Die Hierarchie bleibt bestehen

SCHWEIZER CUP ⋅ Beim 1:0-Sieg des FC Luzern gegen den unterklassigen SC Kriens erleben mehr als 6000 Zuschauer ein richtiges Fussballfest. Siegtorschütze für den FCL ist in der 70. Minute Pascal Schürpf.
Aktualisiert: 
12.08.2017, 21:00
12. August 2017, 17:30

Turi Bucher

arthur.bucher@luzernerzeitung.ch

Eine Halbzeit lang vermochte der SC Kriens im Zentralschweizer Cup-Duell dem FC Luzern Paroli zu bieten. Der SCK, dessen fussballerischer Alltag in der dritthöchsten Liga stattfindet, war dem Profiteam des FCL 45 Minuten lang ebenbürtig und begegnete der Luzerner Super-League-Mannschaft auf Augenhöhe. Schon wurde zur Pause in den Zuschauerrängen von einer möglichen Cup-Sensation diskutiert. «Doch dazu hätte es eine 1:0-Führung in der ersten Halbzeit gebraucht», analysierte der Krienser Sportchef Bruno Galliker nach der Partie. 

Die Torchancen waren durchaus da. SCK-Stürmer Nico Siegrist scheiterte in der 25. Minute vor FCL-Torhüter David Zibung, weil Luzerns Hekuran Kryeziu den Ball im letzten Moment blocken konnte. Und hätte derselbe Siegrist in der 42. Minute bei seinem Flachschuss genauer gezielt, dann wäre ..., dann hätte vielleicht ...

So ging es mit einem 0:0 in die Pause in der Swisspor-Arena – wobei die Krienser, die lange Zeit für die Unterhaltung sorgten, in der 45. Minute jedoch Glück hatten, dass der Luzerner Daniel Follonier mit seinem Weitschuss nur das «Lattenkreuz» traf.

Kriens konnte dem Druck des FCL nicht mehr standhalten

Nochmals eine solche Halbzeit und die Sensation wäre tatsächlich möglich gewesen. Aber eine solche zweite Halbzeit liess der FC Luzern nicht mehr zu. FCL-Trainer Markus Babbel muss in der Pause deutliche Worte gefunden haben. Die Luzerner machten von der 50. Minute weg enorm Druck. Nun fanden sich die Krienser minutenlang in die Zone vor dem eigenen Strafraum gepresst. In der 51. Minute zischte der Kopfball von Francisco Rodriguez knapp neben dem Pfosten vorbei. Kriens gab nochmals eine Antwort mit einem Flachschuss von Marco Wiget (52.), dann war die Luft plötzlich draussen. 

Kriens-Verteidiger Fisnik Hasanaj musste in der Folge (57.) beim Torpfosten stehend auf der Linie retten, Luzerns Pascal Schürpf köpfelte knapp daneben (64.), Shkejqim Demhasah hatte auch eine Kopfballchance (65.): Die FCL-Führung wäre nun verdient gewesen, und sie rückte immer näher. 
Der Siegtreffer fiel dann erst in der 70. Minute. Luzern liess am Krienser Strafraum nicht locker. Nach einem Rodriguez-Schuss konnte Kriens-Keeper Sebastian Osigwe nur zur Seite parieren, Schürpf war mit seinen langen Beinen für das 1:0 zur Stelle. So sorgte Schürpf dafür, dass die Hierarchie im Zentralschweizer Fussball bestehen bleibt. Der FC Luzern ist die Nummer 1; der SC Kriens ist die Nummer 2.

«Eine 1:0-Führung für uns hätte in der Mannschaft wohl mehr Kräfte freigesetzt als dieser Rückstand», vermutete der Krienser Präsident Werner Baumgartner nach dem Schlusspfiff. Baumgartner sagte aber auch: «Ich glaube, wir haben die Marke ‹SCK› sehr gut präsentiert.»
Ja, die Krienser waren nach dem 0:1 ziemlich platt, konnten nicht wirklich reagieren. Dass es nach Schürpfs Treffer 24 weitere Minuten spannend und bei diesem Mini-Sieg blieb, war letztlich auch einigen ungenauen FCL-Kontern zuzuschreiben. Schürpf traf in der 82. Minute noch die Latte.

Während Luzern mit einem Steigerungslauf in der 2. Halbzeit die Pflicht erfüllt hatte, können sich die Krienser nun voll und ganz auf die Mission «Challenge League» konzentrieren. Die Partie fand übrigens ohne einen beträchtlichen Teil der FCL-Anhänger statt. Eine Fan-Gruppierung hatte nämlich zum Boykott des Spiels aufgerufen, weil der SC Kriens sich aus finanziellen Gründen dazu entschlossen hatte, trotz Heimrecht im Stadion des FCL zu spielen. Für jene «Fans», welche das Spiel boykottiert hatten, hier also noch die Kurzzusammenfassung: Das Cup-Derby war ein tolles Fussballfest, die Stimmung war unglaublich gut, es hat so richtig Spass und Freude gemacht. 

Kriens – Luzern 0:1 (0:0)
Swisspor-Arena. – 6223 Zuschauer. – SR San.
Tor: 70. Schürpf 0:1.
Kriens: Osigwe; Urtic, Hasanaj, Fanger, Geri; Wiget 
(74. Sulejmani), Schilling, Cirelli (85. Selmani), Costa (66. Allou); Siegrist, Chihadeh.
Luzern: Zibung; Greter, Schmid, Schulz, Lustenberger; Follonier (66. Itten), Ugrinic (66. Custodio), Kryeziu, Schürpf; Rodriguez, Demhasaj (89. Jong).
Bemerkungen: Kriens ohne Fäh, Mangold, Marinkovic, Bürgisser (alle verletzt) und Seferagic (nicht im Aufgebot). Luzern ohne Juric, Schneuwly (beide gesperrt), Alves, Arnold und Schindelholz (alle verletzt). 45. Lattenschuss Follonier. 82. Lattenschuss Schürpf. Verwarnung: 80. Fanger (Reklamieren). 83. Cirelli (Foul). 90. Jong (Foul).

 Kriens-Captain Fanger: «Wir dürfen stolz auf uns sein»

Reaktionen Die Krienser konnten erhobenen Hauptes das Spielfeld in der Swisspor-Arena verlassen. Von den vielen grünweissen Fans wurden sie minutenlang für den tollen Cup-Fight gegen den grossen Nachbarn FC Luzern gefeiert. Eine geschlagene Viertelstunde liess sich gar Nico Siegrist (26) für die Anhänger Zeit. Schliesslich waren ein paar Freunde mit einem riesigen Porträt des früheren FCL-Jungstürmers im Stadion und feuerten ihn an. Der gebürtige Adligenswiler hatte in der ersten Halbzeit zwei gute Chancen für den Führungstreffer des Aussenseiters Kriens auf dem Fuss.

Ausgepumpt kämpfte sich Siegrist bei der Solo-Ehrenrunde über den Rasen. Für ein Interview stellte er sich nicht zur Verfügung. «Ich habe vor dem Cup-Derby genug gesprochen, jetzt sind andere aus unserem Team an der Reihe», meinte der eigenwillige Sportlehrer-Student und entschuldigte sich. 

Kein Unterschied von zwei Spielklassen

Die richtigen Worte für die aufopferungsvolle Darbietung des Vorortsvereins fand SCK-Captain Daniel Fanger (29). «Wir dürfen stolz sein auf unsere Leistung, vor dieser Kulisse schlugen wir uns gut», sagte der Verteidiger. Die Krienser hatten sich vor 6223 Fans tatsächlich hervorragend präsentiert. «Die zwei Klassen Unterschied, die zwischen der Super-League-Mannschaft Luzern und uns, dem Team aus der Promotion League, liegt, habe ich nicht gesehen», stellte Fanger zu Recht fest. «Wir haben dem FCL das Leben schwergemacht», sagte der Ex-Luzern-Profi aus Kriens. Schade fand Fanger, dass die erwähnten zwei Konterchancen nicht den Weg ins Tor gefunden hatten. Wie SCK-Trainer Bruno Berner musste Fanger zugeben: «In der zweiten Halbzeit ist uns irgendwann die Kraft ausgegangen.» 

Während FCL-Coach Markus Babbel in der 66. Minute mit Olivier Custodio und Cedric Itten zwei Stammspieler der ersten Meisterschaftsphase einwechseln konnte, war es Berner nicht möglich, mit Einwechslungen für frische Impulse zu sorgen. Dafür ist sein Kader derzeit doch etwas zu wenig stark besetzt. 

Zum Nutzniesser der intensivierten Bemühungen der Luzern-Profis während der zweiten Halbzeit wurde Pascal Schürpf (28). Seine zweite Topchance nutzte er in der 70. Minute zum 1:0-Siegtreffer. «Das war ein echtes Cup-Derby, die Krienser haben uns die Aufgabe nicht leichtgemacht.» Gefallen hat dem Ex-Basler an der Leistung der Blauweissen, dass sie geduldig geblieben seien und sich durchgesetzt hätten. «Wir hätten noch mehr Tore erzielen können.»

Für Markus Babbel war die Partie, «das erwartet schwierige Cupspiel». Hauptsache, er ist mit seinem Team weitergekommen. Schön war, wie sich am Ende alle lieb hatten. Kriens-Medienchef Thomas Tobler lobte die Zusammenarbeit mit dem FCL in dessen Stadion. Die beiden Coaches umarmten sich, das passte zu diesem fairen Derby.

Daniel Wyrsch

daniel.wyrsch@luzernerzeitung.ch 

  • PHILIPP SCHMIDLI | Fotografie
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Beim Cup-Duell vom Samstag gewann der FCL in der Swissporarena 1:0 gegen den SC Kriens.


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