Hakan Yakin: «In Murats Fokus steht der Erfolg»

FUSSBALL ⋅ Der FC Luzern tritt morgen (16 Uhr) auswärts gegen GC an. Dort ist Ex-FCL-Spielmacher Hakan Yakin (40) Assistenztrainer. Er spricht über Murat Yakin, Gerardo Seoane und die eigene Trainerarbeit.
10. Februar 2018, 13:07

Interview: Daniel Wyrsch

daniel.wyrsch@luzernerzeitung.ch

Hakan Yakin, GC ist mit einem 3:1-Sieg in Sion gut aus den Startlöchern gekommen. Ist die Mannschaft bereits in Form?

Wir müssen die Leistung von Sion bestätigen, uns ist es in diesem Match optimal gelaufen. Luzern hat ja ebenfalls das Startspiel nach der Winterpause gegen Lausanne gewonnen und scheint bereit zu sein.

Sie sprechen es an, am Sonntag kommt es für Sie zum Wiedersehen mit dem FC Luzern.

Für mich ist es immer schön, wenn wir auf den FCL treffen. Ich habe sehr gute Erinnerungen an meine Zeit in Luzern.

Eine Saison spielten Sie beim FCL mit dem neuen Trainer Gerardo Seoane zusammen.

Ja, ich gönne es Gerry, dass der Verein ihm das Vertrauen gegeben hat. Er hatte zuvor lange die U21 trainiert und dort gute Arbeit geleistet. Er hat die Beförderung verdient, sie kommt zudem im richtigen Moment, da der Klub mit jungen Spielern arbeitet. Der FCL ist meiner Meinung nach auf dem richtigen Weg.

Ihr Bruder Murat Yakin ist kürzlich zum besten Trainer der Super League gewählt worden, nachdem er im letzten Jahr Schaffhausen und GC stark gemacht hat. Warum ist er so erfolgreich?

Er ist nicht nur mit Schaffhausen und GC erfolgreich, er leistete bei jedem seiner Schweizer Klubs sehr gute Arbeit. In seinem Fokus steht immer der Erfolg. Er ist ein Trainer, der Woche für Woche erfolgsorientiert arbeitet. Die Mannschaft ist so eingestellt, dass sie im Match nicht überrascht wird. Wir werden Luzern nicht unterschätzen. Der Gegner hat viele junge Spieler und einen neuen Trainer – wir werden auf den FCL vorbereitet sein.

Murat Yakin gilt als «harter Hund» und Taktikfuchs.

Er braucht eine Mannschaft, die willig ist. Auf einzelne Spieler nimmt er keine Rücksicht, ein gut funktionierendes Team ist für ihn das Wichtigste. Die Spieler müssen sowohl defensiv wie offensiv agieren können. Das Spielsystem ist auf die Spielertypen ausgelegt, die er zur Verfügung hat.

Sie sind sein Assistent. Es heisst, Sie kümmern sich im Training vor allem um die Offensivspieler. Wie kann man sich die Zusammenarbeit mit Murat vorstellen?

In erster Linie unterstütze ich ihn, er ist der Cheftrainer. Wenn wir Gruppen machen, ist er als Ex-Verteidiger meist für die defensiven Leute zuständig, ich arbeite dann mit den Angreifern, welche die Tore machen müssen.

FCL-Stürmer Shkelqim Demhasaj hat Ihre Stürmertrainings beim FC Schaffhausen explizit gelobt. Sie waren ein Instinktfussballer, haben Sie ihm die richtigen Laufwege erklärt?

Wichtig ist zuerst einmal, den Stürmern Selbstvertrauen zu geben. Die Laufwege zu erklären, ist ein Teil des Jobs. Aber dafür braucht es die ganze Mannschaft. Mit Gjelbrim Taipi haben wir jetzt einen Spieler, der die Bälle in die Schnittstelle spielen kann. Im Training bereiten wir die Spieler so vor, dass sie im Spiel nicht überrascht werden. Als Stürmer wirst du an den Toren gemessen. Der Instinkt ist wichtig, du kannst dem Stürmer drei mögliche Abschlussvarianten vorgeben, vor dem Tor muss er letztlich selber entscheiden, wie er den Ball reinmachen will. Das Bauchgefühl entscheidet.

Ist die Zeit der Strassenfussballer, wie Sie einer waren, vorbei?

Heute wird ein anderer Fussball gespielt, eine Mannschaft funktioniert als Kollektiv. Wenn nur ein Spieler nicht mitmacht, passt das Puzzle nicht mehr zusammen. Ein Spielertyp, wie ich einer war, würde wohl nicht mehr in die heutigen Teams passen. Klassische Zehner gibt es nicht mehr.

Trotzdem schwärmen die Fussballfans in Luzern immer noch von den herausragenden spielerischen Qualitäten der Nummer 10 Hakan Yakin.

Solche Komplimente höre ich gerne. (schmunzelt) Wie gesagt, die Zeit in Luzern war schön, ich fühlte mich stets wohl beim FCL.

Es heisst, dass Sie als Trainer Potenzial haben. Wann werden Sie zum ersten Mal ein Profiteam führen?

Diese Frage wird mir immer wieder gestellt. Ich führte schon eine U15 und U18. In Schaffhausen und jetzt bei GC habe ich viel von Murat lernen können. Ich sehe den extremen Aufwand, den ein Cheftrainer in der Super League hat, und kann enorm vom Bruder profitieren. Ich bin überall involviert, so wie Raphael Wicky in Basel, bevor er dort Cheftrainer geworden ist. Neben Basel haben sich auch Thun, Luzern und nun Sion für einen Trainer aus dem Klub entschieden. Irgendwann wird meine Chance kommen.

Zurück zum Heimspiel gegen Luzern: Hat GC die drei Punkte bereits budgetiert?

Budgetieren kann man das nicht, klar ist, dass wir auf Sieg spielen müssen und die drei Punkte in Zürich behalten wollen.


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