Servette erwacht dank Genfer Unternehmer wieder

FUSSBALL ⋅ Der Servette FC gehörte im Schweizer Fussball zu den Premium-Adressen, ehe er im Chaos versank. Unter neuer Führung klopfen die Genfer nun wieder an die Türe der Super League – und sie fordern am Samstag (18 Uhr) im Cup den FC Luzern.
15. September 2017, 08:27

Im Juni 2015 war’s, als der nächste Kollaps drohte. Unter dem Präsidenten Hugh Quennec waren die Dinge aus dem Ruder gelaufen: Lizenzentzug und Zwangsabstieg in die drittklassige Promotion League, dazu drohte der Konkurs – mit bemerkenswerter Misswirtschaft war ein Schuldenberg von 5 Millionen Franken entstanden. Servette hätte in jenen Tagen für immer verschwinden können, weil der Klub sich vom zweiten Konkurs innert zehn Jahren kaum erholt hätte.

Die Rettung kam in letzter Minute, orchestriert wurde sie von Didier Fischer, einem in der Finanzwelt bestens vernetzten Genfer Unternehmer. Die nötigen fast 10 Millionen Franken trommelte er innert 30 Minuten zusammen, so erzählt er es heute. Hauptgeldgeber ist die Fondation Hans Wilsdorf, die Stiftung des 1960 verstorbenen Gründers der Uhrenmarke Rolex. Ohne Fischer wäre das Engagement undenkbar gewesen; die Stiftung steht für Seriosität – zu lange hatten sich im Klub Ganoven, Selbstdarsteller und Betrüger die Klinke in die Hand gegeben.

Servette glich in den letzten 15 Jahren einer Art schwarzem Loch, das viel Geld kostete und noch mehr Kredit. Auch Präsident Fischer musste das erfahren. Sein Onkel fragte, ob man nicht gleich ein Erinnerungsfoto schiessen könne – bald werde das ja nicht mehr möglich sein, wenn Fischer hinter Gittern sitze.

Doch die Befürchtungen, Fischer würde sich mit Servette übernehmen, haben sich bisher nicht bewahrheitet. Im ersten Jahr seiner Amtszeit gelang der Aufstieg in die Challenge League, und nun klopft der Verein bereits wieder an die Türe der Super League, um die Promotion dürfte ein Zweikampf mit Xamax entstehen. Die finanziellen Kapriolen gehören der Vergangenheit an, das Budget von 5,5 Millionen Franken ist gesichert; die Mannschaft wurde in jeder Transferperiode verstärkt. Vor Jahresfrist kam der inzwischen an YB verkaufte Stürmer Jean-Pierre Nsamé. Im Sommer engagierte Servette mit dem Flügel Steven Lang und dem Luzerner Verteidiger Sally Sarr Personal mit Super-League-Erfahrung, zudem kam aus Bosnien der Wirbelwind Miroslav Stevanovic, der das Zeug zur Entdeckung des Jahres hat.

Die Talente brauchen die Perspektive Super League

Es geht voran im Klub, nicht nur sportlich. Die Genfer Wirtschaft, die sich jahrelang abgewandt hatte, verstaut Anfragen nicht mehr länger im Giftschrank. Es gibt wieder Trikotwerbung, die Auslastung der Logen nimmt zu, die Anzahl der Sponsoren ebenfalls. Mittelfristig, das ist Fischers Plan, soll Servette wieder zu so etwas wie einem Leuchtturm für den chronisch darbenden Fussball in der Romandie werden, ein Klub mit überregionaler Ausstrahlung. Das wäre wichtig, denn derzeit muss Servette seine besten Talente Jahr für Jahr praktisch kampflos ziehen lassen. YB verdiente mit dem Transfer des Nationalspielers Denis Zakaria nach Gladbach ein Vermögen – ausgebildet wurde er in Genf. Auch die Abgänge von Kevin Bua (jetzt Basel), François Moubandje (Toulouse), Kevin Mbabu (YB) und zuletzt Yassin Maouche (FC Zürich) schmerzten. Fischer sagt darum: «Wir können unseren jungen Spielern nur in der Super League eine Perspektive bieten.» Der Aufstieg ist darum Pflicht, wenn nicht in dieser, dann in der nächsten Saison, das ist die Vorgabe für den bosnischen Trainer Meho Kodro, der einst unter Cruyff bei Barcelona stürmte.

Schon jetzt plant Servette zweigleisig, im Falle einer Promotion würde das Budget mehr als verdoppelt. Für einen Klub, der vor zweieinhalb Jahren noch auf dem Sterbebett lag, sind das nicht die schlechtesten Perspektiven, auch wenn der Weg zurück in die Elite steinig bleibt.

 

Nicola Berger, Genf

sport@luzernerzeitung.ch


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