Der Mann mit dem Näschen

FUSSBALL ⋅ Luzern steht heute (19 Uhr) im Heimspiel gegen Sion unter Druck: Nach drei verlorenen Pflichtspielen in Folge muss das Schlusslicht siegen. Marco Schneuwly spielt erstmals mit Sion in Luzern.
02. Dezember 2017, 09:59

Daniel Wyrsch

daniel.wyrsch@luzernerzeitung.ch

Wiedersehen heute in der Swiss­por-Arena mit Ex-FCL-Goalgetter Marco Schneuwly (32). Der Freiburger kehrt erstmals im Dress des FC Sion nach Luzern zurück. Bei den Innerschweizern, die heute als Tabellenschlusslicht siegen müssen, hatte er die erfolgreichste Zeit seiner Karriere verbracht, in drei Saisons total 47 Ligatore erzielt. Im Sommer war aber Schluss beim FCL, bekanntlich waren die Verhandlungen für einen neuen Vertrag über 2018 hinaus gescheitert. Schneuwly fehlte die Wertschätzung der Luzerner Verantwortlichen, und er entschied sich, den weiterlaufenden Einjahresvertrag aufzulösen und nach Sion zu wechseln.

Beim Verein von Christian Constantin hat er einen Zweijahreskontrakt bis Sommer 2019 unterschrieben. Im Wallis hatte er schon die Rückrunde der Saison 2005/06 in der Challenge League bestritten. Er wusste, worauf er sich einlässt. Turbulent waren denn auch die ersten Monate. Nachdem der neue Trainer Paolo Tramezzani mit der Mannschaft sowohl in der Europa-League-Qualifikation gegen Suduva aus Litauen wie auch im Cup gegen Lausanne-Ouchy ausgeschieden war, erhöhte sich der Druck auf die Walliser. Weil sie auch in der Meisterschaft nicht vom Fleck kamen, musste Tramezzani gehen. Aus Barçelonas Nachwuchs verpflichtete Constantin den früheren Barça- und Sion-Profi Gabri (38) als Nachfolger. Doch auch unter dem Katalanen stotterte der Motor anfänglich. Sion ging gegen YB und Basel je 1:5 unter und holte ein 1:1 gegen Zürich. Am letzten Sonntag im Heimspiel gegen GC platzte der Knoten erstmals unter Gabri, Sion fügte den Zürchern seit der Ankunft von Coach Murat Yakin die erst zweite Niederlage zu.

Schneuwly trifft beim ersten Sion-Sieg unter Gabri

Neben dem belgischen Doppeltorschützen Ilombe Mboyo steuerte Schneuwly einen Treffer zum befreienden 3:0-Sieg bei. Dadurch hat sich Sion vom Tabellenende verabschiedet, wo Luzern seit dieser Woche mit drei Punkten Rückstand auf die Walliser (7.) alleine steht. «Wir haben sicher Qualität, das haben wir schon gezeigt. Nun müssen wir endlich konstant werden», sagt der ältere Bruder von FCL-Profi Christian Schneuwly (29).

Marco Schneuwly hat nach 16 Runden fünf Treffer auf seinem Konto. Vor einem Jahr beendete er die Vorrunde (18 Spiele) in Luzern mit zehn Toren. Beim FCL nannten ihn die Mitspieler «Killer» – wegen seiner Kaltblütigkeit vor dem Tor. Doch FCL-Trainer Markus Babbel stand nicht bedingungslos hinter Schneuwly, in der Rückrunde kritisierte er den Stürmer immer öfter. Schneuwly sei lauffaul, lautete die Hauptkritik. So kam die Nummer 15 gegen Schluss der Saison immer weniger zum Einsatz und erzielte in der zweiten Saisonhälfte lediglich vier Tore. Im Saisontotal gab das 14 Treffer. Doch auch Babbels Team sammelte acht Punkte weniger als in der Vorrunde und beendete die Saison auf Platz 5.

Seit der Torgarant weg ist, ging der Abwärtstrend beim FCL ungebremst weiter. Hat Babbel keine Angst, dass Schneuwly Luzern heute abschiesst? Der Trainer sagt: «Im ersten Spiel in Sion hat Marco eine Chance vernagelt.» Er sei ein guter Spieler, zwar kein Dribbler, «aber er hat das Näschen». Doch die Luzerner Abwehrleute würden Marco Schneuwly kennen.


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