Leicesters Test in Manchester

ENGLAND ⋅ Leicester City wird am Samstag dem nächsten Reifetest unterzogen. Der für viele noch immer überraschende Leader der Premier League tritt in der 25. Runde bei Manchester City, dem ersten Verfolger, an.

Das Programm meint(e) es in den letzten und kommenden Wochen streng mit Leicester. Die "Foxes" treffen im Februar der Reihe nach auf Liverpool (2:0) und nun jeweils auswärts auf Manchester City und Arsenal. Das Kräftemessen mit Manchester City ist ein eigentlich ungleiches: Hier eine mutmassliche Startformation, die addierte 29 Millionen Euro Ablösesumme kostete, dort eine mit 303 Millionen Transferwert. Hier "kein Team mit Stars, aber ein Team, das auf dem Platz geschlossen arbeitet", wie es der österreichische Linksverteidiger Christian Fuchs beschrieb. Dort eine Truppe mit lauter Stars. Hier mit Claudio Ranieri ein Trainer, der in den letzten zwölf Jahren siebenmal den Verein wechselte. Dort mit Manuel Pellegrini ein Meister-Trainer (2014), der seit dieser Woche weiss, dass er im Sommer Pep Guardiola weichen muss.

Von Leicester erwartete vor dieser Saison niemand den Eingriff in den Kampf um den Titel. Im Gegenteil: Der Verein, bei dem Gökhan Inler (Stichwort "never change a winning team") seit Monaten kaum Einsatzgelegenheiten erhält, wurde als einer der ersten Abstiegskandidaten gehandelt - weil er im letzten Jahr den Fall in die Championship nur knapp hatte verhindern können. Nun glauben selbst Experten immer mehr daran, dass Leicester heuer tatsächlich eine ernst- und dauerhafte Gefahr für Manchester City, Arsenal oder die anderen, weniger gut klassierten "Grossen" (z.B. Manchester United) sein könnte. "Jeder will uns stürzen sehen, das spornt uns noch mehr an. Es ist fast die grösste Motivation, es den Leuten zu zeigen, die uns nichts zutrauen", sagte Fuchs.

Leicester ist seit November 2015 auf einem Top-2-Rang klassiert, hat von den letzten 17 Partien nur eine (0:1 im Hinspiel in Liverpool) verloren und blieb in den letzten sechs Spielen fünfmal ohne Gegentor. Ebenso sehenswert wie effizient sind neben dem ausgesprochen starken Pressing die Abschlüsse von Liga-Topskorer Jamie Vardy (18 Treffer) - zuletzt mit einer Doublette gegen Liverpool - sowie die Spielfreude und die teils irrsinnigen Dribblings des dünnbeinigen Algeriers Riyad Mahrez (13 Tore/8 Vorlagen).

Bundesliga-Topteams unter sich

In der 20. Runde der Bundesliga spielen sechs der besten sieben Teams gegeneinander. Leverkusen (4.) empfängt Leader Bayern München, Schalke (5.) den VfL Wolfsburg (7.) und Hertha Berlin (3.) spielt gegen das zweitklassierte Borussia Dortmund. Als Überraschung der bisherigen Saison gilt Hertha. Die Mannschaft um den Schweizer Captain Fabian Lustenberger ist im Vergleich zum Vorjahr kaum wiederzuerkennen.

In der Nacht zum 5. Februar 2015 war Pal Dardai als Nachfolger von Jos Luhukay vom U15-Coach zum Chef der Profis befördert worden. Hertha dümpelte damals auf Abstiegsplatz 17 herum. Was dann kam, ist zumindest in Deutschland bekannt: Vor allem mit viel Kampf und Einsatz - Dardais grössten Tugenden auch als Profi - verhinderte die Hertha den erneuten Abstieg in die Zweitklassigkeit gerade so.

"Danach haben wir einen Schlussstrich gezogen", sagte Dardai, der mit 286 Bundesliga-Einsätzen Berliner Rekordspieler ist. Verdienstvolle Spieler wurden verabschiedet, neuer Wind kam - und blieb. Einer der Leidtragenden ist Valentin Stocker, der seit Anfang November kaum mehr zum Einsatz kommt. Im zweiten Halbjahr seiner ersten Saison mit Hertha war der Schweizer Internationale eine treibende Kraft gewesen.

Marseille gegen PSG klarer Aussenseiter

In Frankreich steht im Rahmen der 25. Runde der Ligue 1 am Sonntagabend der "Clasico" im Programm. Allerdings stand das Duell zwischen Marseille und Paris Saint-Germain noch selten unter so einseitigen Vorzeichen. PSG führt die Rangliste mit 24 Punkten Vorsprung auf Monaco an. Der unangefochtene Leader hat mit dem 3:1 gegen Lorient die Serie der Ungeschlagenheit auf die Rekordmarke von 33 Partien ausgebaut, der vierte Meistertitel in Folge ist nur noch Formsache. Der Rückstand von Marseille auf seinen Erzrivalen beträgt 32 Zähler, dazu ist die Mannschaft von Michel seit neun Heimspielen ohne Sieg. (sda)


Login


 

Leserkommentare

Anzeige: