FCL gewarnt vor Spielmann und Co.

FUSSBALL ⋅ Friede, Freude, Eierkuchen herrscht derzeit beim FC Luzern, aber am Sonntag (16 Uhr) gilt es wieder ernst in der Meisterschaft: Der offensiv überraschend stark auftretende FC Thun ist zu Gast.
09. September 2017, 08:43

Daniel Wyrsch

daniel.wyrsch@luzernerzeitung.ch

Während beim FC St. Gallen ein Machtkampf im Verein tobt und bei GC nach dem überraschenden Trainerwechsel Murat Yakin vor seinem Debüt morgen zu Hause gegen Sion steht, herrscht beim FC Luzern ungewohnte Ruhe. So konnte Trainer Markus Babbel seinen 45. Geburtstag gestern zusammen mit Ehefrau Tina, drei seiner Kinder und der eigenen Mutter entspannt bei einem Frühstück feiern.

Zwar hat Babbel die Vertragsverlängerung mit dem FCL noch nicht in der Tasche, aber nach dem guten Saisonstart mit einer deutlich verjüngten Mannschaft hält der Bayer gute Karten in der Hand. In Luzern herrscht quasi Friede, Freude, Eierkuchen. Von zu viel Stille und Harmonie will Babbel allerdings nichts wissen. «Im Fussball kann der Wind schnell drehen», warnt er.

Spielmann mit fünf Toren in den letzten drei Ligapartien

In der 14-tägigen Länderspielpause ist Babbel auch nicht entgangen, dass der nächste Gegner mit einem Senkrechtstarter im Angriff am Sonntag (16 Uhr) in der Swisspor-Arena gastiert. Marvin Spielmann ist der Name des 21-jährigen Thun-Stürmers, der in den letzten drei Spielen fünf Tore erzielt hat. Der technisch versierte und schnelle U21-Internationale spielt seit Ende Februar bei den Berner Oberländern, zuvor gehörte der gebürtige Oltner bis zum Ausstieg der türkischen Besitzer dem FC Wil. Doch beim FCL-Coach steht ­der schweizerische-kongolesische Doppelbürger nicht allein auf dem defensiven Radar. Babbel: «Nicht nur Marvin Spielmann ist bei uns im Fokus, Thun ist ein Team, das von der mannschaftlichen Geschlossenheit lebt. Wenn alle Spieler funktionieren, dann ist das ein höchst unangenehmer Gegner.» Das mussten bereits die Young Boys und die Lausanner feststellen, nachdem die Thuner sie 4:0 und 5:2 besiegt hatten. Jedoch waren diese beiden Partien die einzigen mit gewonnenen Punkten für Thun. Gegen Sion (0:1), Zürich (1:2), Basel (0:3) und Lugano (1:4) setzte es lauter Niederlagen ab. Thun belegt Platz 8 mit sechs Punkten – das Torverhältnis von 11:12 ist untypisch für den Verein. Zusammen mit YB und Basel hat das Team des Neo-Trainers Marc Schneider (37) am meisten Tore erzielt, dafür aber auch am zweitmeisten Gegentreffer der ganzen Liga kassiert.

Da kommt der mit neun Zählern viertplatzierte FCL wesentlich ausgeglichener daher mit 8:7 Toren. In der Defensive macht Babbel «die Laufbereitschaft der gesamten Mannschaft» für die lediglich sieben Gegentreffer (1,16 pro Match) verantwortlich. Offensiv agierten die Innerschweizer allerdings noch nicht überzeugend. Von den acht markierten Treffern ist eines ein Eigentor von Basels Elyounoussi gewesen. Die restlichen sieben Tore sind auf sechs verschiedene Schützen verteilt. Passt das einem Trainer, wenn ein Team das Toreschiessen auf mehrere Leute verteilt, statt bloss einen Goalgetter zu haben? «Wenn einer 30 Tore macht, bin ich ­­ auch happy», antwortet Babbel. «Wichtig ist, dass wir weiter daran arbeiten, um uns noch mehr Torchancen zu erarbeiten.» Seine Mannschaft habe zwar oft Dominanz an den Tag gelegt, «doch im letzten Drittel des Spielfeldes müssen wir es schaffen, uns noch mehr Torchancen zu kreieren».

Juric hat Schneuwlys Rolle noch nicht übernommen

In den ersten sechs Runden konnte Tomi Juric (26) den zu Sion gezogenen Ex-FCL-Goalgetter Marco Schneuwly (32) nicht ersetzen. Juric hat zwei Tore (wovon ein Penalty) auf dem Konto. Babbel ist froh, dass der australische Internationale in der WM-Qualifikation ein Tor zum 2:1-Sieg über Thailand beigesteuert und Selbstvertrauen getankt hat. Er lobt den Spirit von Juric: «Tomi ist immer anspielbar und macht die Wege in die Tiefe. Wichtig ist, dass er weiterhin so rackert.»

Gegen Thun fordert Babbel von seinen Profis neben Engagement Geduld und Cleverness. «Denn wenn man den Thunern Räume gibt und einfache Fehler begeht, dann haben sie Leute mit Speed wie Spielmann, Tosetti, Sorgic und Rapp, die schnell im Umschaltspiel sind. Die lauern auf Fehler, damit können sie dem Gegner extrem wehtun.»

Aus Sicht von Babbel und des FCL ist zu hoffen, dass Torhüter Jonas Omlin (23) und die jungen Vorderleute Marvin Schulz (22) und Stefan Knezevic (20) oder Yannick Schmid (22) im Abwehrzentrum weiterhin dichthalten. Damit die Ruhe in Luzern anhält.


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