Junge als Lückenbüsser

FUSSBALL ⋅ Vor dem kapitalen Heimspiel morgen (19 Uhr) gegen Sion herrscht beim FC Luzern einige Unruhe: Trainer Markus Babbel liess im Cup gegen Basel auf einmal vier Nachwuchsleute spielen, nun sollen sie sich aber wieder im Hintergrund halten.
01. Dezember 2017, 07:36

Daniel Wyrsch

daniel.wyrsch@luzernerzeitung.ch

Markus Babbel machte sich vor Tagen Sorgen wegen des dichten Spielplans. «Die englische Woche endet nach dem Cupmatch vom Mittwoch in Basel mit dem Heimspiel gegen Sion, welches der Verband auf Samstag gelegt hat», stellte der FCL-Trainer unzufrieden fest. Er ist besorgt, dass seine Spieler nicht genügend Regeneration bekommen. Die Erholung ist seit Saisonbeginn ein Thema: Wegen der frühen Qualifikation für die Europa League gegen Osjek (Hinspiel am 13. Juli) habe die Mannschaft nie ein richtiges Aufbauprogramm machen können, wird vom Trainerstaff moniert.

Der Cup-Viertelfinal beim Serienmeister Basel kam so gesehen zum falschen Zeitpunkt für die Luzerner. Dementsprechend hat Babbel eine überraschende Aufstellung aus dem Ärmel gezaubert: Mit Yannick Schmid (22), Stefan Knezevic (21), Idriz Voca (20) und Silvan Sidler (19) standen vier Eigengewächse in der Startaufstellung, die zuletzt bei den Profis keine Rolle gespielt hatten.

Hohe Niederlage wie in Bern verhindert

Trotzdem mussten sie gegen den FCB sofort funktionieren. Die Aktion erinnerte an das Vabanque-Spiel von Babbel am 20. September in Bern gegen YB. Damals hatte er auf einmal Schmid, Dren Feka (20) und Il-Gwan Jong in die Startelf beordert, die mit dem zu Beginn regelmässig spielenden Knezevic und Neuzugang Marvin Schulz (22) sonst schon zwei recht unerfahrene Profis aufwies. Leader YB spielte die jungen Luzerner schwindlig und gewann überlegen 4:1. Anders war es am Mittwoch, wo zum Glück für den FCL eine Basler Mannschaft auf dem Platz stand, die den Pflichtsieg und damit den Einzug in die Cup-Halbfinals mit möglichst wenig Energieaufwand anstrebte – und dieses Ziel mit dem 2:1-Sieg erreichte. Denn der FCB muss morgen in Lausanne auch wieder ran. Schon am Dienstag wartet dann das entscheidende letzte Gruppenspiel der Champions League bei Benfica Lissabon. In Basel haben sich alle Beteiligten längst an die hohe Kadenz gewöhnt, da jammert keiner über das anspruchsvolle Programm. Höchstens die Zuschauer gönnten sich eine Woche nach dem Highlight gegen Manchester United (1:0-Sieg) eine Auszeit. Nur 7715 kamen vorgestern in den St.-Jakob-Park um das K.-o.-Spiel gegen den FCL zu sehen – gegen ManUnited waren es 36 000.

Schonung für Ziegler und Rodriguez, Pause für Alves

Die Zuhausegebliebenen haben nicht viel verpasst. Babbel wechselte seinen derzeit aktivsten Stürmer Shkelqim Demhasaj erst 15 Minuten vor Schluss ein, und mit dem Ex-Internationalen Reto Ziegler und Francisco Rodriguez blieben zwei der bes­ten Profis des Super-League-Schlusslichts auf der Bank. Dabei hatte sich Standardspezialist Rodriguez vor dem Spiel noch offiziell in den Medien präsentiert.

Grund für das Bankdrücken ist die Schonung für den kapitalen morgigen Heimmatch gegen Sion. Lucas Alves war nach seinem ungenügenden Auftritt im Ligaspiel vom letzten Samstag gegen den FCB (1:4-Niederlage) gar nicht im Aufgebot. Und Youngster Filip Ugrinic (18) musste wie Ziegler und Rodriguez draussen bleiben, obwohl Babbel sicher festgestellt hatte, dass Sidler in der zweiten Halbzeit auf dem Zahnfleisch lief. Dennoch verzichtete er – für so manchen FCL-Beobachter irritierend – auf einen dritten Wechsel.

Schmid und Co. wieder aus dem Rampenlicht verbannt

Der Trainer war gestern auch dagegen, dass unsere Zeitung mit Yannick Schmid spricht und den Krienser mit einem Porträt vorstellt. Babbel findet, dass die erfahrenen Spieler jetzt Red und Antwort stehen müssen: Schmid spiele meist in der U21 und sei nun im Cup wieder einmal dabei gewesen. Nach total acht Super-League-Einsätzen (fünf davon in dieser Saison mit zwei Toren) sei er nicht die ideale Person, um Auskunft zu geben. Selbiges gilt für Idriz Voca. Der Mittelfeldspieler, der für die heutige Medienkonferenz vor dem Sion-Spiel vorgesehen war, muss für Christian Schneuwly (29) weichen. Die klubeigenen Jungen sind gerade nur Lückenbüsser im Cup.

Beim FCL wird viel von der Vision 2021, von Identifikation und Einbau der Junioren geredet. Wohl auch an der heutigen GV, wo die Rechnung der Saison 2016/17 präsentiert wird.


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