Nach Goaliepatzer: FCL verliert gegen Sion

FUSSBALL ⋅ Der FC Luzern unterliegt zu Hause gegen den Tabellenletzten FC Sion mit 0:1. Das Tor fällt nach einem kapitalen Fehler von Jonas Omlin – dabei zählt der Torhüter ansonsten zu den Besten.
Aktualisiert: 
15.04.2018, 22:00
15. April 2018, 17:59

Raphael Gutzwiller

raphael.gutzwiller@luzernerzeitung.ch

Es ist das Fiese an der Position des Torhüters im Fussball: Macht er einen Fehler, ist das Missgeschick gleichbedeutend mit einem Gegentreffer. Das musste am Sonntag FC-Luzern-Goalie Jonas Omlin am eigenen Leib erfahren. Es lief die 50. Spielminute, als er nach einem Rückpass von Olivier Custodio versuchte, Sion-Offensivspieler Matheus Cunha auszuspielen. Doch der Brasilianer luchste Omlin den Ball ab und schob zum 1:0 für den FC Sion ein.

Der kapitale Fehler von Jonas Omlin sollte die Entscheidung des Spiels zwischen dem FC Sion und dem FC Luzern sein. Dennoch nahm Captain Claudio Lustenberger seinen Torhüter nach dem Fehler in Schutz. Er sagte: «Zwar ist es ein Fehler von Jonas, das ist klar. Davor und danach hat er uns aber mit starken Paraden überhaupt im Spiel gehalten.» Tatsächlich hielt der Schlussmann aus Sachseln hervorragend, seine Parade bei einem Kopfball von Carlitos erhält das Prädikat Weltklasse. Doch am Ende war Omlin dennoch der Buhmann, er zog sich nach dem Spiel zurück und wollte sich nicht den Medien stellen.

«Die mit Abstand schlechteste Rückrundenleistung»

Dass der Goalie mit der Rückennummer 21 überhaupt im Blickpunkt des Interesses stand, sagt einiges über den Auftritt des FC Luzern aus. Es war die «mit Abstand schlechteste Leistung in der Rückrunde» (Lustenberger). Sie führte dazu, dass Sion das Spiel über weite Strecken dominieren konnte. «Wir haben hier sicher verdient gewonnen», stellte Sion-Trainer Maurizio Jacobacci nach Spielschluss fest. Er hatte recht. Das lag zum einen an einem guten FC Sion, zum anderen aber auch an einem schwachen FCL. Er präsentierte sich erschreckend ideenlos und ohne Kreativität, zudem liess er die zuletzt überzeugende Aggressivität und Entschlossenheit vermissen. «Unser angestrebtes Pressing hat nicht funktioniert», stellte Lustenberger fest. Auch Trainer Gerardo Seoane war unzufrieden: «Sion praktizierte ein offensives Pressing, deshalb versuchten wir es häufig mit langen Bällen. Wir hatten aber viel zu selten die zweiten, abprallenden Bälle.»

Das führte dazu, dass Sion die Feldüberlegenheit hatte, sie kamen auch zu den besseren Torchancen. «Wir hätten das Spiel früher entscheiden müssen, indem wir die Chancen effizienter nutzen», meinte Sion-Trainer Jacobacci. Der FCL auf der Gegenseite kam im ganzen Spiel nur zu zwei guten Torchancen: durch einen Kopfball von Nicolas Schindelholz in der 32. Minute und beim Lattenknaller von Shkelqim Demhasaj in der 65. Minute. Das war offensiv alles, was der FC Luzern zu bieten hatte, auch wenn er in der Schlussphase endlich versuchte, Druck auf das gegnerische Tor aufzubauen.

Gegen den FC Sion fehlte es beim FC Luzern vielleicht auch einfach am Mut, der Respekt vor dem Gegner war riesig. So lassen sich die Aussagen nach Spielschluss im Stadiontunnel deuten. Es schien, als wären die Rollen vertauscht worden: so, als würden die Luzerner gegen den Abstieg kämpfen und die Walliser beste Chance auf die Europa League haben. FCL-Trainer Seoane meinte: «Die Klasse von Sion kann man nicht hundertprozentig in den Griff kriegen.» Innenverteidiger Schindelholz ergänzte: «Wir wussten, dass Sion offensiv sehr starke Spieler hat.»

FCL will gegen Lausanne eine Reaktion zeigen

Bei allem Respekt gegenüber Sion: Der FC Luzern hat 2018 in neun Spielen 20 Punkte geholt, Gegner Sion kam mit elf Punkten gerade mal auf ein bisschen mehr als die Hälfte der Luzerner Punktzahl. Luzern ist zwar auf einen Gegner getroffen, der von der Qualität der Spieler her nichts mit dem Abstieg zu tun haben sollte, doch wer nach 28 Spieltagen am Tabellenende steht, sollte einem Team auf dem vierten Rang keine Angst einjagen. Dass der FCL im eigenen Stadion so passiv agierte, scheint darum unverständlich. «Wir waren einfach nicht parat», stellte Stürmer Demhasaj fest.

Das einzig Gute aus Sicht der Luzerner: Am Donnerstag können sie bereits wieder eine Reaktion zeigen. Dann spielt der FC Luzern auswärts in Lausanne – gegen den neuen Tabellenletzten.


Luzern - Sion 0:1 (0:0)

10'168 Zuschauer. - SR Tschudi. - Tor: 50. Cunha 0:1.

Luzern: Omlin; Grether (75. Kutesa), Schindelholz, Knezevic, Lustenberger; Custodio, Voca; Christian Schneuwly, Rodriguez (64. Juric); Demhasaj, Vargas (75. Follonier).

Sion: Fickentscher; Maceiras, Cümart (83. Angha), Neitzke; Lenjani, Toma, Kouassi; Uçan (68. Grgic); Carlitos, Mboyo (46. Marco Schneuwly), Cunha.

Bemerkungen: Luzern ohne Alves, Arnold, Cirkovic, Gvilia, Schmid, Schürpf, Schulz, Schwegler (alle verletzt), Sion ohne Adryan, Constant, Kasami, Kukeli, Lurati, Mitrjuschkin, Ricardo, Zock (alle verletzt). 65. Lattenschuss von Demhasaj. Verwarnungen: 31. Cunha, 34. Knezevic, 72. Schindelholz (alle Foul), 78. Lenjani (Unsportlichkeit), 83. Kouassi (Foul).
 

  • Von links: Sions Bastien Toma und Andre Neitzke mit Luzerns Shkelqim Demhasaj und einem zu Boden gehenden Xavier Kouassi. (© Alexandra Wey/Keystone (Luzern, 15. April 2018))
  • Idriz Voca (links) kämpft mit Bastien Toma um einen Kopfball. (© Alexandra Wey/Keystone (Luzern, 15. April 2018))
  • Carlitos (links) gegen Simon Grether. (© Martin Meienberger/Freshfocus (Luzern, 15. April 2018))

Der FC Luzern verliert zu Hause gegen den FC Sion mit 0:1.

Video: FANalyse: FCL - FC Sion

Der FC Luzern verliert zu Hause gegen Sion mit 1-0 und ist damit im zweiten Spiel in Folge ohne Sieg. Wie die Fans das Spiel sahen und ob sie langsam unruhig werden, sehen Sie hier. (Sara Häusermann / Luzernerzeitung.ch, 15. April 2018)




Anzeige: