Das Duell der ungleichen Brüder

FUSSBALL ⋅ Christian und Marco Schneuwly treffen heute beim Spiel zwischen dem FC Luzern und dem FC Sion aufeinander. Beide haben kürzlich einen Trainerwechsel erlebt – mit total unterschiedlichen Folgen.
Aktualisiert: 
15.04.2018, 12:00
15. April 2018, 11:00

Raphael Gutzwiller

raphael.gutzwiller@luzernerzeitung.ch

Wer in Luzern den Namen Schneuwly hört, denkt noch immer zuerst an Marco Schneuwly (33). An jenen Stürmer, der in drei Saisons für den FC Luzern unglaubliche 68 Pflichtspieltore erzielte. Als der FCL Anfang 2016 den jüngeren Schneuwly, Christian (30), verpflichtete, titelte unsere Zeitung: «FCL holt Schneuwlys Bruder». Sinnbildlich: Im Zentrum bei den Schneuwlys steht jeweils der Stürmer mit dem Torriecher statt des kämpferischen Flügelspielers.

Inzwischen ist von den beiden Brüdern aus Wünnewil im Kanton Freiburg nur noch Christian beim FC Luzern, im Sommer verliess Marco die Innerschweiz. Er schloss sich wegen eines längeren und höher dotierten Vertrags Sion an, wo er unverhofft gegen den Abstieg kämpfen muss. Sein Verein liegt am Tabellenende und will deshalb heute gegen den FC Luzern unbedingt siegen.

Marco Schneuwly ist derzeit nur noch zweite Wahl

Damit kommt es heute zum Bruder­duell. «Natürlich ist es speziell, gegen den eigenen Bruder zu spielen», sagt der Luzerner Christian. Zwar sind die beiden Fussballer schon mehrfach aufeinandergetroffen, die Situation ist nun aber diesmal doch anders, da Marco Schneuwly mit dem FC Sion in akute Abstiegsnot geraten ist. «Klar hoffe ich als Bruder nicht, dass der FC Sion mit Marco absteigt. Ich will ja, dass es meinem Bruder gut geht», sagt Christian.

Für 90 Minuten sind sie heute mehr Gegenspieler als Brüder. «Aber man kann sicher nicht vergessen, dass auf der Gegenseite der Bruder ist. Wenn es zu einem Zweikampf mit Marco kommt, bin ich mir dennoch sicher, dass ich den Zweikampf so durchziehen werde wie gegen jeden anderen Gegenspieler auch», so Christian Schneuwly, der bereitwillig Auskunft gibt. Bruder Marco dagegen will sich im Moment hundertprozentig dem Fussball widmen und beantwortet derzeit keine Medienanfragen. Denn Marco Schneuwlys Situation ist nicht nur aufgrund der Tabellensituation schwierig. In den letzten vier Spielen ist er vom neuen Trainer Maurizio ­Jacobacci nicht mehr in die Startelf ­be­ordert worden. Beim 2:0-Sieg gegen Lausanne verfehlte der eigentliche Torjäger nach der Einwechslung sogar zweimal das leere Tor. «Wenn man in der Krise ist und im Abstiegskampf steckt, ist es logisch, dass der Trainer auch mal Änderungen in der Aufstellung vornehmen will», sagt sein Bruder Christian.

Auch beim FC Luzern hat es zum Jahresanfang einen Trainerwechsel gegeben. Und seit Gerardo Seoane das Zepter beim FCL übernommen hat, läuft es für Flügelspieler Christian Schneuwly rund: In den ersten drei Spielen traf er sogleich, zudem ist er in der Stammelf gesetzt. Zuletzt führte er den FCL sogar mehrfach als Captain aufs Feld. «Mir hat der Trainerwechsel sicher gutgetan», äussert sich der jüngere der beiden Schneuwlys. «Dass die Leistungen zuletzt so gut waren, macht mich stolz.» Er zählt als inzwischen auch schon 30-Jähriger zu den Teamsenioren. «Ich versuche jeweils als Leader voranzugehen, sei es neben dem Platz oder auch auf dem Platz mit einer guten Leistung, einer guten Körpersprache und mit Kampfgeist.»

Das will er auch heute wieder, ganz egal, ob sein Bruder von Beginn weg auf dem Feld steht oder nicht. Gibt es im Vorfeld eines solchen Bruderduells eigentlich keine Nickligkeiten? «Nein, die gibt es nicht», sagt Christian Schneuwly. «Es wäre in der jetzigen Situation auch völlig falsch, das Spiel mit Humor zu nehmen. Es ist für beide Mannschaften zu wichtig.» Die Offensivspieler hören sich häufig per Telefon, aber nicht im direkten Vorfeld des Spiels: «Die taktischen Ausrichtungen erfahren wir voneinander nicht.»


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