FCL verliert Torgaranten Marco Schneuwly

FUSSBALL ⋅ Spekuliert wurde es schon länger, jetzt ist es fix: Topskorer Marco Schneuwly (32) verlässt Luzern. In Sion unterschreibt er einen Zweijahresvertrag. Derweil bemüht sich der FCL um einen Ersatz.
20. Juni 2017, 16:56

Raphael Gutzwiller

raphael.gutzwiller@luzernerzeitung.ch

Als gestern Nachmittag die Meldung via Twitter verbreitet wurde, erstaunte sie nur wenig: Topskorer Marco Schneuwly verlässt den FC Luzern. Er wechselt per sofort zum FC Sion. Schon im letzten Sommer zeigten die Walliser, allen voran Präsident Christian Constantin, Interesse am Goalgetter. Damals verweigerte der FCL jedoch die Freigabe.

In der abgelaufenen Rückrunde haben sich der Freiburger und die Verantwortlichen des FC Luzern bei den Verhandlungen über eine Vertragsverlängerung nicht einigen können. Angeblich hatte der FCL für eine Vertragsverlängerung bis zu 40 Prozent weniger Lohn geboten.

Schneuwlys Quote: 120 Spiele, 68 Tore

Das Tuch zwischen den beiden Vertragsparteien war zerschnitten. Das zeigte sich auch daran, dass Schneuwly in den letzten drei Meisterschaftsspielen nur 34 Minuten zum Einsatz kam. Auch seine Leistungen in der Rückrunde liessen zu wünschen übrig.

Dennoch: Für den FCL ist der Abgang von Schneuwly ein grosser Verlust. Der Stürmer mag zwar nicht der begnadetste Techniker sein, aber er überzeugt vor allem durch eines: Effizienz. In insgesamt 120 Spielen für den FC Luzern erzielte er 68 Tore, dazu gab er 20 Assists. Eine beeindruckende Quote – und genug, um sich bei anderen Vereinen zu empfehlen. Neben Sion buhlte auch Lugano um den Goalgetter. Beim FC Sion unterschreibt der ältere der Schneuwly-Brüder einen Vertrag über zwei Jahre bis 2019. Schon heute will er erstmals mit seinem neuen Verein trainieren. Trotz mehrfacher Nachfrage war er gestern aber für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Für den FC Sion stürmte Marco Schneuwly 2006 übrigens schon einmal. Damals war er sechs Monate lang von den Young Boys an die Walliser ausgeliehen, die in der Challenge League spielten. Mit Sion stieg Schneuwly in die Super League auf und gewann den Schweizer Cup. Allerdings kam er in den entscheidenden Barrage-Spielen gegen Xamax und im Cupfinal nicht zum Einsatz.

Ist Demhasaj der neue Schneuwly?

Sion glückt ein Transfercoup – und Luzern? Die Innerschweizer haben bisher diesem Sommer noch keine Neuverpflichtung getätigt. Fest steht einzig, dass Christian Schwegler (32) von RB Salzburg zum FCL wechselt. Dazu kommen diverse Leihspieler, die nach Luzern zurückkehren.

Adäquaten Ersatz für die bereits abgewanderten Marco Schneuwly und Nicolas Haas (Atalanta Bergamo) sowie die möglichen Abgänge von Markus Neumayr (Kasimpasa?) oder Tomi Juric fehlen bisher.

Möglich scheint nun aber eine Verpflichtung von Shkelqim Demhasaj. Der 21-jährige Stürmer des FC Schaffhausen stand schon im Winter auf dem Wunschzettel der Luzerner, nun könnte er Tatsache werden. Demhasaj ist wie Schneuwly ein Goalgetter: In der abgelaufenen Challenge-League-Saison erzielte er 17 Tore in 34 Spielen. Er stammt aus der Jugendabteilung des FC Schaffhausen und hat seinen Marktwert in den letzten Monaten kontinuierlich nach oben geschraubt. Gemäss Transfermarkt.com beträgt sein Wert 550000 Franken.

Dazu will sich FCL-Sportkoordinator Remo Meyer nicht äussern. «Klar ist, dass wir in der Offensive noch eine Verstärkung verpflichten werden. Aber solange nichts fix ist, werden wir nicht kommunizieren», sagt er. Ebenso wenig kommunizieren will er den Abgang von Schneuwly. Obwohl Sion den Transfer gestern Nachmittag auf seiner Website vermeldet hatte, hiess es beim FCL noch am Abend, dass noch die Unterschrift für die Ablösevereinbarung fehle. Somit blieb auch die Frage nach der Ablösesumme, die man für seinen Topskorer erhielt, vorerst unbeantwortet.


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