Analyse

Der FCL setzt sein Geld falsch ein

08. Mai 2017, 21:25

Luzern-Trainer Markus Babbel schlägt verbal um sich. Er attackiert seine Mannschaft, als gäbe es kein Morgen. Die FCL-Führung will sich derzeit gar nicht äussern.

Der FCL hat am Samstag in Thun nicht nur eine blutleere Vorstellung geboten, sondern beim 1:3 bereits die dritte Niederlage in Serie bezogen. Während formstarke Luganesi die Luzerner von Platz 4 verdrängten, kommt Babbels Team in der Rückrunde nicht auf Touren: Es steht in der Tabelle der zweiten Saisonhälfte nach 13 Partien mit 14 Punkten an siebter Stelle. Nur die schwächsten Klubs der Saison – St. Gallen (13), Lausanne (12) und Vaduz (10) – holten weniger Zähler.

Babbel scheint von dieser Bilanz kaum überrascht zu sein. «Schon seit dem ersten Tag der Vorbereitung auf die Rückrunde präsentiert sich die Mannschaft mental tot», stellte er am Sonntag fest, nachdem er bereits tags zuvor in Thun verkündet hatte: «Wir sind überhaupt keine Einheit.» Von Einheit zwischen Trainerstaff und Team wird derzeit auch nicht viel übrig geblieben sein, wenn Babbel erzählt, er habe der Mannschaft mitgeteilt: «Das Trainerteam ist raus. Jetzt müsst ihr das selber klären.» Heisst: Die internen Probleme müssten die Spieler untereinander lösen. Provoziert der Bayer gar seinen vorzeitigen Abgang? Babbels Vertrag hat noch mehr als ein Jahr Gültigkeit. Trennt sich der FCL von ihm, würde er eine stolze Abfindung kassieren.

Babbel legt die Hand zu Recht in die Wunde, macht sich den Job aber etwas gar einfach. Er ist als Cheftrainer angestellt. Er bekommt beim FCL, den er in diesen Tagen im Vergleich zu seinen grossen Ex-Vereinen abermals als «Kindergeburtstag» bezeichnet hat, eine schöne sechsstellige Summe pro Saison. Er hat mit Co-Trainer Patrick Rahmen, Videoanalyst Michael Silberbauer, Konditionstrainer Christian Schmidt und Goalietrainer Daniel ­Böbner vier Leute an der Seite.

Erkennt Babbel trotz der Hilfe nicht, welche Spieler seine Mannschaft weiterbringen und welche nicht? Nein, der Ex-Bayern-Profi weiss das sehr wohl. Er hat ein gutes Auge für Fussballer, aber er hat zu lange die alles andere als eine Leistungskultur fördernde Klubpolitik mitgetragen. Beispiele gefällig? Mit dem stagnierenden Ver­teidiger François Affolter hatte er im Herbst abgeschlossen. Weil der Bieler aber von Ex-Sportchef Alex Frei einst einen gut dotierten Viereinhalbjahres-Vertrag bis Mitte 2018 bekommen hatte, entschied die Führung im Winter, Affolter zu behalten. Denn kein Klub wollte ihn mit diesem Kontrakt übernehmen. Babbel lässt ihn seither wieder spielen – und grobe Fehler wie in Thun machen.

Vor dem Transfer von Ricardo Costa muss sich Babbel zu wenig informiert haben. Dass er sich vom Champions-­League-Titel des Portugiesen blenden liess, gilt nicht. Costa trug zu diesem Triumph von Porto ein paar Vorrundeneinsätze bei. 13 Jahre sind seither vergangen, eine Ewigkeit im Fussball. Wie ein Rentner spielt Costa heute denn auch: Der im Klub hoch­gelobte Abwehrchef kommt oft zu spät. In Luzern ist Costa der bestbezahlte Spieler. Er hat ein zweites Vertragsjahr plus Option für eine dritte Saison. Zu verantworten haben die Verpflichtung des nun bald 36-Jährigen: Ex-Sportkoordinator Remo Gaugler, Babbel und Verwaltungsrat Marco Sieber.

Für Costa musste der zwei Jahre jüngere Tomislav Puljic gehen. Schon einmal hatte der FCL – unter Frei – den Kroaten fortgeschickt. Zurückgeholt trug er wesentlich zum Ligaerhalt in der Rückrunde 2014/15 bei. An der Freistellung von Puljic war erneut Verwaltungsrat Sieber beteiligt. Offensichtlich wollte er den torgefährlichen, lang­jährigen Abwehrchef weghaben. Denn Puljic steht Siebers Widersachern, Ex-Präsident Walter Stierli und Ex-Sportchef Rolf Fringer, nahe. Babbel, der Spieler Puljic einiges zu verdanken hat, unterstützte Sieber.

Auf den Punkt gebracht: Der FCL setzt sein Geld falsch ein. Für die unter Babbel freigestellten Puljic, Sally Sarr und Kaja Rogulj bezahlt er zusammen eine halbe Saison lang Lohnkosten von rund 400 000 Franken. Dabei würden sie besser verteidigen als Costa und Affolter, die im Doppelpack pro Halbjahr ähnlich viel kassieren. Grotesk: Dafür müssen CEO Marcel Kälin und Sieber jetzt Torgarant Marco Schneuwly, dessen Bruder Christian sowie Klubtalent Nicolas Haas Discount-Angebote machen. Kein Wunder, steckt der FCL in der Krise.

Daniel Wyrsch, Sportredaktor

daniel.wyrsch@luzernerzeitung.ch


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