Nordkoreanischer FCL-Spieler Il-Gwan Jong von Heimweh geplagt

FUSSBALL ⋅ Der Nordkoreaner Il-Gwan Jong (25) hat die hohen Erwartungen beim FC Luzern bis jetzt nicht erfüllt. Die Verantwortlichen müssen zugeben, dessen Integration unterschätzt zu haben.
11. November 2017, 08:09

Daniel Wyrsch

daniel.wyrsch@luzernerzeitung.ch

Il-Gwan Jong (25) ist einer der elf FCL-Zugänge seit Sommer. Der nordkoreanische Nationalspieler hat die hohen Erwartungen beim Tabellen-Achten der Super League bisher nicht erfüllt. In der Liga wurde der Stürmer in den ersten 14 Runden lediglich viermal und total 197 Minuten eingesetzt, zweimal stand er in der Startelf. Am 3. Spieltag, im Heimspiel gegen die Grasshoppers (2:2), erzielte er sein einziges Tor mittels eines abgefälschten Schusses zum 1:2.

Zuletzt ist es ruhig geworden um den Asiaten. Zum letzten Mal wurde er bei der 0:1-Heimniederlage am 22. Oktober gegen den Leader Young Boys während 26 Minuten eingesetzt. Danach sah Jong das 0:1 in Lugano von der Bank aus, beim 3:0-Heimsieg gegen St. Gallen am letzten Sonntag gehörte er nicht einmal dem 18-Mann-Aufgebot an. Er musste auf der Tribüne Platz nehmen.

Babbel ist unzufrieden mit den Leistungen von Jong

Was läuft schief? Markus Babbel: «Ich weiss, dass Il-Gwan Heimweh hat.» Der FCL-Trainer hatte Jong auf Empfehlung seines einstigen Mitspielers beim Hamburger SV, Jörn Andersen, in die Zentralschweiz geholt. Allerdings liess sich Babbel nicht allein vom früheren FCL-Coach und jetzigen Nationaltrainer Nordkoreas überzeugen. Babbel liess Jong extra für 14-tägige Tests einfliegen. «Da zeigte er seine Qualitäten», so Babbel. «Seit er definitiv bei uns ist, konnte er seine Fähigkeiten leider nicht mehr beweisen.»

Der Münchner stellt fest, dass sich ein ausländischer Spieler selber in Europa durchsetzen müsse. Natürlich habe es ein Deutscher wie Marvin Schulz in der Schweiz leichter als Jong, der als Nordkoreaner zuerst die Sprache lernen und den Kulturschock verdauen müsse. «Aber im End­effekt muss Jong seinen Weg hier selbst gehen», findet Babbel und stellt damit klar, dass er seinen Schützlingen nur beschränkt Hilfestellung bei der Integration leisten könne. «Ist ein Nachwuchsmann wie Ruben Vargas besser drauf, setze ich auf das Eigen­gewächs», ist Babbels Devise.

Im Club gibt man zu, dass man Fehler bei der Verpflichtung von Jong gemacht hat. FCL-CEO Marcel Kälin: «Wir haben die Integration von Jong etwas unterschätzt.» Dieser wohnt alleine in einem der Hochhäuser auf der Allmend. Er hat Schwierigkeiten mit dem ungewohnten Essen und mit der Kommunikation.

Jong hat am Freitag mit Nord­koreas Nationalmannschaft in Malaysia gespielt. Hinter seiner Zukunft beim FCL steht ein grosses Fragezeichen. Der Mann aus dem totalitären Staat von Kim Jong Un findet sich hier nicht zurecht.


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