FCL-Trainer Gerardo Seoane: «Ich atme 24 Stunden Fussball»

FUSSBALL ⋅ Wie erwartet heisst der neue Cheftrainer des FC Luzern Gerardo Seoane. Der 39-jährige Luzerner mit spanischen Wurzeln hat sich seit Jahren auf den Job vorbereitet – und klare Vorstellungen.
Aktualisiert: 
09.01.2018, 20:00
09. Januar 2018, 12:40

Daniel Wyrsch

daniel.wyrsch@luzernerzeitung.ch

Gerardo Seoane (39) war an der Medienpräsentation am Dienstag ein gefragter Mann. Rund 40 Medienschaffende wollten von ihm wissen, warum er das Wagnis eingeht, den FC Luzern in dieser bedrohlichen Lage auf dem vorletzten Tabellenplatz zu übernehmen. «Ich bin absolut überzeugt, dass es gut kommt, dass wir den Abstieg verhindern», antwortete  er. Über sich sagte er, dass er 
24 Stunden Fussball atme. 

Seoane trat im Mediencenter des FCL ähnlich auf wie die letzten Tage auf dem Fussballterrain, wo deutlich zu sehen war, wer der Chef auf dem Platz ist. Der frühere Profi von Luzern, Sion, Deportivo La Coruña, GC und Aarau weiss, was er will. Er ist bestimmend. So machte er den Medienleuten klar, dass er sich mit Fragen vor dem Amtsantritt gar nicht erst beschäftigt und die Energie für anderes einsetzt. So wollte er nicht mehr auf die Vorkommnisse der letzten Woche zurückblicken, als sein Vorgänger Markus Babbel nach der Kritik am Verein freigestellt worden war. «Das ist passé, die Turbulenzen sind hinter uns, wir schauen nach vorne», betonte Seoane und schien damit den ganzen FCL und die Anhänger aufzufordern, zu neuen Ufern aufzubrechen.

Sportkoordinator Meyer strahlt wie ein Maikäfer

Die Botschaft erfasste als Ersten den jungen Sportkoordinator Remo Meyer (37). Er strahlte wie ein Maikäfer. Was für ein Unterschied zur letzten Medienkonferenz, als der Ex-Profi neben dem angeschlagenen CEO Marcel Kälin und dem ebenfalls angegriffen wirkenden Präsidenten Philipp Studhalter nicht gerade authentisch wirkte. Am Dienstag frohlockte Meyer: «Luzern lebt!» Dem neuen Headcoach versprach er fast überschwänglich sein vollstes Vertrauen. Seoane habe es sich verdient – «er ist einer von uns».

Zehn Jungprofis aufs Super-League-Debüt vorbereitet

Das ist der neue Trainer tatsächlich, nach dem Beginn seiner Juniorenzeit in Rothenburg wechselte Seoane zum FCL. Mit 17 Jahren debütierte das einstige Toptalent in der damaligen Nationalliga A. Die ersten zwei Jahre und die letzten drei Saisons seiner Profikarriere spielte er für Luzern in der höchsten Liga. Dazu sind seit 2011 weitere sieben Jahre im Nachwuchs dazugekommen. Als U21-Trainer hat er nicht weniger als zehn Jungprofis auf deren Debüt in Babbels Super-League-Mannschaft vorbereitet.  

Meyer hat recht mit der Feststellung, dass Seoane den neuen Vertrag als Profitrainer bis zum Ende der nächsten Saison verdient hat. Ob der Kontrakt im Sommer immer noch gilt, falls der FCL in die Challenge League absteigen sollte, wollten weder Meyer noch Seoane beantworten. Beide möchten den Abstieg natürlich unbedingt verhindern. 

Nachdem Ex-Coach Babbel vor einer Woche die Vereinsführung angegriffen hatte, sei er mit Meyer  in engem Austausch gewesen, verriet Seoane. Er war von Anfang an der Kronfavorit auf die Nachfolge von Babbel gewesen. Dessen Assistent Patrick Rahmen und auch externe Kandidaten hatten von Beginn an das Nachsehen. Seoane bestätigte seine ehrgeizige, zielstrebige Art: «Ich bereitete mich seit einiger Zeit auf diese Aufgabe vor.»

Jetzt hat er den Job bekommen, auf den er besonders intensiv die letzten zwei Jahre hin arbeitete. «Das ist ein sensationelles Gefühl, in der Super League Cheftrainer zu sein. Diesen Tag werde ich nie vergessen», freute sich Seoane sehr. 

Im April 2013, nach der Entlassung des glücklosen Ryszard Komornicki, stand Seoane bereits einmal als Interimstrainer für Luzern an der Seitenlinie. Damals setzte es in Sion eine knappe 1:2-Niederlage ab. 

Assistenztrainer von Seoane wird Michael Silberbauer (36). Dieser Entscheid überrascht ein wenig, weil der dänische Ex-Nationalspieler dank Rahmen vor knapp zwei Jahren von Biel nach Luzern gefunden hatte. Für Seoane ist der Ex-YB-Profi ein kompetenter Trainer und Ausbildner. «Ich brauche gute Mitarbeiter für den Staff», sagt er. Als Leiter des Konditionstrainings wird darüber hinaus Christian Schmidt bleiben. Viel Lob vom neuen Chef erhielt aber auch Norbert Fischer für seine Arbeit, die er vor allem im Nachwuchs an der Seite von Seoane verrichtet hat. «Wir haben extrem von Fischer profitieren können, so setzen wir die Vision ideal um», befand Seoane.

Seoane fühlt sich auch dank der Ausbildung gewappnet

Den Begriff Vision nannte er noch zwei, drei Mal. Aus dem Munde des Ausbildners bekommt der Begriff Vision Leben. Seoane ist aus der Optik von Meyer «die optimale Besetzung, die perfekt zum FCL und seiner Vision passt». Wobei Seoane klarstellt, dass bei ihm alle Spieler die gleiche Chance erhalten. Allerdings will er das Kader wohl noch vor der Abreise ins Trainingslager nach Marbella am Freitag von 30 auf etwa 25 Spieler reduzieren.

In der Defensive will Seoane mit dem FC Luzern künftig konsequenter spielen und aus dem Mittelfeld heraus offensiv mutiger auftreten. Angst, dass er trotz derzeitiger Job-Euphorie scheitern könnte, hat er nicht. Seoane: «Ich bin überzeugt von meiner Fachkompetenz, die ich auch der hervorragenden Ausbildung verdanke.» 

Einwanderersohn und Vater zweier Kinder

Gerardo Seoane kam am 30. Oktober 1978 auf die Welt. Der Sohn spanischer Einwanderer wuchs in Rothenburg auf. Der neue FCL-Coach lobt die gute Schule, die er in der Luzerner Vorortsgemeinde besuchen konnte. Sein Weg war aber früh vorgezeichnet: Via FC Rothenburg kam er mit 12 zum FCL. Dort gab der sehr begabte Spieler bereits mit 17 den Einstand in der damaligen Nationalliga A unter Trainer Jean-Paul Brigger. Mit 19 folgte der Wechsel nach Sion, wo Seoane das Pech hatte, dass Christian Constantins erste Präsidentschaft 1997 mit grossen finanziellen Problemen endete. 

Seoane entschied sich danach zum Wechsel in die Heimat seiner Eltern, nach Galizien zu Deportivo La Coruña. Dessen Team der Primera División war zu jener Zeit zu stark für den 20-Jährigen, er blieb drei Saisons, spielte aber nur für die zweite Mannschaft und machte 
einen Zwischenhalt in Bellinzona. Später war er bei Aarau und GC, zum Profi-Abschluss spielte er von 2007 bis 2010 für Luzern. Seit 2011 ist er FCL-Nachwuchscoach.

Seoane wohnt in Hergiswil, er hat eine elfjährige Tochter und einen achtjährigen Sohn. Jetzt freut er sich auf das Trainingslager mit dem FCL im spanischen Marbella. Seine pensionierten Eltern leben wieder in Spanien. Zwar nicht in Marbella, sondern in der Nähe von La Coruña.

(dw)

 

 

Video: FCL-Trainer Seoane: «Wir haben genug Qualität»

Am 9. Januar 2018 wird Gerardo Seoane als neuer Cheftrainer des FC Luzern vorgestellt. Er folgt auf Markus Babbel, der vier Tage zuvor freigestellt wurde. (Jonas von Flüe, )

Video: FC Luzern stellt Gerardo Seoane vor

Der FC Luzern setzt längerfristig auf Gerardo Seoane als Trainer. Der 39-Jährige wird Nachfolger von Markus Babbel. Sehen Sie hier die Medienkonferenz in voller Länge. (spe, 09.01.2018)

  • 2007: Gerardo Seoane (rechts) kehrt nach Jahren in Sion, La Coruña, Aarau und bei den Grasshoppers zum FC Luzern zurück. (© Philipp Schmidli)
  • Doppelter Beinbruch. In einem der ersten Spiele für den FC Luzern verletzt sich Seoane schwer. Im Kantonsspital Obwalden erhält er Besuch von Patrick Foletti, Sportchef Raffaele Natale, Teamarzt Koni Birrer, Assistenztrainer Salvatore Romano und Trainer Ciriaco Sforza. (© Beat Blättler)
  • David Zibung, Marketing-Leiterin Sabine Haidan und Gerardo Seoane zeigen das Outfit für den Cupfinal 2007. (© Beat Blättler)

Der neue FCL-Trainer Gerardo Seoane arbeitet seit 2007 beim FC Luzern. Zuerst war er drei Jahre Spieler, nach einer einjährigen Pause begann er als Nachwuchstrainer. Wir blicken zurück.

Die Medienkonferenz in voller Länge:



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