Kommentar

FCL: Costas Kosten mit fatalen Folgen

Sportreporter Daniel Wyrsch zur Trennung des FC Luzern von Ricardo Costa.
16. Juni 2017, 05:00

Positiv ist, dass der FC Luzern mit Ricardo Costa eine Lösung gefunden hat. Denn schon früh war in der letzten Saison zu sehen: Der portugiesische Ex-Internationale konnte die hohen Erwartungen in seine Leistungen nicht erfüllen.

Obwohl Costa trainingsfleissig war und als professionelles Vorbild für die Jungen durchaus seine Berechtigung hatte, spielte er auf dem Platz nicht jene Rolle, die ihm zugedacht war. Von einem Abwehrchef konnte nicht die Rede sein, zu fehlerhaft agierte der ehemalige Champions-League-Sieger.

Die FCL-Verantwortlichen liessen sich von längst vergangenen Triumphen blenden. Einem schon damals über 35-Jährigen einen für hiesige Verhältnisse hoch dotierten Zweijahresvertrag plus Option für ein drittes Jahr zu geben, ist für einen Verein wie Luzern eine fatale Fehlinvestition.
Alles in allem kostet das Missverständnis mit Costa den FCL wohl rund eine Million Franken. Der damalige Sportkoordinator Remo Gaugler, Trainer Markus Babbel und Verwaltungsrat Marco Sieber stehen dafür in der Verantwortung.

Ein anderer Profi, Markus Neumayr, der dauernd davon sprach, wie sehr es ihm beim FCL und seiner Familie in der Innerschweiz gefalle, verlässt den Verein nun in Richtung Kasimpasa Istanbul. Erst im Januar hatte der Mittelfeldspieler noch im Poker mit Sion und der Türkei einen verbesserten neuen Zweijahresvertrag bis 2019 in Luzern bekommen.

Solche Vertragsaufbesserungen gehören beim FCL hoffentlich der Vergangenheit an. Die Lage des Vereins lässt es nicht zu: Zu schlecht wurde in den letzten Jahren gewirtschaftet. Hauptgeldgeber Bernhard Alpstaeg hat bereits zu viele Millionen-Defizite gedeckt und will den Verlust verringern. 
Schade ist auch, dass junge Talente wie Nicolas Haas und Cendrim Kamaraj den Verein früh verlassen. Zudem verpasste es der FCL, talentierte Spieler von Vereinen in der Region zu verpflichten. Mit Chris Kablan wechselt bereits der dritte Spieler in drei Jahren von Kriens nach Thun. Dabei sollte der FCL nach dem Vorbild FC Thun auf solche Jungprofis setzen und sich nicht mehr auf teure und ungewisse Abenteuer wie Costa einlassen. Hier hat der neue Sportkoordinator Remo Meyer noch viel Arbeit vor sich.

Daniel Wyrsch, Sportreporter

daniel.wyrsch@luzernerzeitung.ch


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