Geschmacklose Aktion von FCL-Fans

LUZERN / ST. GALLEN ⋅ Fans des FC Luzern erlaubten sich im Vorfeld des Spiels in St. Gallen eine geschmacklose Aktion. Diverse Internet-Plattformen reagieren heftig darauf. Den FCL-Anhängern drohen möglicherweise juristische Konsequenzen.

Beim Auswärtsspiel des FC Luzern in St. Gallen leisteten sich einige Mitgereiste am vergangenen Sonntag einen geschmacklosen «Scherz». Beim Marsch vom Ankunftsort des Extrazugs bis zum Stadion verkleidete sich einer als orthodoxer Jude mit Tracht, Schläfenlocken und mit St.-Gallen-Schal und wurde symbolisch gejagt. Schon seit Jahren kommt es immer wieder zu antisemitischen Gesängen bei Duellen dieser beiden Vereine – allerdings auf beiden Seiten.

FCL distanziert sich vom Vorfall

Der FCL sah sich genötigt, auf Facebook ein offizielles Statement zu diesem Vorfall zu veröffentlichen: «Der FC Luzern, alle seine Spieler und Funktionäre distanzieren sich in aller Schärfe vom rassistischen Auftritt einiger Personen in St. Gallen. Der Fussball mit all seinen Clubs und der Sport allgemein dürfen nicht für religiöse und politische Propaganda missbraucht werden.»

Ein Fotograf, der mit der Fanszene verbunden ist, hatte die Aktion fotografiert und das Bild im Internet veröffentlicht. Mittlerweile hat er das Foto zwar von seiner Seite gelöscht, aber im Netz macht das Bild bereits die Runde. Längst nicht alle FCL-Fans heissen die Aktion gut: Die «Judenjagd» wird auch im Fanforum des FCL kontrovers diskutiert – diejenigen, die es unfassbar dumm finden, sind deutlich in der Überzahl.

Möglicherweise juristische Konsequenzen

Der Auftritt der Luzerner Fussballfans vor der AFG-Arena in St. Gallen hat möglicherweise juristische Konsequenzen. Die Polizei untersucht, ob die Fans gegen die Antirassismus-Strafnorm verstiessen, als sie einen als Juden verkleideten Fan vor sich hertrieben.

Die Aktion sei friedlich gewesen, wahrscheinlich habe es sich dabei um einen Fasnachts-Scherz gehandelt, sagte Dionya Widmer, Sprecher der St. Galler Stadtpolizei. Die Aufnahmen der fest installierten Überwachungskameras würden momentan ausgewertet. «Wir untersuchen, ob Personen gegen die sogenannte Antirassismus-Strafnorm, das heisst gegen den Artikel 261 des Strafgesetzbuches, verstossen hat», sagte Widmer.

«Diese Aktion hat überhaupt nichts mit Fasnacht zu tun», hält FCL-Sprecher Max Fischer in einem Communiqué vom Freitagabend fest. Der FC Luzern verurteilt die Aktion in St. Gallen mit aller Deutlichkeit. Der FC Luzern werde rund ums Heimspiel gegen den FC Aarau ein Zeichen gegen Antisemitismus, Diskriminierung, Rassismus und Gewalt setzen. Der Sport dürfe nicht für politische und religiöse Zwecke missbraucht werden.

Auch die Fanorganisation United Supports Luzern (USL) distanziert sich in einer Mitteilung vom Freitagabend von den antisemitischen Vorkommnissen in St. Gallen. Die USL setze sich seit ihrer Gründung vor zehn Jahren mit Vehemenz dafür ein, dass in der Luzerner Fankurve politischer Extremismus und Diskriminierungen aller Art keinen Platz mehr hätten.

Der Vorfall in St. Gallen sei ein Rückschlag, bei dem es sich um eine derbe und pietätlose Provokation Richtung St. Gallen handle, die vor dem Hintergrund der besonderen Geschichte zwischen den beiden Vereinen in den letzten 15 Jahren erfolgt sei. Gemäss USL sei es in den letzten Jahre in der Luzerner Fankurve zu keinen gravierenden rassistischen und antisemitischen Vorfällen gekommen. Die USL bedauert es sehr, dass sie beim Vorfall zu wenig schnell eingegriffen und das Problem erst im Stadion in den Griff bekommen habe. Man sei daran, die Vorkomnisse intern aufzuarbeiten, heisst es weiter.

red/shä/sda/rem


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