Alpstaeg bis 2021 an FCL gebunden

FUSSBALL ⋅ Diese Woche hat es in sich gehabt beim FC Luzern. Nach längerer Zeit gibt Hauptgeldgeber Bernhard Alpstaeg ein Interview. Er überlegt sich den Rückzug, hat aber noch einen Vertrag mit dem FCL.
13. Mai 2017, 05:00

Daniel Wyrsch

daniel.wyrsch@luzernerzeitung.ch

 

Kurz vor dem Auswärtsspiel morgen (16.00, SRF zwei) bei den Young Boys in Bern machen Trainer Markus Babbel und Captain Claudio Lustenberger wieder einen zuversichtlichen Eindruck. Zum Ende einer hochemotionalen FCL-Woche und direkt nach drei Niederlagen in Folge sind sie unisono überzeugt: «Dass wir mit einer geschlossenen Mannschaftsleistung etwas Zählbares aus dem Stade de Suisse mit nach Hause nehmen können.»

Aufgeregter kommt dagegen Bernhard Alpstaeg daher. Gestern äusserte sich der Swisspor-Patron erstmals in dieser Saison zum FC Luzern in den Medien. Für unsere Zeitung in diesen Tagen nicht erreichbar, gab er dem «Blick» ein Interview.

Alpstaeg möchte Spieler ins Kohlebergwerk schicken

In bekannter Manier poltert der 71-jährige Unternehmer: «Die Leistung der letzten Spiele ist beschämend. So geht es wirklich nicht. Ich habe den Eindruck, unseren FCL-Spielern gehe es zu gut.» In einer normalen Firma würden die Löhne gekürzt, findet er. «Unsere Spielbuben sind zu verwöhnt, ich würde sie für eine Woche zur Arbeit im Kohlebergwerk verknurren.»

Vor einem solchen Straflager müssen sich die Profis nicht fürchten. Vor drastischen Sparmassnahmen aber schon. Alpstaeg droht: «CEO Marcel Kälin und sein ganzes Team müssen die Budgets knallhart einhalten und das Defizit reduzieren. Und wenn dies nicht passiert, ziehe ich meinerseits den Stecker, und dann geht vieles nicht mehr.»

Muss dem FCL bange sein, weil der grösste Aktionär bald aussteigen könnte? Nein, denn wie unsere Zeitung aus sicherer Quelle weiss, hat Alpstaeg einen langfristigen Vertrag mit dem Verein. 2011 zur Fertigstellung des neuen Stadions unterzeichnete er den Kontrakt für die Namensrechte an der Swisspor-Arena. Dauer zehn Jahre. Kosten 10 Millionen Franken, bedeutet für jedes Vertragsjahr 1 Million.

2021, wenn die Namensrechte am Stadion wieder zum Verkauf stehen, feiert der Klub sein 120-jähriges Bestehen. Die kürzlich ins Leben gerufene «Vision 2021» soll dem Traditionsverein bis dann neue Sponsoren bringen. «Zum jetzigen Zeitpunkt weiss ich nicht, ob Bernhard Alpstaeg den Vertrag verlängert oder nicht», sagt FCL-Präsident ­Philipp Studhalter.

So lange Alpstaeg mit dem Namen seiner Firma mit dem FCL verbunden ist, wird er dafür sorgen, dass der Klub ein kompetitives Team auf den Rasen stellen kann. Obwohl der nicht mit dem Fussballvirus infizierte Mann zugibt: «Ehrlich gesagt ist mir ein siebter Platz mit wenig Verlust lieber, als Zweiter zu werden, mit einem grossen Verlust.»

Dass die Innerschweizer immer mehr auf eigene junge Talente setzen müssen, ist in dieser Saison bereits positiv zum Ausdruck gekommen: Vor vier Wochen beim letzten Sieg (2:0 gegen St. Gallen) standen mit Hekuran Kryeziu (24), Jonas Omlin (23), Nicolas Haas (21), Stefan Knezevic (20), Remo Arnold (20) und dem eingewechselten Idriz Voca (19) nicht weniger als sechs selber ausgebildete Spieler auf dem Feld. «Das ist unser Weg mit den Jungen, die durch einige erfahrene Profis unterstützt werden», sagt Präsident Studhalter.

Für Attraktionen wie einst Hakan Yakin fehlt das Geld

Für überragende Fussballer wie früher Hakan Yakin dürfte in nächster Zeit kein Platz mehr sein in Luzern. «Wir wollen das Budget einhalten, das weiss Markus Babbel. Er hat sich dazu einverstanden erklärt», stellt Studhalter mit Blick auf die nächste Saison fest, für die Babbel weiterhin unter Vertrag steht.

Ebenfalls keine Lust, das jährliche Defizit von ausgewiesenen 2 Millionen Franken zu decken, haben die restlichen Aktionäre: Samih Sawiris, Hans Schmid, Josef Bieri und Marco Sieber sowie die Firma Pneu Bösiger AG, die einen Anteil von 5,5 Prozent hat.

Studhalter betont: «Ich bin froh, haben wir mehrere Investoren.» So ist die Abstützung des Vereins doch recht solide. Umsomehr als das 25-Prozent-Aktienpaket von Walter Stierli weiter treuhänderisch deponiert ist – und bis jetzt kein Nachfolger für den FCL-Ehrenpräsidenten gefunden werden konnte.

Dass Sawiris, Schmid und Co. bis mindestens 2021 zusammen mit Alpstaeg in der FCL-Holding bleiben, liegt auf der Hand. Sie würden sich einen Reputationsschaden nicht leisten können, den FC Luzern fallen zu lassen, wie verschiedene Insider der Meinung sind.

Was nach dem 120-Jahr-Jubiläum mit dem FCL passiert, ist allerdings offen. Selbst ein Verkauf an einen ausländischen Investor könnte dann möglich sein. Obwohl die jetzigen Besitzer alles dafür tun, damit der Verein in Innerschweizer Händen bleibt. Und sogar, dass möglichst viele Schweizer für den FC Luzern spielen.


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