Der FCL bleibt in der Abwärtsspirale stecken

SUPER LEAGUE ⋅ Das 1:4 (1:3) auswärts gegen YB ist bereits die vierte Niederlage des FC Luzern in Serie. Die Innerschweizer hätten in Bern noch weit höher verlieren können.
Aktualisiert: 
14.05.2017, 20:00
14. Mai 2017, 15:39

Daniel Wyrsch, Bern

daniel.wyrsch@luzernerzeitung.ch

FCL-Trainer Markus Babbel sass in den Schlussminuten völlig bedient auf der Bank. Den Kopf legte er zu Michael Silberbauer hinüber. Dieser war gegen YB anstelle des am Knie operierten Patrick Rahmen Babbels Assistenzcoach. Doch wahrscheinlich fand der Däne Silberbauer auch keine Erklärung für den erneut zu schlechten Auftritt der Luzerner.

Mit 4:1 gewannen die Young Boys die einseitige Partie. Ihr Trainer Adi Hütter fand zu Recht: «Wir waren der absolute Chef auf dem Platz.» YB hat sich mit dem hohen Sieg Platz 2 weiter festigen können. Während der FCL (5.) immer mehr in der Negativspirale steckt. Die letzten vier Partien sind nun allesamt verloren gegangen. Dabei hat die Mannschaft total 13 Gegentore kassiert. 

Nach 11,8 Sekunden liegt der FCL 0:1 im Rückstand

Vor allem gelang dem Team von Babbel keine Reaktion auf dessen provokante Aussagen nach dem letzten Match in Thun (1:3). Die Mannschaft sei schon lange mental tot und keine Einheit mehr, hatte der deutsche Trainer gesagt. 

Und was passierte im Stade de Suisse? Nach 11,8 Sekunden lag der Ball im Tor der Innerschweizer. Der drittschnellste Treffer der Super-League-Geschichte erzielte Miralem Sulejmani mit einem Hocheckschuss. FCL-Goalie Jonas Omlin hatte keine Chance, aber Hekuran Kryeziu liess im Mittelfeld Yoric Ravet vorbeilaufen, und Ricardo Costa sowie Christian Schneuwly schauten Sulejmani beim Torschuss zu. 

Für YB war dieses attraktive Tor ein toller Auftakt zum «Kids Day» sowie Muttertag, an dem dank Gratiseintritten 21 000 Zuschauer ins Stadion kamen. Dabei spielte der FCL den idealen Gegner für die Gala der Berner. 

Das Erfreulichste, was der ruhig gebliebene Babbel von seinem Team gesehen hatte, war die Reaktion auf den frühen Rückstand. «Wir machten es danach viel besser, sind durch dieses frühe Gegentor geweckt worden.» Eine Massflanke von Christian Schneuwly köpfelte Tomi Juric in der 8. Minute zum 1:1 ein. Das fünfte Ligator des Australiers gab dem FCL Hoffnung. 

Doch die Defensive ist in der gegenwärtigen Verfassung zu anfällig. Vor allem gegen schnell umschaltende Gegner wie YB. Das 2:1 der Berner köpfelte Sulejmani (29.) auf Freistoss von Ravet. Roger Assalé (35.) erhöhte zum 3:1, Michael Frey nach der Pause (60.) zum 4:1.

Während der FC Luzern keine echte Chance mehr besass, vergab YB eine Vielzahl und traf zweimal die Latte. Babbel blieb schliesslich nur zu analysieren übrig: «Die Schnelligkeit fehlt uns, weil wir vom Kopf her nicht zu handeln bereit sind.»

  • Jonas Omlin: Note 4. 
Er zeigt eine ordentliche Leistung trotz vier Gegentoren. Nicht immer sicher mit den Fusszuspielen. (© Martin Meienberger/freshfocus)
  • Christian Schneuwly: Note 3.
Sulejmani spielt ihn zu Beginn schwindlig. Schneuwly gelingt 1:1-Assist; rettet auf der Linie (93.). (© Martin Meienberger/freshfocus)
  • Ricardo Costa: Note 3.
Eine gute Aktion gegen Assalé ist für einen Abwehrchef zu wenig. Holt sich mit hartem Foul Verwarnung. (© Martin Meienberger/freshfocus)

Nicht bewertbar: Cedric Itten. Bewertung: Daniel Wyrsch.

Kryezius schlechter Tag zeigt deutlich Wirkung

Mittelfeld Dass die zentrale Verteidigung seit Anfang der Rückrunde oft ein Luzerner Schwachpunkt ist, ist bekannt. Doch wenn, wie in Bern gegen die Young Boys, dazu noch die kampfstarken Mittelfeldspieler ausfallen, dann kommt der FCL gegen einen spielerisch starken und schnellen Gegner wie YB arg in Bedrängnis. 

Hekuran Kryeziu, in den letzten Monate und Wochen ein Leader, zog einen schlechten Tag ein. So weit entfernt von seiner Normalform hat man den 24-jährigen Schwyzer seit Jahren nicht mehr spielen sehen. Trainer Markus Babbel verteidigte seinen in der 62. Minute ausgewechselten Spieler: «Das kann passieren, dass mal so eine missratene Leistung dabei ist. Ich bin sicher, er wird sich wieder aufrappeln.» 

Nicht im Aufgebot stand Nicolas Haas (21), mit dem Babbel nicht einig ist, da der junge Spieler mit einem Transfer liebäugelt. Weil Markus Neumayr muskuläre Probleme plagen, musste er pausieren. Für ihn kam Idriz Voca (19) zum Startelf-Debüt. Er und Filip Ugrinic (18) bildeten am Ende das zentrale Mittelfeld. Keinen Einfluss aufs Resultat hatte der Platzverweis gegen Claudio Lustenberger (75.), da stand es schon 4:1 für YB.

 

Video: FCL meldet sich nach Niederlage zu Wort

Das Team rund um Trainer Markus Babbel äussert sich nach dem verlorenen Spiel gegen YB über die Leistungen der Mannschaft. (Tele1, 15. Mai 2017)


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