Brütsch schiesst FCL-Frauen an die Spitze

FUSSBALL ⋅ Die Frauen des FC Luzern gewinnen gegen Aarau mit 5:1 und schieben sich nach acht Runden auf Rang eins der NLA-Tabelle. Ein wichtiges Puzzleteil des Erfolgs ist die neue Topskorerin aus Zürich.
12. November 2017, 09:47

Stephan Santschi

stephan.santschi@luzernerzeitung.ch

Wer hätte das zu Saisonbeginn für möglich gehalten: Die junge Auswahl des FC Luzern, die gegenwärtig auf sechs verletzte Spielerinnen verzichten muss, steht nach acht NLA-Runden an der Tabellenspitze. Möglich machte es gestern der 5:1-Heimsieg gegen Aarau und das 1:1-Remis zwischen den Topteams Basel und Zürich, wodurch die Luzernerinnen von Platz drei auf eins vorstiessen. «Es ist der Hammer, dass es so aufgegangen ist. Das hatten wir uns vor dem Spiel gewünscht», sagte Irina Brütsch mit einem strahlenden Lächeln.

Sie, die 22-jährige Stürmerin, ist massgeblich am Höhenflug beteiligt. Gegen Schlusslicht Aarau bereitete sie den ersten und fünften Treffer vor, und in der 28. Minute war sie nach schnellem Antritt persönlich für das 2:0 besorgt. Es war ihr siebtes Tor im achten Spiel, was die Topskorerin des FCL stutzig macht: «Eigentlich fühle ich mich nicht als eiskalte Angreiferin, ich weiss nicht genau, was derzeit passiert. Ist es Können oder Glück?»

Die junge Frau sei hiermit beruhigt: Ihre Erfolgsquote ist definitiv zu grossen Teilen auf ihre Qualität zurückzuführen. Oder um es mit den Worten ihres Trainers Glenn Meier zu sagen: «Irina hat bei uns einen enormen Stellenwert. Sie lebt von der Physis, braucht wenig Chancen und ist ein Teamplayer. Irina ist für uns unverzichtbar.»

Abstecher für eineinhalb Jahre in die USA

Doch wer ist diese Irina Brütsch, die erst seit dem letzten Winter beim FC Luzern spielt? Fussballerisch gross geworden ist sie beim FC Zürich. Eingestiegen als E-Juniorin schaffte sie es bis ins NLA-Team, gewann mit dem FCZ den Meistertitel und hatte Einsätze in der Champions League. «So richtig angekommen bin ich in der Mannschaft aber nicht, ich war nie Stammspielerin», erzählt sie und begründet damit auch gleich ihren Drang nach Veränderung.

Für eineinhalb Jahre dislozierte sie in der Folge in die USA, führte dort ihr Studium der Gesundheitswissenschaften fort und spielte für Johnson City College Fussball. «Alles war viel professioneller, der Fussball unterscheidet sich im Vergleich zu unserem aber nicht gross.» Die acht bis neun Trainingseinheiten in der Woche haben die Stadtzürcherin aber weitergebracht und sie auch auf ihre Leaderrolle in Luzern vorbereitet. «Beim FCL gefällt es mir sehr gut. Der Trainer zeigt mir gegenüber Vertrauen und Wertschätzung.»

Besinnung am Sonntag in der Kirche

Speziell: Irina Brütsch ist erst beim FCL zur Stürmerin umfunktioniert worden. Bis zu den U18-Juniorinnen sei sie Goalie gewesen, später Innen- und Aussenverteidigerin, dann auch noch Flügel, ehe sie nun in der vordersten Linie angekommen ist. «Diese Position passt mir», sagt sie mit Blick auf ihre Torstatistik wenig überraschend. Gemeinsam mit Toptalent Géraldine Reuteler bildet sie ein sich gut ergänzendes und harmonierendes Sturmduo, das in dieser Saison noch manche gegnerische Abwehr in Verlegenheit bringen kann.

Und nun? Macht der Vorstoss auf Rang eins Lust auf mehr? Brütsch bleibt vorsichtig: «Wir nehmen Spiel für Spiel, wissen um unser schmales Kader.» Aber sie sagt auch: «Ich hoffe, die Titel kommen noch.» Zur Entspannung geht sie am Sonntagvormittag jeweils gerne in die Freie Evangelische Kirche. «Im Glauben finde ich Ruhe und die Überzeugung, dass alles kommt, wie es kommen muss.» Wer weiss, was dies für den FCL in dieser Saison noch zu bedeuten hat.


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