Innenverteidigung als Baustelle

FC LUZERN ⋅ Nach der Trennung von Ricardo Costa (36) sucht der FC Luzern einen neuen Abwehrchef. Doch nicht nur in der Innenverteidigung gibt es Fragezeichen.
16. Juni 2017, 05:00

Raphael Gutzwiller

raphael.gutzwiller@luzernerzeitung.ch

Es war ein Knall im Umfeld des FC Luzern am Dienstagabend, als bekannt wurde, dass Abwehrchef Ricardo Costa (36) nicht mehr für den FCL aufläuft. Der noch ein Jahr gültige Vertrag des FCL-Topverdieners wurde per sofort aufgelöst. Ganz gratis dürfte er nicht gegangen sein, der FCL überweist Costa als Abfindung wohl noch bis zu sechs Monatslöhne.

Zwar wird einer der fehleranfälligsten Innenverteidiger der letzten Saison künftig nicht mehr für den FCL auflaufen, die Innenverteidigung bleibt dennoch eine Baustelle im Hinblick auf die neue Saison – nach der Vertragsauflösung von Costa sogar mehr denn je. Der neue Sportkoordinator Remo Meyer sagt: «Wir werden uns hinten sicher noch verstärken. Momentan laufen intensive Gespräche.»

Wäre Schindelholz überhaupt fit genug?

Meyer machte nie einen Hehl daraus, dass er eine Leaderperson im Zentrum vermisst. Wenig überraschend deshalb, dass er einen Routinier nach Luzern holen will. Im Gespräch ist unter anderem der 29-jährige Thun-Spieler Nicolas Schindelholz. Bei ihm ist jedoch die Frage nach der Fitness erlaubt. Schindelholz absolvierte in der abgelaufenen Saison für Thun nur zehn Partien. Die restlichen 26 Meisterschaftsspiele verpasste er wegen diverser Verletzungen. Zuletzt sogar mit einem Kreuzbandriss. Rasche Verstärkung sieht anders aus.

Gerüchte über eine Verpflichtung gab es auch bei Mario Bühler (25) vom FC Vaduz. Daraus dürfte aber nichts werden. Zwar hätte der Spieler grosses Interesse, der Verein wohl aber nicht. Der FCL will lieber einen erfahrenen Spieler holen.

Viele junge Verteidiger beim FCL

Denn junge Innenverteidiger hat der FCL genug. Der vielversprechendste davon ist Stefan Knezevic. Der 20-Jährige konnte sich in der Rückrunde einen Stammplatz erkämpfen. Daneben holte der FCL Yannick Schmid (22) zurück, der in seiner Leihsaison in der Challenge League beim FC Wohlen 20 Partien bestritten hat. Bei ihm wird es darauf ankommen, wie schnell er sich an die höhere Liga akklimatisieren kann. Mit U21-Nationalspieler Remo Arnold kann ein weiterer junger Spieler in der Innenverteidigung eingesetzt werden.

Unklar ist die Situation bei Winterneuzugang Lucas Alves (24). Nach acht starken Einsätzen verletzte sich der Brasilianer unglücklich und schwer. Wie Remo Meyer sagt, wisse man noch nicht, wie lange der Innenverteidiger genau ausfällt. Ihn könnte man aber auf jeden Fall gut gebrauchen. Denn der einzige über 25-jährige Innenverteidiger, der noch im Kader steht, ist François Affolter (26). Einer also, bei dem auch Remo Meyer sagt, dass seine Leistungen seit Jahren zu wenig gut sind. Mangels Alternativen wird er aber auch in der kommenden Saison zum Kader gehören müssen. Sein Ende Jahr auslaufender Vertrag dürfte aber nicht verlängert werden.

Bei allen Diskussionen um die Innenverteidigung beim FCL geht beinahe vergessen, dass auch das zentrale Mittelfeld alles andere als gefestigt ist. Das junge Talent Nicolas Haas (21) ist bereits bei Atalanta Bergamo untergekommen, Spielmacher Markus Neumayr vor dem Abgang in Richtung Türkei zu Kasimpasa Istanbul. Und auch der wichtigste zentrale Mittelfeldspieler der letzten Saison, der Kämpfer Hekuran Kryeziu (24), ist auf dem Sprung ins Ausland. Der kosovarische Nationalspieler will mit dem FCL kaum gegen den Abstieg spielen müssen – was derzeit jedoch absehbar scheint.

Ebenfalls noch viele Unklarheiten für die neue Saison gibt es im Sturm. Tomi Juric (25) will sich mit der australischen Nationalmannschaft am Confed-Cup, der morgen in Russland eröffnet wird, Vereinen aus Topligen präsentieren. Bei den ausgeliehenen Offensivspielern Cedric Itten (20, Basel) und Francisco Rodriguez (21, Wolfsburg) entscheiden ihre Vereine. Bei beiden Spielern sind die Gespräche angelaufen. Wohl bald weg sein wird Marco Schneuwly (32). Der 14-fache Torschütze der abgelaufenen Meisterschaft dürfte problemlos einen Verein in der Schweiz finden.


Leserkommentare

Anzeige: