der Vorrunde befassen wir uns nicht mit dem Trainer, danach ziehen wir Fazit.» Diese Aussage macht hellhörig. Vor allem, wenn aus Insiderkreisen in München das Gerücht Luzern erreicht, wonach der frühere Basel- und HSV-Trainer Thorsten Fink (46) mit Alex Frei (35) einig sei. Die Frage sei nicht, ob Fink zum FCL kommt, sondern wann. Verhindern könne sein Engagement in der Zentralschweiz nur noch ein kurzfristiges Angebot aus der Bundesliga. Im Sommer stand der frühere Profi des FC Bayern München nahe an einer Verpflichtung bei Eintracht Frankfurt.

Fink ist am Mittwoch auf den Tag genau vor einem Jahr beim Hamburger SV freigestellt worden, sein Vertrag endete aber erst am 30. Juni 2014. Für Aufsehen bei den Schweizer Medien sorgte er zuletzt, als er vor einem Monat beim Auswärtsspiel des FC Luzern in Vaduz auftauchte. Obwohl er im Rheinpark versicherte, dass sein Ziel die Bundesliga sei, wurde er als Ex-Trainer von Frei natürlich sofort zum Kandidaten für die Innerschweizer gemacht. Fink begründete seinen unerwarteten Ausflug zum «Knüller» am Tabellenende: «Ich wollte die Gelegenheit nutzen, mal wieder ein Super-League-Spiel und frühere Schützlinge zu sehen, dafür musste ich nur 250 Kilometer fahren.» Es sind immerhin drei Stunden Hinfahrt und drei Stunden zurück nach München, wo er mit seiner Familie seit Jahren lebt. Deshalb: So richtig abnehmen konnte man dies dem zweifachen Basler Meistertrainer nicht. In Insiderkreisen heisst es, Bernegger müsse nach dem Matchbesuch von Fink in Vaduz klar gewesen sein, dass ab sofort jeder Match für ihn als FCL-Trainer ein Final ist. Das gilt nun besonders für das Cupspiel am nächsten Samstag (17.30) in Schaffhausen, wo es gegen den vom Ex-Kriens-Trainer Maurizio Jacobacci (51) gecoachten Klub aus der Challenge League geht.

Bernegger war gestern für unsere Zeitung nicht erreichbar, um sich zu den neusten Gerüchten um Fink zu äussern. Damals, nach dem 1:1 ausgegangenen Match in Liechtenstein, machte er gute Miene zum bösen Spiel: «Vor Vaduz hatte mich Thorsten angerufen, um mir zu sagen, dass er den Match schauen kommt. Von dem her kein Problem.» Berneggers FCL-Kontrakt läuft noch bis Ende Saison. Fink könnte per sofort dessen Job übernehmen. Natürlich müsste der Verein bis nächsten Sommer doppelte Ausgaben für den Trainerposten kalkulieren. Und der vormalige Bundesliga-Coach würde sicher mehr als der langjährige Ausbildungstrainer Bernegger kosten. Doch wie es aus Münchner Kreisen heisst, würde es Fink, dem finanziell abgesicherten Champions-League-Sieger von 2001 (als Spieler von Bayern München), in Luzern kaum nur ums Geld gehen. Im Mittelpunkt stehe, wieder mit einem Team zu arbeiten.

... und Frei dementiert

Während der mögliche neue FCL-Trainer Fink für unsere Zeitung nicht erreichbar war, sagte Luzerns Sportchef Frei zu den Spekulationen über eine Verpflichtung des prominenten Deutschen: «Gemäss Gerüchten hätten wir 40 Trainer und 250 verschiedene Spieler.» Und er ergänzte: «Null Thema.» Das bedeutet wenig: In dieser Situation gibt jeder Sportdirektor ein Dementi ab.

Video: Alex Frei zur aktuellen Situation beim FC Luzern

Der FC Luzern ist Tabellenletzter. Sportchef Alex Frei nimmt Stellung. (Tele 1, 15.09.2014)


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