«Alle sind eingeladen, Tore zu schiessen»

FC LUZERN ⋅ Markus Babbel startet in einer Woche zum dritten Mal in eine Saison mit dem FC Luzern. Der Cheftrainer stellt seine umgebaute neue Mannschaft vor, zu der in der Sommerpause sieben neue Spieler gestossen sind.
15. Juli 2017, 20:16

Daniel Wyrsch

daniel.wyrsch@luzernerzeitung.ch

Der FC Luzern hat ereignisreiche Tage und Wochen hinter sich. So viele gewichtige Mutationen gab es seit dem Bezug der Swisspor-Arena Mitte 2011 vor einer Saison noch nie. Mit Marco Schneuwly (14 Tore, 5 Assists) und Markus Neumayr (7 Tore, 10 Assists) haben die beiden besten Skorer der letzten Saison den Verein in Richtung Sion und Kasimpasa Istanbul verlassen. Das Duo Schneuwly/Neumayr war für 21 Treffer und 15 Torvorlagen verantwortlich.

Auf der anderen Seite sind sieben neue Spieler zum FCL gestossen, darunter mit Olivier Custodio (22, aus Lausanne), Shkelqim Demhasaj (21, aus Schaffhausen) und Marvin Schulz (22, aus Borussia Mönchengladbach) drei sehr talentierte junge Profis.

FCL-Trainer Markus Babbel (44) stellt seine neue Mannschaft und speziell die Zuzüge vor.

Tor:«Jonas Omlin ist unsere Nummer 1, er hat sich sein Standing verdient. Wir sind mit dem jungen Torhüter diesen Weg gegangen, Jonas hat unsere Erwartungen zu 100 Prozent erfüllt. Er hat eine tolle Entwicklung gemacht – auch in seiner Persönlichkeit. Hinsichtlich seiner Ausstrahlung ist er im Vergleich zu früher nicht wieder zu erkennen. Aber auch die anderen beiden Torhüter, David Zibung und Simon Enzler, machen einen sehr guten Eindruck. Sie sind sehr fleissig. Auf der Torwartposition sind wir in meinen Augen sehr gut aufgestellt.»

Innenverteidigung: «Leider ist unser Zuzug mit viel Erfahrung, Nicolas Schindelholz vom FC Thun, noch immer verletzt wie ebenfalls Lucas Alves. Mit Stefan Knezevic und Yannick Schmid haben wir zwei junge klubeigene Innenverteidiger. Dazu kommt Marvin Schulz, der erst kürzlich von Borussia Mönchengladbach zu uns stiess, aber leider auch noch nicht 100-prozentig fit ist. Sind alle fit, sind wir in der zentralen Abwehr top aufgestellt. Ich hoffe, ob mit zwei oder drei Innenverteidigern spielend, dass wir als Mannschaft weniger Gegentore bekommen als im Vorjahr. Ob Marvin Schulz der neue Abwehrchef wird, wird sich zeigen. Er ist ein grossartiges Talent, das ich schon vor zwei Jahren zum FC Luzern holen wollte. Aber damals hatte sich Gladbach quergestellt, weil er dort dabei war, den Sprung zum Stammspieler zu schaffen. Eine langwierige Verletzung stoppte ihn schliesslich. Nach der langen Pause reagierte Gladbach und holte andere Defensivleute, dadurch tat sich für uns die Tür auf. Marvin hat sich trotz anderer Angebote für uns entschieden. Das freut uns sehr, dass er bei uns die Perspektiven sieht, um in seiner Karriere einen Schritt weiterzukommen.»

Aussenverteidigung:«Wir haben links mit Claudio Lustenberger und rechts mit Christian Schwegler einen Routinier. Mich freut, dass mit Christian ein sehr erfahrener Spieler zu seinem Heimatverein zurückgekehrt ist. Mit ihm haben wir eine tolle Persönlichkeit dazugewonnen. Hinter ihm haben wir mit Simon Grether einen Rechtsverteidiger, der momentan angeschlagen ist, aber immer enorm fleissig ist. Ich hoffe, dass er spielerisch den nächsten Schritt machen kann. Mit Dren Feka haben wir ein tolles Talent, das über ein grosses technisches Potenzial verfügt. Mit Dren müssen wir aber daran arbeiten, damit er bald 60, 70, 80 Minuten Powerfussball spielen kann.»

Defensives Mittelfeld:«Mit Hekuran Kryeziu, der in der letzten Saison eine hervorragende Entwicklung gemacht hat, und dem überzeugenden, schon ausgeprägt strategisch agierenden Talent Idriz Voca haben wir auf dieser Position gute Möglichkeiten. Leider fällt Remo Arnold lange aus, der auch im Abwehrzentrum hätte spielen können.»

Offensives Mittelfeld: «Olivier Custodio ist unser Königstransfer. Ein fantastischer Fussballer mit einer grossen Ballsicherheit. Er spielt intelligent, erkennt die Spielsituationen früher als viele andere. Ich habe mich enorm gefreut, dass wir ihn verpflichten konnten. Filip Ugrinic kann ebenfalls auf dieser Position spielen. Am Schluss der letzten Saison ist ihm ein bisschen die Luft ausgegangen. Das ist aber auch völlig normal für einen erst 18-Jährigen. Die Doppelbelastung mit Schule/Arbeit und Fussball wirkte sich aus. Jetzt spielt er wieder frischer und dynamischer, die Pause hat ihm gutgetan. Er bringt sehr viel Talent mit, aber er muss seine technischen Stärken besser zur Geltung bringen. Das heisst: Er ist bei der Ausführung oft noch schlampig. Da müssen wir daran arbeiten, damit er sauberer spielt. Weitere Alternativen auf dieser Position sind Christian Schneuwly und Francisco Rodriguez.»

Flügel:«Die Mischung zwischen den Erfahrenen Schneuwly, Rodriguez und Pascal Schürpf sowie den Jungen João Oliveira und Ruben Vargas stimmt. Bei den Youngsters muss ich jedoch wiederholen, was ich bereits über Ugrinic gesagt habe: Sie müssen die Aktionen sauberer ausführen und das Spiel besser lesen können, um ihre Stärken einsetzen zu können. Ein schneller Spieler bringt wenig, wenn er erst in der Aktion losläuft. Da müssen die Angreifer noch besser vorausdenken, um im richtigen Moment den Lauf in die Tiefe zu starten.»

Sturm: «Klar, Marco Schneuwly hat letzte Saison 14 Ligatore für uns geschossen, jetzt spielt er für Sion. Grundsätzlich ist jeder eingeladen, Tore zu schiessen. Wir haben Stürmer, die treffen können, doch für die Trefferausbeute stehen alle Feldspieler auf dem Platz in der Pflicht. Leider sind die neuen Stürmer Il-Gwan Jong und Shkelqim Demhasaj gegenwärtig verletzt. Die 17 Tore von Demhasaj für Schaffhausen in der Challenge League muss zuerst einer machen. Er ist nicht der kräftigste Stürmer, im körperlichen Bereich müssen wir mit ihm arbeiten. Il-Gwan ist ein anderer Typ: Er ist ein äusserst feiner Stürmer, technisch sehr begabt, mit einem guten Abschluss. Die Fragen stellen sich, wie lange er das Tempo gehen kann, wie schnell er sich bei uns wohl fühlt und wie er unsere Taktik umsetzen kann. Aber als Fussballer ist er ganz sicher eine Bereicherung für uns. Wegen zwei aufeinanderfolgender Muskelfaserrisse an der gleichen Stelle, die er in der nordkoreanischen Nationalmannschaft erlitt, sind wir vorsichtig und wollen ihn jetzt nicht zu früh forcieren.

Tomi Juric bleibt uns zum Glück erhalten, wenn für ihn nicht noch ein unmoralisches Angebot eintrifft. Ich glaube, dass er selbst ein grosses Interesse hat zu bleiben. Nach diversen Verletzungsgeschichten an früheren Stationen kann er bei uns weiter an Stabilität gewinnen. Juric hat zum Ende der letzten Saison hin bewiesen, dass in ihm ein Torjäger steckt. Auf einem guten Weg ist auch Cedric Itten, den uns Basel ein zweites Jahr ausgeliehen hat. Er ist technisch versiert, kann den Ball halten, setzt seinen Körper gut ein und arbeitet sehr stark für die Mannschaft. Ich bin überzeugt, dass wir gemeinsam erneut einen Schritt weiterkommen.»

FCL-Saisoneröffnung: Am Sonntag von 12.30 bis 18.00 Uhr im Erlebnisvillage rund um die Swisspor-Arena.

Super League. 1. Runde. Samstag, 22. Juli, 19.00: Lausanne – St. Gallen, Young Boys – Basel. – Sonntag, 23. Juli, 16.00: Luzern – Lugano, Grasshopper – Zürich, Thun – Sion. – 2. Runde. Sonntag, 30. Juli, 16.00: Basel – Luzern. – 3. Runde. Sonntag, 6. August, 16.00: Luzern – Grasshoppers.


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