Remo Meyer: «Spieler sollen ihre Herzen öffnen»

SPORTKOORDINATOR ⋅ Remo Meyer (36) hat seine Arbeit beim FC Luzern am 1. Juni aufgenommen. Der neue Sportkoordinator ist guter Dinge – obwohl er sich bewusst ist, dass der Verein in der Kaderplanung spät dran ist.
13. Juni 2017, 05:00

Daniel Wyrsch

daniel.wyrsch@luzernerzeitung.ch

Remo Meyer ist zurück beim FC Luzern. Dort, wo er als Teenager einst seine Anfänge in der Super League machte, ist er seit Anfang Juni Sportkoordinator. Der 36-Jährige sagt zu seiner Situation: «Der späte Zeitpunkt meines Starts ist nicht optimal, die Spieler sind in den Ferien, die Gespräche mit ihnen muss ich führen, wenn sie zurück sind.» Verschiedene Pendenzen hätten sich angesammelt. Doch Meyer macht dennoch einen zuversichtlichen Eindruck: «Ich versuche, das Bestmögliche aus der Situation zu machen.»

Bis vor wenigen Tagen war er Spielertrainer beim FC Hochdorf in der 2. Liga inter. Jetzt ist er zuständig für die Kaderplanung bei einem Profiverein, der letzte Saison zu den Top 5 des Landes gehörte. «Das sind verschiedene Welten», stellt Meyer fest.

Kontakt zu Kögl, Spycher und Frei

Er ist überzeugt von seinem Beziehungsnetz im Spitzenfussball. «Ich muss es einfach wieder erneuern.» Bei seinem ehemaligen FCL-Mitspieler und späteren Berater Ludwig «Wiggerl» Kögl (51) hatte er in der Vergangenheit Erfahrungen gesammelt und als Scout gearbeitet. Gute Beziehungen unterhält er bis heute zu Christoph Spycher (39), dem YB-Sportchef, und zu Alex Frei (37), dem sportlichen Chefstrategen und U18-Trainer beim FC Basel. Mit den beiden Ex-Internationalen hatte er einst in Luzern und in der Nationalmannschaft zusammengespielt. Frei ist übrigens auch Götti von einem seiner Söhne. Diese eifern ihrem Vater nach: Die älteren beiden Söhne von Meyer (13 und 11 Jahre alt) spielen beim FCL-Nachwuchs, der 7-Jährige in Meyers Wohnort, beim FC Rothenburg.

Weil die Spieler bis zum FCL-Trainingsstart am 24. Juni in den Ferien weilen, ist Meyer gegenwärtig mit diversen Beratern im Gespräch. Dabei muss er auch weiterdenken. Falls Stürmer Tomi Juric beim Confed-Cup in Russland, der am 17. Juni beginnt, für Australien stark spielt, hat er damit zu rechnen, dass der 25-Jährige den FCL trotz Vertrags bis 2018 verlässt. In diesem Fall sollte schnell die Möglichkeit bestehen, einen neuen Goalgetter zu verpflichten.

Begehrter Marco Schneuwly vor dem Absprung

Obwohl der neue Sportkoordinator gute Chancen sieht, dass Jungstürmer Cedric Itten (20) nicht zu Basel zurückkehrt, sondern eine zweite Leihsaison in Luzern anhängt, muss der FCL wohl einen Nachfolger für Goalgetter Marco Schneuwly (32) finden. «Marco hat in der Rückrunde nicht den Eindruck gemacht, dass er sich hier glücklich fühlt. Mehr Aufschluss wird mir unser Gespräch geben», erklärt Meyer. Der 14-fache Saisontorschütze dürfte keine Mühe haben, einen neuen Verein zu finden, der ihm – anders als Luzern – einen gut dotierten Zweijahresvertrag offeriert. Interesse hat Lugano angekündigt. Und auch bei GC dürfte Schneuwly auf der Liste stehen.

Für Meyer ist wichtig, dass die Profis ihm erzählen, was sie beschäftigt. «Die Spieler sollen ihre Herzen öffnen.» Aus seiner Karriere bei Luzern, Lausanne, 1860 München und Red Bull Salzburg weiss er, «wie entscheidend das Mentale im Fussball ist. Das unterschätzen viele Leute.» Er charakterisiert sich selbst als eine Person, die direkt und ehrlich sagt, was sie denkt. «Ich mag Menschen nicht, die ständig um die Sache herumreden, wo man nicht genau weiss, was sie eigentlich meinen.»

Trotz mehrerer möglicher Abgänge, zu denen im negativen Fall auch Mittelfeldspieler Hekuran Kryeziu (24) zählen könnte, ist Remo Meyer gelassen, was die Stärke der Mannschaft Ausgabe 2017/18 betrifft. «Wir werden ein kompetitives Team auf den Platz bringen», ist er überzeugt.

Team braucht gute Mischung

Obwohl der FCL aus bekannten Gründen das Budget strikt einhalten muss, will der gebürtige Altbüroner nicht klagen: «Mehrere Klubs müssen mit ähnlichen Mitteln auskommen.» Für Meyer ist klar, «dass wir eine gute Mischung aus erfahrenen und jungen Spielern haben müssen. Nur mit grösstenteils eigenen Nachwuchsleuten könnten wir keinen Erfolg haben.» Sein Ziel ist es, im Zentrum einen Profi zu holen, der die Qualitäten eines Teamleaders besitzt. Und generell wähle er die Spieler nach ihrem Können aus, ihm sei es egal, ob einer alt, jung, weiss oder schwarz sei. «Neben den fussballerischen Qualitäten ist wichtig, dass die Spieler charakterlich zu uns passen.»

Dem vierköpfigen Sportausschuss sitzt Meyer vor. Neben ihm sitzen dort Verwaltungsrat Marco Sieber, CEO Marcel Kälin und Cheftrainer Markus Babbel. «Wir entscheiden im Gremium», sagt Meyer, der aber von seinen Kompetenzen als Sportkoordinator überzeugt ist. «Ich habe eine klare Meinung und vertrete diese offen und deutlich.»


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